Oraler Impfstoff gegen Harnwegsinfektionen langfristig erfolgreich8. April 2024 Der Impfstoff wird einfach in den Mund gesprüht. Foto (Symbolbild mit Modell): absolutimages – stock.adobe.com Wiederkehrende Harnwegsinfektionen (HWI) können bei mehr als der Hälfte der Menschen, denen ein oraler Spray-Impfstoff verabreicht wird, bis zu neun Jahre lang verhindert werden. Damit stellt der Impfstoff laut Untersuchungen eine potenzielle Alternative zu Antibiotika-Behandlungen dar. Erste Ergebnisse der ersten Langzeit-Folgestudie zur Sicherheit und Wirksamkeit des MV140-Impfstoffs bei wiederkehrenden HWI wurden am 07.04.2024 auf dem Kongress der European Association of Urology (EAU) in Paris (Frankreich) vorgestellt. Sie zeigen, dass sowohl bei Männern als auch bei Frauen mit wiederkehrenden HWI 54 Prozent der Studienteilnehmer neun Jahre lang nach der Impfung frei von HWI blieben, ohne dass nennenswerte Nebenwirkungen gemeldet wurden. Die vollständigen Ergebnisse der Studie werden voraussichtlich bis Ende 2024 veröffentlicht. HWI sind die häufigste bakterielle Infektion. Jede zweite Frau und jeder fünfte Mann leiden unter dieser schmerzhaften und unangenehmen Erkrankung. In 20 bis 30 Prozent der Fälle kommt es zu wiederkehrenden Infektionen, die eine kurzfristige Antibiotikabehandlung erfordern. Da antibiotikaresistente HWI immer häufiger auftreten und Medikamente immer weniger wirksam werden, sind neue Wege zur Vorbeugung und Behandlung dieser Infektionen erforderlich. In der vorgestellten Studie betrachteten Ärzte des Royal Berkshire Hospital in Reading (Großbritannien) die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit des MV140-Impfstoffs bei 89 Patienten, die ursprünglich in der Privatklinik „The Urology Partnership Reading“ behandelt wurden. Hälfte der Teilnehmer neun Jahre infektionsfrei MV140 ist ein neuer Impfstoff gegen wiederkehrende HWI und wird drei Monate lang täglich mit zwei Sprühstößen einer Suspension mit Ananasgeschmack unter der Zunge verabreicht. Während Forscher bereits zuvor die kurzfristige Sicherheit und Wirksamkeit von MV140 untersucht haben, ist dies die erste langfristige Folgestudie, über die weltweit berichtet wird. Dr. Bob Yang, beratender Urologe beim Royal Berkshire NHS Foundation Trust, der die Forschung mit leitete, sagte: „Neun Jahre nach der ersten Verabreichung dieses neuen HWI-Impfstoffs blieb etwa die Hälfte der Teilnehmer infektionsfrei. Insgesamt ist dieser Impfstoff langfristig sicher und unsere Teilnehmer berichteten, dass sie weniger HWI hatten, die weniger schwerwiegend waren. Viele derjenigen, die eine HWI bekamen, sagten uns, dass es ausreichte, einfach viel Wasser zu trinken, um die HWI zu behandeln.“ Yang schätzt, dass der Impfstoff sehr einfach auch von Hausärzten als dreimonatige Kur verabreicht werden könnte. „Viele unserer Teilnehmer erzählten uns, dass die Impfung ihre Lebensqualität wiederhergestellt habe. Während wir die Wirkung dieses Impfstoffs bei verschiedenen Patientengruppen noch nicht untersucht haben, deuten diese Folgedaten darauf hin, dass er die Vorbeugung von HWI grundlegend verändern könnte, wenn er flächendeckend angeboten wird und den Bedarf an Antibiotikabehandlungen verringert“, hofft Yang. Langfristige Folgestudie In ihrer ursprünglichen Studie wurden die Patienten zunächst zwölf Monate lang nachbeobachtet und die Daten der Frauen in der Kohorte wurden 2017 in „BJU International“ veröffentlicht. Für ihre neunjährige Folgestudie analysierten die Forscher Daten aus den elektronischen Gesundheitsakten ihrer Patienten aus der ursprünglichen Kohorte. Sie befragten die Teilnehmer zu ihren Erfahrungen mit HWI seit der Impfung und fragten sie nach Nebenwirkungen. 48 Teilnehmer blieben während der neunjährigen Nachuntersuchung völlig infektionsfrei. Die durchschnittliche infektionsfreie Zeit in der gesamten Kohorte betrug 54,7–56,7 Monate für Frauen und 44,3 Monate für Männer. 40% der Teilnehmer gaben an, nach ein oder zwei Jahren wiederholte Dosen des Impfstoffs erhalten zu haben. Mögliche Alternative zu Antibiotika Gernot Bonkat, Professor für Urologie am Alta Uro Medical Center for Urology in der Schweiz und Vorsitzender des EAU-Richtlinienkomitees zu urologischen Infektionen, sagte: „Diese Ergebnisse sind vielversprechend. Wiederkehrende HWI stellen eine erhebliche wirtschaftliche Belastung dar und der übermäßige Einsatz von Antibiotikabehandlungen kann zu antibiotikaresistenten Infektionen führen. Diese Folgestudie liefert ermutigende Daten zur langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit des MV140-Impfstoffs. Es sind weitere Forschungsarbeiten zu komplexeren HWI sowie Untersuchungen zu verschiedenen Patientengruppen erforderlich, damit wir den Einsatz dieses Impfstoffs besser optimieren können. Obwohl wir pragmatisch sein müssen, ist dieser Impfstoff ein potenzieller Durchbruch bei der Prävention von HWI und könnte eine sichere und wirksame Alternative zu herkömmlichen Behandlungen bieten.“ MV140 wurde vom spanischen Pharmaunternehmen Immunotek entwickelt und enthält vier Bakterienarten in einer Suspension mit Wasser. Es ist in 26 Ländern ohne Lizenz erhältlich. Die Teilnehmer der Studie waren alle über 18 Jahre alt und hatten keine HWI, als ihnen der Impfstoff zum ersten Mal angeboten wurde. Keiner der Teilnehmer hatte andere Harnanomalien wie Katheter, Tumore oder Steine. Die Folgestudie umfasste 72 Frauen und 17 Männer und die Ergebnisse wurden von ihnen selbst berichtet. (EAU/ms)
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