Platinresistentes Ovarialkarzinom: FMP- und LMU-Spin-off präsentiert erste klinische Daten zu TUB-040

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Das Unternehmen Tubulis, das 2019 aus dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der LMU München ausgegründet wurde, hat erste klinische Daten aus der Phase I/IIa-Studie NAPISTAR1-01 bekannt gegeben.

Die Daten wurden erstmals im Rahmen eines Vortrags auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO 2025) in Berlin präsentiert. Studienleiter Dr. Antonio Gonzalez-Martin stellte die Ergebnisse des führenden Antikörper-Wirkstoff-Konjugats (ADC) TUB-040 in platinresistentem hochgradig serösem Ovarialkarzinom (PROC-HGSOC) mit Schwerpunkt auf Dosierungen zwischen 1,67 und 3,3 mg/kg vor.

Damit liegen laut FMP erstmals klinische Daten vor, die die firmeneigene Tubutecan-Technologie von Tubulis validieren und den Proof-of-concept für das (nach eigenen Angaben) am weitesten fortgeschrittene ADC des Unternehmens das sich gegen NaPi2b als Zielstruktur richtet. Tubulis setzt bei seiner Produktentwicklung auf die P5-Konjugationstechnologie, die eine Schlüsselrolle in der Herstellung ihrer ADCs spielt. Diese sogenannte Linker-Chemie wurde in der Grundlagenforschung von Prof. Christian Hackenberger, einem der Mitgründer von Tubulis, und seinem Team am FMP entwickelt und von Tubulis für die klinische Forschung weiterentwickelt und soll eine stabile, zielgerichtete Wirkstoffabgabe ermöglichen.

81 Prozent zeigten positive Reaktion

Bis zum 01. September 2025 wurden 67 Patientinnen mit platinresistentem Ovarialkarzinom mit TUB-040 behandelt, davon 46 in Dosiskohorten von 1,67 bis 3,3 mg/kg. Das durchschnittliche Alter lag bei 62 Jahren. Die objektive Ansprechrate (ORR) betrug 59 Prozent, die bestätigte ORR 50 Prozent. Eine komplette Remission wurde bei 2,5 mg/kg dokumentiert. Die Krankheitskontrollrate lag bei 96 Prozent, 81 Prozent der Patientinnen zeigten eine positive Reaktion des Tumormarkers CA-125. Die Behandlung läuft noch bei 80 Prozent der Patientinnen. Auch Patientinnen mit Vorbehandlung durch Mirvetuximab Soravtansin sprachen auf TUB-040 an, berichten die Forscher.

TUB-040 wurde gut vertragen, mit überwiegend leichten bis mäßig ausgeprägten Nebenwirkungen. Es gab in keiner Kohorte therapiebedingte Todesfälle und keine Therapieabbrüche in den relevanten Dosiskohorten. Klinisch relevante Komplikationen wie Blutungen, Pneumonitis oder Nervenschäden traten nicht auf, wodurch sich TUB-040 von anderen ähnlichen Wirkstoffen dieser Klasse unterscheidet. Hervorzuheben ist auch die niedrige und gut handhabbare Toxizität. Schwere Nebenwirkungen (Grad 3 oder höher) zeigten sich selten, darunter Neutropenie (22%), Anämie (9%), Thrombozytopenie (4%) und Übelkeit (4%), so die Autoren.

Laufende Studie zur Sicherheit

„Die Zwischenergebnisse zeigen ein differenziertes klinisches Profil für TUB-040 mit Antitumor-Aktivität und einem breiten therapeutischen Fenster, das behandelnden Ärztinnen und Ärzten Flexibilität bei der Dosierung bieten könnte. Die Daten bestätigen NaPi2b als wertvolles ADC-Ziel und belegen, dass unsere Tubutecan-Technologie eine effektive Tumoransprache bei reduzierter Toxizität ermöglicht. Unser Ziel ist nun, die klinische Entwicklung von TUB-040 weiter zu beschleunigen, um dieses wertvolle Medikament so schnell wie möglich zu den Patient:innen zu bringen“, erklärt Dr. Günter Fingerle-Rowson, Chief Medical Officer von Tubulis.

Die laufende NAPISTAR 1-01 Studie (NCT06303505) untersucht TUB-040 und zielt laut dem Hersteller darauf ab, Sicherheit, Verträglichkeit, Pharmakokinetik und Wirksamkeit von TUB-040 als Monotherapie bei Patientinnen mit platinsresistentem hochgradigem Eierstockkrebs (PROC) oder wiederauftretendem/refraktärem Adenokarzinom des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) zu beurteilen.

Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse plant Tubulis außerdem, zulassungsrelevante Studien zu initiieren, und den Kandidaten in früheren Therapielinien im Ovarialkarzinom zu evaluieren sowie die Einbindung in Kombinationstherapien und neue solide Tumorindikationen zu erschließen. Die ersten Daten der NSCLC-Kohorte sollen auf einer zukünftigen medizinischen Tagung vorgestellt werden.

Über TUB-040 und die Tubutecan-Technologie

Das führende Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) von Tubulis, TUB-040, ist gegen NaPi2b gerichtet, ein Antigen, das in Eierstockkrebs und Lungenadenokarzinom stark überexprimiert ist. Es besteht aus einem IgG1-Antikörper, der sich gegen NaPi2b richtet und mit Tubulis’ firmeneigener Tubutecan-Technologie ausgestattet ist, wobei der Topoisomerase-I-Inhibitor Exatecan über ein spaltbares Linker-System, basierend auf der firmeneigenen P5-Konjugationstechnologie und mit einem homogenen DAR von 8, gekoppelt ist. Durch neuartige Chemie für cysteinselektive Konjugation ermöglicht die Technologie laut den Hersteller die Entwicklung stabiler, hochgezielter ADCs, die für die gezielte Abgabe des Topoisomerase-I-Inhibitors optimiert sind und gleichzeitig die systemische Toxizität minimieren.