Präventionsangebot soll psychisch Kranke vor Straftaten bewahren14. November 2018 Foto: © lassedesignen – Fotolia.com Ansbacher Pilotprojekt findet Eingang in das Bayerische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (BayPsychKHG). Studie bestätigt die Wirksamkeit des Präventionsangebots. Im Jahr 2014 hat die Präventionsambulanz am Bezirksklinikum Ansbach als ein in Deutschland und sogar weltweit einzigartiges Pilotprojekt ihre Arbeit aufgenommen. Im Juli dieses Jahres hat das ursprünglich auf vier Jahre angelegte Modellprojekt als Artikel 51 Eingang in das Bayerische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (BayPsychKHG) gefunden. Ziel der Präventionsambulanz ist es, psychiatrische Risikopatienten davor zu bewahren, Straftaten zu begehen, die mit ihrer psychischen Erkrankung in Zusammenhang stehen. Die Bilanz nach vier Jahren Modellphase überzeugte das bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, sodass die Finanzierung der Präventionsambulanz im Bezirksklinikum Ansbach nun auch langfristig gesichert ist. Zudem wurde im Sommer dieses Jahres im BayPsychKHG festgeschrieben, dass weitere Präventionsambulanzen nach dem Ansbacher Vorbild in Bayern flächendeckend entstehen sollen. Eine begleitend geführte Evaluationsstudie mit einer Vergleichsgruppe aus dem Einzugsgebiet des Bezirksklinikums Erlangen belegt die Wirksamkeit des Präventionsangebots zudem empirisch. Dabei wurde überprüft, ob sich die gewaltspezifischen Risikowerte und die psychischen, sozialen und beruflichen Funktionen der Patienten der Präventionsambulanz im Beobachtungszeitraum veränderten. Verglichen wurden diese Daten mit unbehandelten, aber hinsichtlich des Gewaltrisikos vergleichbaren Probanden aus dem Einzugsgebiet des Bezirksklinikums Erlangen. Insgesamt nahmen 70 Patienten aus der Präventionsambulanz und 51 Vergleichsprobanden an der Studie teil. Nur ein kleiner Prozentsatz wird gewalttätig Die Studie zeigt, dass über die Zeit das Risikoprofil für Gewaltstraftaten der Patienten der Präventionsambulanz verglichen mit den Vergleichsprobanden um ein Drittel sank. Zudem stiegen die psychischen, sozialen und beruflichen Funktionen stärker an. Die Studie endet zum 31. Dezember 2018. „Es ist nur ein kleiner Prozentsatz psychisch kranker Menschen, die tatsächlich gewalttätig werden“, betonte Dr. Joachim Nitschke, Chefarzt der Klinik für Forensische Psychiatrie, zu der die Präventionsambulanz gehört. „Doch jede verhinderte Gewalttat vermeidet großes Leid – sowohl für die Täter als auch für die Opfer. Die Ergebnisse der Vergleichsstudie zeigen, dass Prävention möglich ist.“ Mit der Entwicklung der Präventionsambulanz vom Modellprojekt zu einem kontinuierlichen Angebot ist er sehr zufrieden: „Seit dem Start der Präventionsambulanz konnten wir 160 Patienten behandeln, aktuell sind 60 Patienten bei uns in Behandlung. Aufgrund der erfolgreichen Evaluation des Projektes sollen ab dem 01.01.2019 bayernweit Präventionsambulanzen angeboten werden.“ Ziel ist es zukünftig, auch Patienten mit einer Minderbegabung behandeln zu können. Das Team der Präventionsambulanz besteht aus Psychologen, Sozialpädagogen, medizinischen Fachangestellten, Fachkrankenpflegekräften und Ärzten. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind eine engmaschige Betreuung durch regelmäßige Hausbesuche, individuelle Gespräche, Gruppentherapien sowie Gespräche mit Angehörigen. „Wer zu uns kommt, muss keine Angst haben, als Straftäter zu gelten“, betonte Dr. Martina Weig, Oberärztin und Leiterin der Präventionsambulanz. „Vielmehr geht es darum, dass die Betroffenen eine realistische Einschätzung über den Verlauf ihrer Krankheit bekommen und ergänzende Behandlungsangebote in Anspruch nehmen können. Selbstverständlich gilt bei uns die ärztliche Schweigepflicht.“
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