Preise von Krebsmedikamenten: Forscher fordern, Wirksamkeit zu berücksichtigen4. Mai 2020 Foto: © Sherry Young/Adobe Stock Ist ein Mittel gegen Krebs so teuer, weil es besonders gut wirkt? Eine internationale Studie kommt zum Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem klinischen Nutzen und den Kosten eines Medikamentes gibt. Die Forschenden fordern daher, die potenzielle Wirksamkeit bei der Preisgestaltung besser zu berücksichtigen. Immer mehr neue Krebsmedikamente kamen in den letzten Jahren auf den Markt und trotzdem sind die Preise für die Therapien in Europa und in den USA gestiegen. Dies treibt die Gesundheitskosten in die Höhe – eine Herausforderung, nicht nur für das Sozialversicherungssystem in der Schweiz, sondern auch für Patienten auf der ganzen Welt. Aber: Sind diese hohen Preise für Krebsmedikamente gerechtfertigt? Entsprechen die Kosten auch der Wirksamkeit bei der Bekämpfung der Krankheit? Diesen Fragen ging ein internationales Forschungsteam der Universität Zürich (UZH) und der Harvard Medical School in einer Studie nach. Kostenvergleich von 65 Krebsmedikamenten Die Wissenschaftler um Kerstin Noëlle Vokinger, Professorin an der Universität Zürich, analysierten die Kosten für Krebsmittel in der Schweiz, Deutschland, England und Frankreich sowie in den USA. Die Preise von 65 neueren Onkologika für solide Tumoren sowie für Blutkrebs wurden auf die monatlichen Behandlungskosten eines Standardpatienten angepasst. Die Forschenden eruierten in einem zweiten Schritt, ob es einen Zusammenhang zwischen den monatlichen Behandlungskosten und dem klinischen Nutzen der Krebsmedikamente für solide Tumoren gibt. Die Wirksamkeit der Arzneimittel, die sowohl von der amerikanischen und europäischen Zulassungsbehörde zugelassen wurden, berechneten sie anhand von zwei etablierten medizinischen Nutzenbewertungssystemen für Krebstherapien, dem „American Society of Clinical Oncology Value Framework“ und dem „European Society of Medical Oncology Magnitude of Clinical Benefit Scale“. Kein Zusammenhang zwischen Kosten und Nutzen „Unsere Studie zeigt klar, dass es für die Schweiz, Deutschland, England und die USA keinen Zusammenhang gibt zwischen dem klinischen Nutzen von Krebsmedikamenten und ihren Preisen“, erklärt Erstautorin Kerstin Vokinger. Einzig für Frankreich gibt es basierend auf einem der zwei Nutzenbewertungssysteme eine Korrelation. „Zudem wird deutlich, dass die Preise für Krebsmedikamente in den USA wesentlich höher sind als in den vier europäischen Ländern – im Schnitt bezahlen die Amerikaner doppelt so viel für das gleiche Medikament.“ Dies liegt daran, dass in den USA der freie Markt bei der Preisfestsetzung spielt. In Europa dagegen verhandeln die nationalen Behörden mit den Herstellern. Von den untersuchten europäischen Ländern hat die Schweiz gemäss Studie hinter England die zweithöchsten Tarife, in Deutschland und Frankreich sind die Medikamente günstiger. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass England für gewisse Arzneimittel interne, der Öffentlichkeit nicht bekannte Rabatte kennt und so die tatsächlichen Preise tiefer liegen können. Medikamentenpreise sind nicht gerechtfertigt „Die Preisgestaltung bei Krebsmedikamenten ist nur teilweise gerechtfertigt. Arzneimittel mit einer geringen Wirksamkeit sollten tiefere Preise haben als solche mit einer hohen Wirksamkeit“, fordert die UZH-Professorin. „Die nationalen Behörden sollten bei ihren Preisverhandlungen vermehrt den Nutzen eines Medikaments miteinbeziehen und Medikamente mit hohem Nutzen im Preisfestset-zungsverfahren auch prioritär behandeln.“ Nur so könne aufgrund der limitierten finanziellen Ressourcen der Gesundheitssysteme den betroffenen Patienten der Zugang zu wichtigen Arzneimitteln gegen Krebs gewährleistet werden, ist Vokinger überzeugt.
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