PCOS: Ungleichgewicht bei Darmbakterien steht im Zusammenhang mit höherem Fehlgeburtsrisiko

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Eine neue Studie hat ergeben, dass Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) eine Darmflora und Stoffwechselsignatur aufweisen, die mit einem höheren Risiko für ungünstige Schwangerschaftsausgänge in Zusammenhang stehen.

Obwohl Fruchtbarkeitsbehandlungen Frauen mit PCOS oft dabei helfen, schwanger zu werden, besteht weiterhin ein höheres Risiko für Komplikationen wie Fehlgeburten, Frühgeburten und Schwangerschaftsdiabetes. Die Mechanismen hinter diesem erhöhten Risiko waren bisher unklar, schreiben eingangs die Autoren. „In der klinischen Praxis stellten wir fest, dass selbst jüngere Frauen mit PCOS, die schwanger wurden, unerwartet hohe Fehlgeburtsraten und andere Komplikationen erlitten“, berichtet Dr. Aixia Liu, die Hauptautorin der Studie. „Viele dieser Frauen litten zudem unter Stoffwechselstörungen und Verdauungsproblemen, was uns dazu veranlasste, das mögliche Zusammenspiel zwischen der Darmflora, zirkulierenden Stoffwechselprodukten und der Gebärmutter zu untersuchen“, fügt sie hinzu.

Die neuen Forschungsergebnisse wurden auf der 41. Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) vorgestellt und in der Fachzeitschrift „Human Reproduction“ veröffentlicht.

Verringerung der mikrobiellen Vielfalt

Die prospektive Studie begleitete 220 Frauen unter 35 Jahren in 44 Städten Chinas, darunter 110 PCOS-Patientinnen und 110 Kontrollpersonen. Die Forscher nutzten eine Kombination aus Darmmikrobiomsequenzierung und Metabolomik, um Unterschiede zwischen den Gruppen zu profilieren. Anschließend führten sie Laborstudien an endometrialen Stromazellen (ESCs) durch, um Alterung und Dezidualisierung zu beurteilen.

Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Verringerung der mikrobiellen Vielfalt bei PCOS-Patientinnen, insbesondere einen Rückgang von Parabacteroides merdae, einer mit der Stoffwechselgesundheit verbundenen Bakterienart. Die Serummetabolomik zeigte erhöhte BCAA-Werte, insbesondere Isoleucin, und reduzierte Werte kurzkettiger Fettsäuren in der PCOS-Gruppe.

Trotz ähnlicher Schwangerschaftsraten war die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen mit PCOS mindestens einen ungünstigen Schwangerschaftsausgang erlitten, fast doppelt so hoch (1,95-mal), darunter Fehlgeburt, Frühgeburt, Makrosomie, niedriges Geburtsgewicht, Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und perinataler Tod.

Mögliche Biomarker identifiziert

Weitere Untersuchungen ergaben, dass auch im Endometriumgewebe erhöhte Isoleucinwerte auftraten. Als Forscher embryonaler Stammzellen im Labor Isoleucin aussetzten, beobachteten sie erhöhte Marker zellulärer Seneszenz und eine verringerte Dezidualisierungsfähigkeit. „Diese Ergebnisse deuten auf altersbedingte Veränderungen in der Gebärmutter hin, die viel früher als erwartet auftreten“, erklärt Liu. „Unsere Daten legen nahe, dass hohe Isoleucinwerte und der Verlust von P. merdae die Gesundheit des Endometriums beeinträchtigen können, selbst bei Frauen unter 35 Jahren.“

Die Forscher vermuten, dass P. merdae und BCAAs als Biomarker zur Identifizierung von Hochrisiko-PCOS-Patientinnen dienen und künftig personalisierte Behandlungsansätze ermöglichen könnten. „Im nächsten Schritt wird untersucht, ob Ernährungsinterventionen, Probiotika oder BCAA-arme Diäten diese Effekte umkehren und den Schwangerschaftsverlauf verbessern können“, sagt Liu abschließend.