Ovarialkarzinom: Finalanalyse der MIRASOL-Studie zeigt anhaltende signifikante Überlebensvorteile für Mirvetuximab-Soravtansin

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Die Phase-III-Studie MIRASOL1,2 untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Mirvetuximab-Soravtansin (MIRV) im Vergleich zu einer Chemotherapie (CT) bei Patientinnen mit Folatrezeptor-alpha(FRα)-positivem, high-grade serösem, platinresistentem Ovarialkarzinom (PROC).

Auf der Jahrestagung der Society of Gynecologic Oncology (SGO) wurde im Rahmen einer late-breaking oral presentation die abschließende Analyse (medianes Follow-up: 30,5 Monate) vorgestellt. Die Ergebnisse bestätigen die signifikante Überlegenheit des Antikörper-Wirkstoff-Konjugats (antibody-drug conjugate, ADC) Elahere® (Mirvetuximab-Soravtansin) – sowohl in Bezug auf das progressionsfreie Überleben (progression-free survival, PFS) als auch auf das Gesamtüberleben (overall survival, OS).1

Mortalitätsrisiko um 32 Prozent gesenkt

Das mediane PFS (primärer Endpunkt) betrug in der Finalanalyse mit Mirvetuximab-Soravtansin 5,59 Monate gegenüber 3,98 Monate mit CT (Paclitaxel, PLD oder Topotecan). Das Risiko für Progression oder Tod war unter MIRV um 37 Prozent reduziert [HR 0,63; (95 % CI: 0,51-0,79)]. Die Rate für das objektive Ansprechen (objective response rate, ORR) lag im Mirvetuximab-Soravtansin-Behandlungsarm bei 41,9 Prozent, während sie bei den mit CT behandelten Patientinnen 15,9 Prozent betrug. Auch zeigte Mirvetuximab-Soravtansin weiterhin einen klinisch bedeutsamen und gegenüber CT überlegenen Nutzen in Bezug auf das OS: Der Median wurde hier nach 16,85 Monaten erreicht, verglichen mit 13,34 Monaten unter CT. Das Risiko zu versterben war damit um 32 Prozent reduziert [HR 0,68 (95 %-CI: 0,54,-0,84)]. Zusätzlich wurde die Dauer des Ansprechens (duration of response, DOR) als ein weiterer Endpunkt analysiert. Die Ergebnisse der Finalanalyse waren mit 6,93 Monaten unter MIRV gegenüber 4,44 Monaten unter CT konsistent mit denen der Primäranalyse (medianes Follow-up: 13,1 Monate).1

Weniger schwerwiegende AEs

Auch die finalen Sicherheitsdaten waren mit den Ergebnissen der Primäranalyse der MIRASOL-Studie konform: Insgesamt wurden unter Mirvetuximab-Soravtansin im Vergleich zur CT weniger unter Therapie neu aufgetretene unerwünschte Ereignisse (Treatment emergent adverse events, TEAEs) des Grades 3 oder höher beobachtet sowie weniger schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (adverse events, AEs). Zudem kam es unter Mirvetuximab-Soravtansin seltener zu Therapieabbrüchen infolge unerwünschter Effekte.1

Die häufigsten (≥ 20%) unerwünschten Ereignisse im Mirvetuximab-Soravtansin-Behandlungsarm im Vergleich zum CT-Behandlungsarm waren verschwommenes Sehen (43 % vs. 2 %), Keratopathie (33 % vs. 0 %), Abdominalschmerz (31 % vs. 15 %), Fatigue (30 % vs. 25 %), Diarrhoe (29 % vs. 18 %), Obstipation (27 % vs. 19 %), Übelkeit (27 % vs. 29 %) und periphere Neuropathie (22 % vs. 14 %).1

„Die Finalanalyse bestätigt die signifikante Verbesserung des OS durch Mirvetuximab-Soravtansin im Vergleich zum bisherigen Behandlungsstandard“, ordnet SGO-Referent und Prüfarzt der MIRASOL-Studie Prof. Toon Van Gorp (Universität von Leuven) die Studiendaten ein. „Der signifikante Überlebensvorteil bei gleichzeitig gut charakterisiertem Sicherheitsprofil bekräftigt die Rolle von Elahere als zukünftigen Behandlungsstandard für schwer zu therapierende Formen des Ovarialkarzinoms und bildet den Ausgangspunkt für klinische Studien zu diesem Therapieansatz in früheren Behandlungslinien“, fügt er hinzu.

Adressierung des Therapiebedarfs

Frauen mit Ovarialkarzinom erhalten ihre Diagnose oft in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium, was sich negativ auf ihre Prognose auswirkt. Nach Staging- und Debulking-Operation erfolgt in der Erstlinie eine platinbasierte CT. Allerdings erleidet der Großteil der Patientinnen ein Rezidiv und entwickelt im Krankheitsverlauf häufig Resistenzen gegenüber platinbasierten Therapien. In diesen Fällen sind innovative Behandlungsansätze wie Mirvetuximab-Soravtansin dringend erforderlich.3 Die Europäische Kommission erteilte im November 2024 die Zulassung für das ADC zur Behandlung erwachsener Frauen mit FRα-positivem, platinresistentem und high-grade serösem epithelialem Ovarial-, Tuben- oder primärem Peritonealkarzinom nach ein bis drei vorherigen Therapielinien. Mirvetuximab-Soravtansin ist damit sowohl der erste und bislang einzige zugelassene neuartige Behandlungsansatz speziell für Patientinnen mit FRα-positivem platinresistentem Ovarialkarzinom als auch das erste und einzige ADC mit einem gegen FRα gerichteten Antikörper.4

Über Mirvetuximab-Soravtansin

Mirvetuximab-Soravtansin ist nach Angaben des Herstellers der erste Vertreter der Substanzklasse der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) mit einem an den Folatrezeptor-alpha (FRα) bindenden Antikörper, einem spaltbaren Linker und dem Maytansinoid-Payload DM4 (ein potenter Tubulin-Inhibitor).

Die Europäische Kommission erteilte am 14. November 2024 die Zulassung für Mirvetuximab-Soravtansin als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patientinnen mit Folatrezeptor-alpha (FRα)-positivem, platinresistentem, high-grade serösem epithelialem Ovarial-, Tuben- oder primärem Peritonealkarzinom, die zuvor ein bis drei systemische Behandlungslinien erhalten haben.

Über die MIRASOL-Studie2,5

Die MIRASOL-Studie ist eine globale, offene, randomisierte, kontrollierte Phase-III-Studie, welche die Wirksamkeit und Sicherheit von Mirvetuximab-Soravtansin mit von den Prüfärzten gewählten (Investigator’s choice, IC) Mono-Chemotherapien vergleicht. Eingeschlossen waren insgesamt 453 Patientinnen mit platinresistentem, high-grade serösem epithelialem Ovarial-, primärem Peritoneal- oder Tubenkarzinom mit hoher Folatrezeptor-alpha(FRα)-Expression (≥ 75 % der Tumorzellen wiesen bei der immunhistochemischen Untersuchung eine Färbeintensität von ≥ 2+ auf). Die Patientinnen hatten vorher bis zu drei Therapielinien erhalten. Primärer Endpunkt war das durch die Prüfärzte bestimmte progressionsfreie Überleben (progression-free survival, PFS). Sekundäre Endpunkte waren u. a. die objektive Ansprechrate (objective response rate, ORR) und das Gesamtüberleben (overall survival, OS).

Literatur:
[1] Van Gorp T, Angelergues A, Konecny G, et al. Final overall survival analysis among patients with FRα-positive, platinum-resistant ovarian cancer (PROC) treated with mirvetuximab soravtansine (MIRV) vs investigator’s choice chemotherapy (ICC) in the phase 3 MIRASOL (GOG 3045/ENGOT-ov55) study. Presented at: 2025 SGO Annual Meeting on Women’s Cancer; March 14-17, 2025; Seattle, WA. Abstract 939696
[2] ClinicalTrials.gov. NCT04209855. https://clinicaltrials…CT04209855. Letzter Zugriff: 18. März 2025.
[3] Hanker, LC, et al. The impact of second to sixth line therapy on survival of relapsed ovarian cancer after primary taxane/platinum-based therapy, Annals of Oncology, Volume 23, Issue 10, 2012.
[4] Fachinformation Elahere®, aktueller Stand.
[5] Moore, KN, et al. Mirvetuximab Soravtansine in FRα-Positive, Platinum-Resistant Ovarian Cancer. N Engl J Med. 2023 Dec 7;389(23):2162-2174.
[6] Robert Koch Institut (RKI), Zentrum für Krebsregisterdaten: Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom). Online unter: https://www.krebsdaten…_node.html, Letzter Zugriff: 18. März 2025.
[7] Busse A et al. Onkopedia-Leitlinie Ovarialkarzinom, Stand Juli 2023. Online unter: https://www.onkopedia….index.html, Letzter Zugriff: 18. März 2025.
[8] Deutsche Krebsgesellschaft, AWMF-Registernummer 032-035OL, Version 6.0, Oktober 2024.Online unter: https://www.leitlinien…on_6.0.pdf. Letzter Zugriff: 18. März 2025.