Partielle Herztransplantation kann Versorgung von Kindern mit Herzklappenerkrankungen verbessern

Künstliche Herzklappen sind für Kinderherzen nicht ideal, da sie nicht mitwachsen. (Foto: © pirke – stock.adobe.com)

Die partielle Herztransplantation könnte die Versorgung von Kindern mit schweren Herzklappenerkrankungen deutlich verbessern. Dies zeigen Daten, die auf der International Society for Heart and Lung Transplantation (ISHLT) in Toronto (Kanada) vorgestellt wurden.

Jedes Jahr benötigen weltweit mehr als 330.000 Kinder Eingriffe aufgrund von Fehlfunktionen der Herzklappen, die auf angeborene Defekte zurückzuführen sind. Da künstliche Herzklappen nicht mit dem Kind mitwachsen, müssen sich diese Patienten oft mehreren risikoreichen Herzklappenersatzoperationen unterziehen, bevor sie das Erwachsenenalter erreichen.

Diese Kinder könnten von einer partiellen Herztransplantation profitieren, bei der im Gegensatz zu einer herkömmlichen Herztransplantation nur defekte Herzklappen und damit verbundene Strukturen ersetzt werden.

Joseph Turek, MD, PhD, Kinderherztransplantationschirurg an der Duke University in Durham (USA), sieht in dem Verfahren einen „Dominoeffekt“ in der traditionellen Herztransplantation: Erkrankte Herzen, die aufgrund von Problemen mit dem Herzmuskel, den Herzkranzgefäßen oder angeborenen Defekten entfernt und ersetzt werden, verfügten oft über Klappen, die strukturell normal sind und in einen anderen Patienten transplantiert werden können, erläuterte der Mediziner.

„Aus diesen Herzen könnte man theoretisch zwei ‚Domino‘-Klappen pro Patient gewinnen. Selbst unter Berücksichtigung der Klappen, die nicht verwendet werden können, könnte dies in den Vereinigten Staaten jährlich Tausende von Klappentransplantationen bedeuten.“

Der Mediziner merkte an, dass die Nachfrage nach Klappen die Nachfrage nach ganzen Herzen bei weitem übersteige, was diese erweiterte Verfügbarkeit besonders bedeutsam mache. Bei Kindern wächst das transplantierte pädiatrische Klappengewebe mit, wodurch wiederholte Ersetzungen überflüssig werden.

Innovationen bieten Hoffnung für junge Herzpatienten

Turek beschrieb zudem weitere Fortschritte, die den Spenderpool erweitern und Abstoßungsreaktionen bei Transplantationsempfängern verringern können: die Herz-Thymus-Co-Transplantation zur Induktion von Immuntoleranz, die Spende nach Kreislaufstillstand (DCD) und „Reanimation am Operationstisch“ sowie die präklinische Xenotransplantation unter Verwendung genetisch veränderter Schweine.

Die Herz-Thymus-Co-Transplantation basiert auf einer von der Duke University entwickelten Technik, bei der kultiviertes Thymusgewebe verwendet wird, um das Immunsystem eines Patienten neu zu formen. Bei einem Kind mit T-Zell-Mangel, das eine Herztransplantation benötigt, ermöglicht die kombinierte Herz-Thymus-Transplantation die Verwendung sehr niedriger Dosen von Immunsuppressiva. Zudem scheint sich die Überlebensdauer der Transplantate zu verlängern.

Die Duke University führt zusammen mit anderen Transplantationszentren auch pädiatrische DCD-Herztransplantationen durch und hat kürzlich die „On-Table-Reanimation“ eingeführt, bei der das Herz entnommen und kurzzeitig in einem Back-Table-Kreislauf wiederbelebt wird, um die Funktion zu beurteilen.

Zudem stellte Turek frühe Forschungsarbeiten zur Xenotransplantation an Tiermodellen vor und unterstrich dabei eine langfristige Vision zur Überwindung der Organknappheit.

„Einige dieser Technologien befinden sich noch in der Entwicklung“, erklärte der Transplantationsmediziner. „Aber die partielle Herztransplantation ist bereits Realität – und sie wird voraussichtlich weitaus mehr Patienten zugutekommen, die Herzklappen benötigen, als solchen, die ein ganzes Herz benötigen.“ (ej/BIERMANN)