Physiotherapie auf Intensivstation: Forschungsförderpreis der DIVI-Stiftung für Entwicklung eines Scoring-Systems5. Dezember 2023 Symbolbild: ©sudok1/stock.adobe.com Die mit 5000 Euro dotierte Forschungsförderung der DIVI-Stiftung im Bereich der intensiv- und notfallmedizinischen Gesundheitsfachberufe geht im Jahr 2023 an Bernadette Bessick, Physiotherapeutin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Bernadette Bessick, Physiotherapeutin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Foto: ©privat Bessick arbeitet an der Entwicklung eines Scoring-Systems in der Intensivmedizin, das physiotherapeutische Behandlungspriorität von Patienten bestimmen soll. Intensivfachpersonal soll damit die Entscheidungsfindung erleichtert werden. Auch Behandlungsergebnisse ließen sich damit verbessern.„Bei erhöhter Nachfrage nach früher physiotherapeutischer Intervention und gleichzeitig begrenzten Personalressourcen stehen Fachkräfte in der Intensivmedizin häufig vor einem ethischen Dilemma bei der Frage, welche Patienten prioritär behandelt werden sollen. Die Arbeit von Frau Bessick trägt dazu bei, diese Situation zu verbessern. Wir freuen uns, sie bei der Weiterentwicklung dieses förderungswürdigen Projekts unterstützen zu können“, sagte Stiftungsvorstand und Laudator Prof. Gerhard W. Sybrecht bei der Preisverleihung im Rahmen des DIVI23, dem Jahreskongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in Hamburg. „Aktuell ist es in der intensivmedizinischen Praxis noch so, dass die Priorisierung von Patienten, die eine physiotherapeutische Behandlung bekommen sollen, weniger auf der Grundlage evidenzbasierter, objektiver Kriterien, sondern eher auf Basis von subjektiven, klinischen Beurteilungen erfolgt“, erklärt Bessick. In der Vergangenheit entwickelten Forscher bereits einen Scoring-Algorithmus für Patienten auf kardiologischen und herzchirurgischen Intensivstationen, dessen mögliche Anwendung für die UKE-Intensivmedizin in einer Pilotstudie getestet wurde. Die Ergebnisse liefern allerdings noch keine klare Evidenz und die Arbeiten liegen mehr als zehn Jahre zurück. „Ich möchte gerne den Faden wieder aufnehmen und dabei auf der großartigen bisher geleisteten Studienarbeit aufbauen“, so Bessick. Scoring-System könnte viel Stress reduzieren Die Studie ist in vier Phasen aufgeteilt. Nach einer Literaturanalyse und Entwicklung eines Interview-Leitfadens (Phase 1) befindet sie sich derzeit in Phase 2 der Interview-Studie. „Dabei möchte ich herausfinden, welche Kriterien Ärzte, Physiotherapeuten und Intensivpflegepersonal im Moment heranziehen, um Entscheidungen zur Priorisierung zu treffen. Auf dieser Basis und zusammen mit den Erkenntnissen aus der Literaturanalyse will ich dann ein Scoring-System entwickeln, das nutzerfreundlich, patientenzentriert und auch aktualisierbar ist“, erklärt Bessick. Das System soll dann zunächst in einer Pilotstudie (Phase 3) und schließlich in einer Validierungsstudie (Phase 4) auf intensivmedizinischen Stationen erst innerhalb und im Weiteren ggf. auch außerhalb des UKE getestet werden. „Wenn wir flächendeckend ein solches Scoring-System implementieren, könnten wir viel ethisch-moralischen Stress reduzieren“, betont die Physiotherapeutin.
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