Parkinson: Medikamente verändern Darmflora17. Dezember 2019 Severin Weis (r.) und Prof. Markus Egert, Mitverfasser der Studie, im Labor am Campus Schwenningen der Hochschule Furtwangen. (Foto: Caroline Armbruster) Sind Veränderungen der Darmflora eine Folge von Morbus Parkinson oder tragen sie ursächlich zu seiner Entstehung bei? Dieser Frage gingen Forscher der Hochschule Furtwangen nach. Es gibt zwar Studien aus den USA und Skandinavien zum Darmmikrobiom von Parkinson-Patienten. Aber diese sind aufgrund der vielfältigen Einflussfaktoren nicht unbedingt auf Mitteleuropa übertragbar. Nun liegt eine Studie mit in Deutschland lebenden, unterschiedlich therapierten Probanden vor. „Wir haben deren Stuhlflora sequenziert und nach Bakterien gesucht. Dabei haben wir zwischen 70.000 und 400.000 bakterielle DNS-Sequenzen pro Probe analysiert“, erläutert Prof. Markus Egert, der an der Hochschule Furtwangen am Campus Schwenningen lehrt. Dabei beobachteten die Forscher bei Parkinson-Patienten einen Rückgang der Baktereinarten, die mit gesundheitsfördernden, entzündungshemmenden, neuroprotektiven oder anderen positiven Auswirkungen auf die Epithelbarriere verbunden sind, wie Faecalibacterium und Fusicatenibacter. Beide Taxa traten bei Parkinson-Patienten mit erhöhtem Spiegel des Entzündungsmarkers Calprotectin in reduzierter Häufigkeit auf. Darüber hinaus fanden die Forscher in diesen Stichproben erhöhte Anteile der Clostridiales-Familie XI und ihrer Mitglieder. Die relativen Häufigkeiten der Bakteriengattungen Peptoniphilus, Finegoldia, Faecalibacterium Fusicatenibacter, Anaerococcus, Bifidobacterium, Enterococcus und Ruminococcus wurden außerdem signifikant durch Medikamente mit L-Dopa beziehungsweise Entacapon beeinflusst. “Unsere Daten bestätigen die zuvor berichteten Wirkungen von COMT-Inhibitoren auf die fäkale Mikrobiota von Parkinson-Patienten und deuten auf eine mögliche Wirkung von L-Dopa-Medikamenten auf die relative Häufigkeit mehrerer Bakteriengattungen hin”, erklärten die Forscher. „Vor Kurzem hat eine These Furore gemacht: Bei der Entstehung von Parkinson könnte der Verdauungstrakt und das Darmmikrobiom eine wichtige, allerdings noch wenig verstandene Rolle spielen. Sicherlich kann unsere Studie zur Klärung dieser Rolle beitragen und mittelfristig helfen, mikrobielle Stuhlanalytik als einen neuen Baustein der Parkinson-Diagnostik zu etablieren“, sagte Egert. Originalpublikation: Weis S et al.: Effect of Parkinson’s disease and related medications on the composition of the fecal bacterial microbiota. npj Parkinson’s Disease 2019;5:28:
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