Projekt ebnet den Weg für ein Register bei familiärem Prostatakrebs

Alexander Volk (Köln) und Lars Budäus (Hamburg) (v.l.) leiten gemeinsam das INTEGRATE-Projekt, Fotos: Christian Wittke, Anja-K. Meyer

Bei welchen Kriterien ist es sinnvoll, Männer mit familiärem Prostatakrebs genetisch zu testen? Im Rahmen eines neuen Verbundprojektes wollen Forscher aus fünf deutschen Universitätskliniken die Einschlusskriterien für genetische Tests validieren. Parallel dazu soll ein zentrales Register aufgebaut werden.

Eine genetische Analyse bei familiärem Prostatakrebs wird in Deutschland bislang nicht flächendeckend routinemäßig angeboten – unter anderem, weil abgestimmte und in der Versorgung validierte Einschlusskriterien fehlen. Damit bleiben Chancen ungenutzt, Risikofamilien frühzeitig zu identifizieren und Angehörigen risikoadaptierte Präventionsmaßnahmen zu ermöglichen.

Hier setzt das Projekt INTEGRATE an (Akroynm für „germlINe tesTing rEGistry pRostATe cancEr“). In dem Projekt werden klinische Daten, Familienanamnese und genetische Befunde strukturiert zusammengeführt und ausgewertet. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit insgesamt 1,3 Millionen Euro für eine Laufzeit von drei Jahren.

Fünf Universitätskliniken eingebunden

INTEGRATE vernetzt universitäre Prostatakrebszentren in Hamburg (Martini-Klinik), Düsseldorf, Dresden, München und Köln mit Forschungseinrichtungen wie dem zu Jahresbeginn gegründeten Institut für Familiäre Tumorerkrankungen der Uniklinik Köln und dem Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie der Universität Leipzig. Eng begleitet wird das Projekt von den Patientenorganisationen Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe und BRCA-Netzwerk.

Kern ist der Aufbau eines qualitätsgesicherten INTEGRATE-Registers nach etablierten Registerstrukturen. Zudem werden Informationsmaterialien entwickelt und weiterentwickelt, um die Ansprache geeigneter Zielgruppen und die Umsetzung in klinischen Abläufen zu stärken.

„Wichtig sind bei diesem Ansatz neben der familiären Häufung von Tumoren insbesondere auch ein besonders junges Erkrankungsalter, multiple Zweittumore oder weit fortgeschrittene Tumore“, erklärt Prof. Lars Budäus, Leitender Arzt an der Martini-Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, gegenüber KOMPAKT UROLOGIE. Der Urologe leitet das Projekt aus klinischer Sicht.

Versorgung Betroffener und Angehöriger verbessern

Prof. Alexander Volk, Direktor des Instituts für Familiäre Tumorerkrankungen der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln, übernimmt die Projektleitung in Bezug auf die Genetik. „Das geplante Register ist ein entscheidender Schritt, um die hochwertige Versorgung betroffener Patienten und Ihrer Angehörigen zu verbessern und weiter zu entwickeln“, betont Volk.

Budäus ergänzt: „Langfristig ist das Ziel, die Versorgungssituation von Männern aus entsprechenden Familien bzw. mit entsprechenden Charakteristika zu verbessern. Interessant hierbei ist, dass es dies bei Frauen mit Vorliegen eines Mamma- oder Ovarialkarzinoms in gut etablierter Form mit validierten Tests und Versorgungsabläufen gibt, bei Männern entsprechendes jedoch fehlt.“

(ms/BIERMANN)

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Quellen Universitätsklinikum Hamburg-EppendorfUniversitätsklinikum KölnProf. Lars Budäus, Martini-Klinik Hamburg