Osteoporose: Protonenpumpeninhibitoren und zusätzliches Kortison erhöhen das Risiko21. Mai 2024 Foto: © crevis/stock.adobe.com Wie eine aktuelle Studie der Charité Berlin zeigt, geht die Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI), insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Kortison, mit einem erhöhten Risiko für Osteoporose einher. Rund 3,8 Milliarden Tagesdosen Protonenpumpenhemmer verschrieben Ärzte in Deutschland im Jahr 2022 laut aktuellem Arzneiverordnungs-Report. Dabei ist aus Studien zu verschiedenen Erkrankungen bekannt, dass die Einnahme von PPI die Entwicklung von Osteoporose begünstigt. Zusätzlich kann das in der Rheumatologie oft gleichzeitig genutzte Kortison den Knochen schwächen. „Wir haben uns deshalb gefragt, ob PPI auch bei unseren Rheuma-Patienten und -Patienten das Osteoporoserisiko nochmals erhöhen“, erklärt Dr. Andriko Palmowski, Arzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie. Analyse der Knochenmineraldichte von 1.500 Patienten Um dies herauszufinden untersuchte er zusammen mit Prof. Frank Buttgereit und weiteren Kollegen aus der Charité, aus den USA und aus Dänemark die Knochengesundheit von rund 1.500 Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Etwa die Hälfte nahm täglich Protonenpumpenhemmer ein. Analysiert wurden die Knochenmineraldichte und die Knochen-Mikroarchitektur. Ist die Knochendichte erniedrigt oder lassen sich Veränderungen in der Mikroarchitektur finden, weist das auf Osteoporose hin. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Mayo Clinic Proceedings“ publiziert. Tatsächlich war die Knochendichte bei Patienten, die PPI nahmen, signifikant niedriger als bei solchen, die keine PPI nahmen. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn Einflussfaktoren wie Alter oder Nikotinkonsum statistisch berücksichtigt und eliminiert wurden. Besonders ausgeprägt war der Effekt, wenn Patienten PPI zusammen mit Kortison-Präparaten in einer täglichen Dosis von mindestens 7,5 mg einnahmen. Die Knochen-Mikroarchitektur hingegen war nicht relevant beeinträchtigt. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass PPI bei Patienten mit rheumatoider Arthritis zu einem Verlust an Knochenmineraldichte führen“, erklärt Palmowski. Hieraus kann man grob schätzen, dass das Risiko für einen Wirbelbruch um etwa 25 Prozent steigt. Gründe für die Verschreibung von Magenschutz genau prüfen Die Autoren der Studie sehen nun ihre ärztlichen Kollegen in der Pflicht: „Ärztinnen und Ärzte sollten die Gründe für eine PPI-Verordnung sorgfältig prüfen und Nutzen und mögliche Risiken mit den Patienten besprechen – insbesondere wenn gleichzeitig Kortison verschrieben wird“, schlussfolgern sie. Berechtigte Gründe für eine Verordnung von PPI seien beispielsweise Risikofaktoren, die die Entwicklung eines Magengeschwürs begünstigen. Zu diesen Risikofaktoren gehört zum Beispiel die gleichzeitige Einnahme von Kortison und nichtsteroidalen Rheumamitteln wie Ibuprofen, Diclofenac oder auch Aspirin. Wer hingegen allein Kortison einnimmt und keine weiteren Risikofaktoren aufweist, benötigt eher keinen Magenschutz – so die Maßgabe der ärztlichen Leitlinie „Arzneimitteltherapie bei Multimorbidität“. „Ist eine gleichzeitige Einnahme unvermeidbar, können Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D und Kalzium den Knochenerhalt unterstützen“, erklärt Andriko Palmowski. Bei geplanter längerfristiger Kortison-Therapie seien möglicherweise regelmäßige Knochendichtemessungen und gegebenenfalls eine gezielte medikamentöse Osteoporosetherapie notwendig. Welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind, sollten Patienten und Ärzten gemeinsam besprechen, betonen die Forscher.
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