Pflanzliche Allergene: Gebundene Lipide verstärken Immunreaktion22. Juni 2026 Die gelbe Lupine (Lupinus luteus). Foto: Jappe/FZB Warum reagieren manche Menschen stärker auf pflanzliche Lebensmittel als andere? Wie eine neue Studie zeigt, können an Allergene gebundenen Lipide die Aktivierung allergierelevanter Immunzellen verstärken und die Intensität der Reaktion beeinflussen. Von Nahrungsmittelallergien sind in Deutschland über drei Millionen Menschen betroffen. Dabei können bereits kleinste Mengen bestimmter Lebensmittel starke Reaktionen auslösen: von Hautsymptomen über Atembeschwerden bis hin zu lebensbedrohlicher Anaphylaxie. Auffällig ist dabei, dass die Schwere der Reaktionen zwischen den Betroffenen stark variiert. Im Mittelpunkt der Studie von Prof. Uta Jappe, Dr. Jochen Behrends und Prof. Andra Schromm stand ein identifiziertes neues und bislang wenig charakterisiertes Lipidtransferprotein (LTP) aus der gelben Lupine (Lupinus luteus). Die Ergebnisse der Studie hat das Forschungsteam in „Scientific Reports“ veröffentlicht. Lupinen immer öfter als Proteinquelle in pflanzlichen Lebensmitteln LTPs gehören zu den wichtigsten Auslösern schwerer pflanzlicher Nahrungsmittelallergien. Die Allergene kommen unter anderem in Erdnüssen, Lupinensamen und verschiedenen Früchten vor. Besonders Lupinensamen gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung, da sie immer häufiger als pflanzliche Proteinquelle in Lebensmitteln eingesetzt werden, etwa in Backwaren, Fleischersatzprodukten oder glutenfreien Erzeugnissen. Was LTPs zu zunehmend häufigeren Auslösern starker allergischer Reaktionen macht, war bislang jedoch nur unvollständig verstanden. Das Forschungsteam des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB) konnte nun zeigen, dass das untersuchte Lupinen-LTP gezielt bestimmte Lipide bindet und transportiert. Durch diese Bindung verändert sich die Wechselwirkung des Allergens mit Zellmembranen, wodurch allergierelevante Immunzellen besonders effektiv aktiviert werden. Betroffen sind vor allem Basophile, die bei allergischen Reaktionen Histamin und andere Entzündungsmediatoren freisetzen. Lipide beeinflussen die allergene Wirkung von LTPs Besonders interessant war die Beobachtung, dass das Lupinen-LTP eine ausgeprägte Wechselwirkung mit Phosphatidylglycerol zeigte. Dieses Lipid kommt nicht nur in Pflanzen vor, sondern ist auch ein wichtiger Bestandteil bakterieller Zellmembranen im Darmmikrobiom sowie des Lungensurfactants. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass solche Lipide die allergene Wirkung von LTPs beeinflussen könnten und eröffnen neue Perspektiven für das Verständnis von Faktoren, die die Stärke allergischer Reaktionen mitbestimmen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die allergene Wirkung pflanzlicher Proteine nicht allein durch ihre Eiweißstruktur bestimmt wird“, erklärt Jappe. „Auch die von ihnen gebundenen Lipide können erheblich dazu beitragen, wie stark das Immunsystem reagiert.“ Bewertung pflanzlicher Allergene verbessern Die Arbeit entstand in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit der Forschungsgruppe Klinische und Molekulare Allergologie (Jappe), der Forschungsgruppe Immunbiophysik (Schromm) und dem Bereich Wissenschaft und Technologie, Fluoreszenz-Zytometrie (Behrends) am FZB. Durch die Kombination ihrer Fachgebiete konnten die beteiligten Wissenschaftlerinnen die Wechselwirkungen zwischen Allergen, Lipiden und Immunzellen erstmals funktionell untersuchen. Die Erkenntnisse könnten nach Einschätzung der Studienautoren langfristig dazu beitragen, Risikopatientinnen und -patienten besser zu identifizieren und die Bewertung pflanzlicher Allergene zu verbessern. Angesichts der zunehmenden Verwendung von Lupinen als pflanzliche Proteinquelle in Lebensmitteln gewinnen solche Erkenntnisse zusätzlich an Bedeutung.
Mehr erfahren zu: "Apple-Datenbrille: Siegeszug im OP-Saal" Apple-Datenbrille: Siegeszug im OP-Saal Wie die Apple-Datenbrille Vision Pro Chirurgen weltweit zu schnelleren und entspannteren OPs verhilft – und warum Apple trotzdem auf den Milliardenmarkt warten muss.
Mehr erfahren zu: "Frühe Nahrungsmittelallergien führen nicht per se zu Essproblemen" Frühe Nahrungsmittelallergien führen nicht per se zu Essproblemen Eltern und Kliniker befürchten oft, dass Nahrungsmittelallergien im frühen Kindesalter langfristige Ess-Störungen oder eine übermäßige Selektivität („picky eating“) nach sich ziehen. Eine aktuelle Studie gibt nun Entwarnung: Danach zeigen betroffene […]
Mehr erfahren zu: "Forschende erzielen möglichen Durchbruch bei antiviralen Medikamenten" Forschende erzielen möglichen Durchbruch bei antiviralen Medikamenten Eine unerwartete Beobachtung einer Forscherin der University of Queensland (Australien) könnte zu einer neuen Behandlungsmethode für virale Infektionskrankheiten führen – darunter COVID-19, Lungenentzündungen bei Säuglingen oder Ebola.