Prednisolon bei COPD-Exazerbationen in der hausärztlichen Primärversorgung

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Lässt sich bei Personen mit Chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), die bei einer Exazerbation orales Prednisolon erhalten, mit einer Orientierung an der Bluteosinophilenzahl der Einsatz von Prednisolon wirksam reduzieren, ohne Einfluss auf negative Effekte zu haben? Diese Hypothese haben Forschende kürzlich in der Studie STARR2 untersucht.

Dabei handelte es sich um eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, die in 14 Hausarztpraxen im Vereinigten Königreich durchgeführt wurde. Für eine Teilnahme infrage kamen Patienten im Alter von ≥40 Jahren), die aktuell rauchten oder Ex-Raucher waren (≥10 Packungsjahre) und bei denen eine COPD diagnostiziert worden war. Die Studienteilnehmer mussten außerdem ≥1 Exazerbation in den vorangegangenen 12 Monaten erlitten haben, die den Einsatz systemischer Corticosteroide mit oder ohne Antibiotika nötig machte.

Alle Studienmitarbeiter und Teilnehmer wurden hinsichtlich der Studiengruppenzuteilung und der Behandlungszuteilung verblindet. Nach Randomisierung (1:1) erhielten die Probanden entweder eine an Blut-Eosinophilen orientierte Therapie (BET: 30 mg Prednisolon 1-mal täglich oral, wenn die Eosinophilenzahl hoch war [≥2%], oder Placebo, wenn sie niedrig war [<2%]) oder eine Standardbehandlung (ST: 30 mg Prednisolon 1-mal täglich, unabhängig von der Eosinophilenkonzentration). Die Dauer der Behandlung betrug 14 Tage, und alle Patienten erhielten zusätzlich Antibiotika.

Der primäre Endpunkt bestand in der Rate des Behandlungsversagens (Notwendigkeit einer erneuten Behandlung mit Antibiotika oder Steroiden bzw. Krankenhausaufenthalt aus irgendeinem Grund oder Tod, bewertet 30 Tage nach der Exazerbation in der modifizierten Intention-to-Treat-Population). Bei weiteren Exazerbationen (mit maximal 4 Exazerba­tionen pro Teilnehmer) hatten die Teilnehmer Anspruch auf eine erneute Randomisierung. Alle nach dem Zufallsprinzip einem Behandlungsarm zugeteilten Probanden wurden in die Sicherheitsanalyse eingeschlossen.

Die Wissenschaftler unterstreichen, dass die Untersuchung zwar als Überlegenheitsstudie angelegt war, dass aber nach Feststellung eines Fehlers im Randomisierungs-Code vor der Datensperre eine Nichtunterlegenheit festgestellt wurde. Als Nichtunterlegenheits-Marge wurde eine Obergrenze von 1,105 für das 95%-KI definiert.

Rekrutiert für die Studie wurden im Zeitraum 06.11.2017–30.04.2020 insgesamt 308 COPD-Patienten. In die Intention-to-Treat-Analyse flossen 144 Exazerbationen (73 in der BET-Gruppe und 71 in der ST-Gruppe) von 93 Teilnehmern (Durchschnittsalter 70 Jahre [Bereich 46–84]; durchschnittliche 1-Sekunden-Kapazität in % vom Soll [FEV1%] 60,9 [SD 19,4]; 52 [56%] Männer) ein.

Die Studienautoren beobachteten 14 Fälle (19%) eines Therapieversagens 30 Tage nach der Exazerbation in der BET-Gruppe und 23 (32%) in der ST-Gruppe. Sie stellten außerdem einen starken, aber nichtsignifikanten geschätzten Effekt zwischen BET und ST (Risiko­verhältnis 0,60; 95%-KI 0,33–1,04; p=0,070) bei der Senkung der Zahl von Fällen mit Behandlungsversagen nach einer COPD-Exazerbation fest. Die Nichtunterlegenheitsanalyse bestätigte, dass die BET einer ST nicht unterlegen war.

Die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse erwies sich in den beiden Studienarmen als ähnlich. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse in beiden Gruppen waren Glykosurie (BET: 2/102 [2%]; ST: 1/101 [1%]) und Hospitalisierung aufgrund einer COPD-Exazerbation (BET: 2/102 [2%]; ST: 1/101 [1%]).

Fazit
Eine auf die Eosinophilen im Blut gerichtete Prednisolon-Therapie zum Zeitpunkt einer akuten Exazerbation der COPD ist der Standardbehandlung nicht unterlegen und kann in der klinischen Praxis zur sicheren Reduzierung des systemischen Glukokortikoideinsatzes eingesetzt werden. (ac)

Autoren: Ramakrishnan S et al.
Korrespondenz: Mona Bafadhel; [email protected]
Studie: Blood eosinophil-guided oral prednisolone for COPD exacerbations in primary care in the UK (STARR2): a non-inferiority, multicentre, double-blind, placebo-controlled, randomised controlled trial
Quelle: Lancet Respir Med 2024;12(1):67–77.
Web: https://doi.org/10.1016/S2213-2600(23)00298-9