Post-COVID trifft auch Kinder und Jugendliche1. November 2021 Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Post-COVID, wie eine umfangreiche Auswertung von Versicherungsdaten zeigt. (Foto: ©Prostock-studio – stock.adobe.com) COVID-19-Patienten erhalten mehr als drei Monate nach der akuten Infektion häufiger ärztliche Diagnosen physischer und psychischer Symptome und Erkrankungen als Menschen ohne COVID-19-Diagnose. Das ergeben Analysen von umfangreichen Krankenversicherungsdaten. Nicht nur Erwachsene, auch Kinder und Jugendliche sind demnach potenziell von Post-COVID betroffen. Die Analysen zeigen, dass bei Erwachsenen, aber auch bei Kindern und Jugendlichen mehr als drei Monate nach COVID-19-Diagnose häufiger neue Symptome und Erkrankungen diagnostiziert wurden als bei vergleichbaren Personen ohne COVID-19-Diagnose. Die neu dokumentierten Diagnosen betreffen sowohl physische als auch psychische Erkrankungen sowie eine Vielzahl unterschiedlicher Organsysteme und Symptomkomplexe. In Bezug auf alle betrachteten Symptome und Erkrankungen lag die Häufigkeit neu dokumentierter Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen mit COVID-19 um circa 30 Prozent höher als bei Kindern ohne COVID-19-Diagnose. Dies ergab der Vergleich von Diagnoseraten bezogen auf 1000 Personenjahre, deren Berechnung die unterschiedlichen Nachbeobachtungszeiten der in die Studie eingeschlossenen Personen berücksichtigt. Die Diagnoserate betrug bei Kindern mit COVID-19 circa 437 und bei Kindern ohne COVID-19-Diagnose circa 336. Bei Erwachsenen mit COVID-19-Diagnose lag die Diagnoserate mit rund 616 um etwa 33 Prozent höher als die Diagnoserate von 464 der Kontrollgruppe ohne COVID-19. Insgesamt waren Kinder und Jugendliche seltener betroffen als Erwachsene. Bei Kindern und Jugendlichen zählen unter anderem Unwohlsein und rasche Erschöpfung, Husten, Schmerzen im Hals- und Brustbereich sowie Angststörungen und Depression zu den am stärksten mit COVID-19 assoziierten dokumentierten Symptomen und Erkrankungen nach der Akutinfektion. Bei Erwachsenen werden vermehrt ärztliche Diagnosen von Geschmacksstörungen, Fieber, Husten und Atembeschwerden gestellt. Das geht aus den Daten mehrerer gesetzlicher Krankenkassen hervor, die unter Koordination des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) der Dresdner Hochschulmedizin und des Robert Koch-Instituts ausgewertet wurden. „Dies ist international eine der ersten, großen kontrollierten Kohortenstudien zu Post-COVID. Die umfangreiche Datengrundlage unserer Partner und innovative methodische Verfahren erlauben erstmals auch belastbare Aussagen zu längerfristigen Folgen von COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen“, sagt Prof. Jochen Schmitt vom Universitätsklinikum Dresden. Um die Zusammenhänge zwischen COVID-19 und den Erkrankungen zu verstehen, sei weitere Forschung notwendig. „Künftige Analysen sollten einen Fokus auf die Persistenz möglicher Gesundheitsprobleme in der Studienpopulation legen. Zudem ist es wichtig, die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf spätere Phasen der Pandemie und damit einhergehende veränderte Versorgungsbedingungen zu untersuchen“, ergänzt Dr. Martin Rößler vom Universitätsklinikum Dresden. In die Analyse gingen Daten von mehr als 150.000 Personen mit labormedizinisch nachgewiesener COVID-19-Erkrankung im ersten Halbjahr 2020 ein, darunter fast 12.000 Kinder und Jugendliche. Für jede infizierte Person wurden fünf nichtinfizierte Versicherte in die Studie eingeschlossen, die hinsichtlich Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen und Nachbeobachtungszeit vergleichbar waren. Infizierte und Nichtinfizierte wurden hinsichtlich 96 vorab festgelegter Symptome und Erkrankungen verglichen, die drei Monate nach Infektions- bzw. Einschlussdatum neu dokumentiert wurden. Die Studie ist Teil des Projektes “Post-COVID-19 Monitoring in Routine Health Insurance Data” (POINTED). In früheren Analysen wurden bereits Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe auf Basis von Krankenkassendaten untersucht. Originalpublikation:Roessler M et al. Post-COVID in children, adolescents, and adults: results of a matched cohort study in-cluding more than 150,000 individuals with COVID-19. Preprint 2021
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