Zystektomie behauptet ihren Stellenwert gegenüber blasenerhaltender Therapie

Schneiden schlägt erhalten – zumindest beim rezidivierenden hochgradigen nicht muskelinvasiven Blasenkarzinom. Symbolbild: shidlovski – stock.adobe.com

In einem Vergleich der radikalen Zystektomie (RC) mit blasenerhaltender Therapie (BST) bei Patienten mit rezidivierendem, hochgradigem, nicht muskelinvasivem Blasenkarzinom (NMIBC) hat die RC vergleichbar oder besser abgeschnitten. Die Patienten konnten in der „pragmatischen“ CISTO-Studie die Therapie selbst wählen.

Die Autoren konzipierten die US-weite prospektive Beobachtungsstudie so, dass die Patienten die Ergebnisse der von ihnen priorisierten Behandlung auch selbst beurteilten. Teilnahmeberechtigt waren erwachsene Patienten, die für RC oder BST geeignet waren, zuvor eine Induk­tionstherapie mit Bacillus Calmette-Guérin erhalten hatten und deren letzte Behandlung innerhalb der letzten 12 Monate stattgefunden hatte. Der primäre Endpunkt war die körperliche Funktionsfähigkeit gemäß dem Frage­bogen EORTC-QLQ-C30 nach 12 Monaten. Zu den sekundären Endpunkten zählten weitere Skalen des EORTC-QLQ-C30, Depression, Angstzustände, die blasenkrebsspezifische Lebensqualität, die finanzielle Belastung und krebsspezifische Ergebnisse. Um die durchschnittlichen Behandlungseffekte (average treatment effects, ATE) zwischen den Behandlungsgruppen zu berechnen, bedienten sich die Wissenschaftler der Targeted Maximum Likelihood Estimation (TMLE). Mittels Quasi-Poisson-Regression berechneten sie per inverser Wahrscheinlichkeit gewichtete Risikoverhältnisse (wRR).

Von 570 Teilnehmern (mittleres Alter 71,4 Jahre; 21 % weiblich) wählten 371 die BST und 199 die RC. Die körperliche Funktionsfähigkeit war in der RC-Gruppe nach 3 Monaten signifikant schlechter; nach 9 Monaten bestand jedoch kein Unterschied mehr zwischen den Gruppen, und nach 12 Monaten unterschied sich die körperliche Funktionsfähigkeit nicht mehr (ATE 0,9; 95 %-KI -0,6 bis 2,4; p=0,22). RC war mit einer besseren emotionalen Funk­tionsfähigkeit, einer höheren allgemeinen gesundheitsbezogenen Lebensqualität und einer geringeren finanziellen Belastung sowie weniger Depressionen und Angstzuständen assoziiert, während BST mit einer besseren Darm- und sexuellen Gesundheit verbunden war.

Das krebsspezifische Überleben betrug 99 % für die BST-Gruppe gegenüber 96 % für die RC-Gruppe (wRR 0,99; 95 %-KI 0,97–1,01). RC war mit einem höheren Risiko für unerwünschte Ereignisse allgemein und für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse verbunden, es bestand eine 90-Tage-Mortalitätsrate von 2,5 %. „Diese Ergebnisse belegen die anhaltende Bedeutung der RC in der Behandlung von rezidivierendem, hochgradigem NMIBC“, schlussfolgern die Autoren.

(ms/BIERMANN)