Ovarialkarzinom: Nur jede zehnte operierte Frau hat Tumor? Gynäkologen kritisieren Veröffentlichung der Bertelsmann-Stiftung7. November 2019 Eierstockkrebs zählt zu den aggressivsten Tumoren bei Frauen (Abbildung: LJNovaScotia / Pixabay) Unter dem Titel “Überversorgung schadet dem Patienten” wies die Bertelsmann-Stiftung darauf hin, dass viele Eingriffe gar nicht nötig seien und eine Gefahr für Patienten darstelle. Unter anderem wurden auch Operationen zur Behandlung von Eierstockkrebs ins Visier genommen. Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) widersprechen jedoch: Die Erkenntnisse der Bertelsmann-Stiftung fußten ihrer Aussage nach auf veraltete Statistiken. So gab die Bertelsmann-Stiftung an, dass lediglich bei jeder zehnten Frau eine bösartige Veränderung in den Eierstöcken entdeckt werden konnte, wenn sie sich aufgrund eines Verdachts einer Operation unterzog. BVF und DGGG weisen jedoch in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass bei jeder zweiten Frau mit verdächtigem Ultraschallbefund während der Operation ein maligner Tumor identifiziert werde. Aus ihrer Sicht stelle die Ultraschalldiagnostik daher keine Überversorgung dar. Grund für die Diskrepanz sind veraltete Daten, die auf dem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) noch zu finden sind. Diese basieren auf Untersuchungen, die von 2001 bis 2005 durchgeführt wurden. Nachfolgestudien kommen allerdings zu den von den Fachgesellschaften vertretenen Schluss, dass eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke in Zusammenhang mit der Bestimmung des “typischen Laborwerts (CA 125) zu einer signifikanten Senkung der Sterblichkeit führt …” Zudem beschweren sich der BVF und der DGGG, dass sie in der Vergangenheit erfolglos versucht hatten, die Zahlen auf der IQWIG-Seite zu aktualisieren – ihrer Aussage nach habe sich das Institut bis heute nicht gerührt, um die Datenlage zu aktualisieren. Die Fachgesellschaften befürchten nun, dass nun Frauen aufgrund der veröffentlichten Pressemitteilung der Stiftung das Eierstockkrebs-Screening nicht mehr ernst nehmen könnten. Dabei zählt das Ovarialkarzinom zu den aggressivsten Tumoren der Frau und kann trotz regelmäßiger Kontrolluntersuchungen zu spät diagnostiziert werden.
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