Prostatakrebs: Ultrahypofraktionierte Radiotherapie bewährt sich nach zehn Jahren

Moderner Linearbeschleunigerzur Strahlentherapie (Symbolbild) Foto: ATRPhoto – stock.adobe.com

Auch nach 10-jähriger Nachbeobachtung ist die ultrahypofraktionierte Strahlentherapie der konventionell fraktionierten bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs mittleren oder hohen Risikos nicht unterlegen und zeigt ein ähnliches Toxizitätsprofil.

Die Ergebnisse der HYPO-RT-PC-Studie stützten das 7-Fraktionen-Schema als sichere, wirksame und praktikable Standardtherapieoption für diese Patienten, bilanziert das Team um Erstautor Dr. Per Nilsson vom Universitätsklinikum Skåne im schwedischen Lund.

Die unverblindete randomisierte Phase-III-Studie zur Nichtunterlegenheit wurde an 10 Zentren in Schweden und 2 in Dänemark durchgeführt. Geeignet waren Männer im Alter von maximal 75 Jahren mit lokalisiertem Prostatakrebs mit intermediärem oder hohem Risiko und einem WHO-Performance-Status zwischen 0 und 2. Eine vorherige oder laufende Androgenentzugstherapie war nicht zulässig. Im Zeitraum 01.07.2005- bis 04.11.2015 wurden insgesamt 1200 Studienteilnehmer 1:1 randomisiert für eine ultrahypofraktionierte Strahlentherapie (42,7 Gy in 7 Fraktionen, 3 Tage/Woche über 2,5 Wochen; n=598) oder eine konventionell fraktionierte (78,0 Gy in 39 Fraktionen, 5 Tage/Woche über 8 Wochen; n=602).

Progressionsfreies Überleben als primärer Endpunkt

Bei der Randomisierung berücksichtigten die Wissenschaftler das T-Stadium, den Gleason-Score und den PSA-Wert der Patienten sowie das Studienzentrum, wo die Therapie stattfand. Als primären Endpunkt bestimmten sie das progressionsfreie Überleben (PFS), definiert als die Zeit ab der Randomisierung bis zum ersten Auftreten eines biochemischen Rezidivs, einer klinischen Progression, des Beginns einer Androgenentzugstherapie oder des Todes durch Prostatakrebs. Die Nichtunterlegenheitsgrenze lag bei 4% nach 5 Jahren und war zuvor bereits erreicht worden, was einer kritischen Hazard Ratio (HR) von 1,338 entspricht. Die Toxizität beurteilte das Team anhand der Morbiditätsskala der Radiation Therapy Oncology Group (RTOG).

Die Per-Protocol-Population umfasste schließlich 1180 Patienten. Davon erhielten 591 eine Strahlentherapie mit konventioneller Fraktionierung und 589 wurden mit ultrahypofraktionierter Bestrahlung behandelt. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 10,6 Jahren (Interquartile Range [IQR] 9,0–13,0) in der Gruppe mit konventioneller Fraktionierung und 10,7 Jahren (IQR 9,1–12,7) in jener mit ultrahypofraktionierter Bestrahlung waren 205 bzw. 178 primäre Ereignisse aufgetreten.

Nichtunterlegenheit erreicht

Das 10-Jahres-Überleben ohne Therapieversagen beziffern die Autoren auf 65% (95%-Konfidenzintervall [KI] 61–69) mit konventionell fraktionierter Bestrahlung und 72% (95%-KI 68–76) in der Gruppe mit Ultrahypofraktionierung. Die adjustierte HR für den primären Endpunkt erreichte 0,84 (95%-KI 0,69–1,03; Cox-Regressionsanalyse), was die Nichtunterlegenheit bestätigt.

Die kumulative 10-Jahres-Inzidenz später urogenitaler Toxizitäten von Grad 2 oder höher lag bei 30% (95%-KI 26–34) mit konventionell fraktionierter Bestrahlung und bei 28% (95%-KI 24–32) in der Gruppe mit Ultrahypofraktionierung (HR 1,01; 95%-KI 0,81–1,25; p=0,95). Für späte gastrointestinale Toxizitäten von Grad 2 oder höher betrugen die entsprechenden Werte jeweils 14% (95%-KI 11–18 bzw. 95%-KI 11-17; HR 0,94; 95%-KI 0,70–1,28; p=0,72).

(sf/ms/BIERMANN)