Prostatakrebs: Neue Biomarker für diagnostischen Urintest identifiziert8. September 2025 Symbolbild ©GladkovPhoto /stock.adobe.com Fortschritte in der Entwicklung von zuverlässigen Urintests zur Diagnose bei Prostatakrebs: US-Wissenschaftler der Johns Hopkins University haben drei neue Biomarker identifiziert, mit denen sich Prostatakrebs präzise nachweisen und unnötige Biopsien zukünftig womöglich vermeiden lassen. Prostatakrebs wird üblicherweise durch eine Messung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut erkannt. Der Test ist jedoch nicht sehr spezifisch, sodass zur Bestätigung einer Krebsdiagnose häufig Prostatabiopsien erforderlich sind. Die Biopsie-Ergebnisse sind wiederum nicht immer zuverlässig und können fälschlicherweise negativ ausfallen und zu unbeabsichtigten Komplikationen führen oder bei sehr geringgradigem Prostatakrebs unnötige Behandlungen nach sich ziehen. Drei neue RNA-Biomarker Forschende unter anderem des Johns Hopkins Kimmel Cancer Center und des Johns Hopkins All Children’s Hospital (USA) haben deshalb eine neue Methode zum Nachweis von Prostatakrebs mithilfe von Biomarkern im Urin entwickelt. Dieser Ansatz könnte den Bedarf an invasiven, oft schmerzhaften Biopsien deutlich reduzieren, so die Autoren der Studie aus der Fachzeitschrift „eBioMedicine“. Anhand der Analyse von Urinproben von Prostatakrebspatienten vor und nach einer Prostatektomie sowie von gesunden Personen mittels RNA-Sequenzierung identifizierten die Forschenden unter der Leitung von Prof. Ranjan Perera drei Biomarker, die Prostatakrebs zuverlässig nachwiesen: TTC3, H4C5 und EPCAM. TTC3 (Tetratricopeptid-Repeat-Domäne 3) spielt eine Rolle bei der asymmetrischen Zellteilung in Krebszellen, H4C5 (H4-Cluster-Histon 5) ist in der Modulation der Chromatinstruktur involviert und EPCAM (Epithelzell-Adhäsionsmolekül) wird bei vielen menschlichen Krebsarten, die im Epithelgewebe der Organe entstehen, stark überexprimiert. Sensitiv, spezifisch und nicht-invasiv In der Studie wurden 341 Urinproben (107 von gesunden Personen, 136 von Patienten mit Prostatakrebs vor der Operation und 98 nach der Operation) während der Entwicklung des Urintests untersucht und weitere 1055 Proben (162 von gesunden Personen, 484 von Patienten mit Prostatakrebs vor der Operation und 409 nach der Operation), um den Test zu validieren. Die drei ausgewählten RNA-Biomarker waren im Urin von Patienten vor der Operation deutlich erhöht, fehlten jedoch postoperativ nahezu vollständig. In der Validierungsstudie identifizierten die Forschenden mithilfe des neuen Tests den Prostatakrebs in 91 Prozent der Fälle zuverlässig und schlossen Patienten ohne Prostatakrebs in 84 Prozent der Fälle zuverlässig aus. Das Panel behielt eine diagnostische Genauigkeit von 78,6 Prozent (Entwicklungsstudie) bzw. 85,7 Prozent (Validierungsstudie) in Fällen mit PSA-negativem Prostatakrebs. Präziser als PCA3-Urintest Damit biete das Panel eine sowohl sensitive als auch spezifische, nicht-invasive Methode zur Diagnose von Prostatakrebs, so Perera. „Der Test hat das Potenzial, Prostatakrebs präzise zu erkennen, unnötige Biopsien zu reduzieren, die diagnostische Genauigkeit bei PSA-negativen Patienten zu verbessern und als Grundlage für [weitere Entwicklungen] zu dienen“, fasst Perera, Direktor des Center for RNA Biology am Johns Hopkins All Children’s Hospital, zusammen. Darüber hinaus zeigte sich, dass mit dem Panel der Krebs auch bei Männern mit PSA-Werten im Normalbereich identifiziert werden konnte. Zudem ermöglichte der neue Test eine bessere Differenzierung zwischen Patienten mit Prostatakrebs und Patienten mit gutartigen Prostataerkrankungen, wie einer Entzündung oder benignen Hyperplasie, als ein Prostate Cancer Antigen 3 (PCA3)-Urintest. Klinischer Einsatz steht noch aus Derzeit prüfen die Forschenden, wie das Biomarker-Panel allein oder in Kombination mit einem PSA-Test eingesetzt werden könnte. Die nächsten Forschungsschritte seien eine unabhängige Erprobung des Tests an einer anderen Institution und die Weiterentwicklung für den Laboreinsatz im klinischen Umfeld, so Perera. „Es besteht ein echter Bedarf an nicht-PSA-basierten Biomarkern für Prostatakrebs, und Urin lässt sich in der Klinik recht einfach sammeln“, ergänzt Co-Autor Prof. Christian Pavlovich von der Johns Hopkins University und Programmdirektor des Prostate Cancer Active Surveillance Programms. „Die meisten Urologen sind der Meinung, dass ein präziser Urin-Biomarker eine wertvolle Ergänzung unseres aktuellen diagnostischen Arsenals wäre.“ (mkl/BIERMANN)
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