Präventionsprogramm P.A.R.T.Y. konfrontiert Jugendliche mit Folgen schwerer Verkehrsunfälle

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) startet in Zusammenarbeit mit der AUC – Akademie der Unfallchirurgie (AUC) die bundesweite P.A.R.T.Y.-Aktionswoche. Schüler besuchen eine Unfallklinik in ihrer Region und erleben, wie Schwerverletzte nach einem Verkehrsunfall versorgt werden.

„Wir möchten das Risikobewusstsein von Jugendlichen schärfen, damit sie sich und andere im Straßenverkehr nicht unnötig in Gefahr bringen“, sagt Prof. Joachim Windolf, DGU-Präsident und Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie der Universitätsklinik Düsseldorf. Anlass der Aktionswoche ist der Tag der Verkehrssicherheit am 16. Juni 2018.

P.A.R.T.Y. steht für „Prevent Alcohol and Risk Related Trauma in Youth“, was so viel heißt wie „Vermeidung von Verletzungen, die bei Jugendlichen durch Alkohol und risikoreiches Verhalten verursacht werden”. Denn junge Verkehrsteilnehmer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren sind sehr gefährdet auf deutschen Straßen. „Verkehrsunfälle sind der häufigste Grund, warum junge Menschen in dieser Altersgruppe schwer verunglücken oder ihr Leben verlieren“, sagt Dr. Christopher Spering, Leiter der DGU-Arbeitsgemeinschaft Prävention von Verletzungen und Oberarzt an der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Die Gründe, warum junge Menschen im Straßenverkehr zum Risiko für sich und andere werden, sind vielschichtig und reichen von unangepasster Geschwindigkeit und fehlender Fahrpraxis über die Handynutzung am Steuer sowie dem Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss bis hin zu einer extrem hohen Risikobereitschaft. Daher betont Spering: „Durch den Einblick in das Schicksal von Schwerverletzten wollen wir Jugendliche darin bestärken, in kritischen Situationen kluge Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört, dass sie am Ende des Tages sagen: ‚Ich werde nie bei jemandem einsteigen, der getrunken hat.‘“

Fünf Stunden sind die Jugendlichen in der Klinik unterwegs. Beim sogenannten Trauma-Rundgang erfahren sie, wie die Versorgung von schwerverletzten Unfallopfern abläuft: vom Rettungswagen oder dem Helikopter in den Schockraum, von der Intensivstation über die Normalstation in die physiotherapeutische Betreuung. Dabei lernen die Schüler akut Verletzte oder ehemals Schwerverletzte kennen. Die Patienten berichten, wie sich ihr Leben durch einen Unfall verändert hat und welche medizinischen, familiären oder beruflichen Folgen er hatte. „Das Gespräch mit den Patienten gehört mit zu den eindrücklichsten Stationen“, erklärt Spering.

Für die Schüler gibt es  immer wieder Gelegenheit, sich in die Lage eines Unfallopfers zu versetzen: So können sie in der Physiotherapie Beinprothesen ausprobieren, mit denen Patienten wieder langsam das Laufen lernen. In einigen Kliniken steht auch ein Mittagessen mit Handicap auf dem Programm. Dabei tragen die Jugendlichen eine Armschlinge oder ein Stiffneck (Halswirbelsäulen-Schiene). „Das sind sehr intensive Erfahrung für die Jugendlichen. Dabei begreifen sie, dass sie vermeintlich einfache Dinge des täglichen Lebens wie Laufen, Essen und Trinken nach einem Unfall nicht mehr ohne weiteres ausführen können“, sagt Spering. Das Programm zur Unfallprävention richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren und findet vom 11. bis zum 15. Juni 2018 statt.

Darüber hinaus halten Unfallchirurgen und Polizisten Vorträge – ohne erhobenen Zeigefinger. Viel mehr tragen der Rundgang in der Klinik und Gespräche mit Patienten wesentlich dazu bei, dass die Jugendlichen ungefilterte Eindrücke bekommen und so dafür sensibilisiert werden, sich im Straßenverkehr achtsam zu verhalten und wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen. An der inzwischen vierten Aktions-Woche beteiligen sich bundesweit ca. 15 Traumazentren (TZ) der Initiative TraumaNetzwerk DGU®.

Quelle
Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU)
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