PsittaWel: Neues Tool für das Papageienwohl5. Juni 2026 (Symbolbild) Foto: © Ian – stock.adobe.com Die Privathaltung von Papageien stellt hohe Anforderungen. Werden diese nicht oder nur teilweise erfüllt, können Verhaltens- und Gesundheitsprobleme bei den Tieren auftreten. Um ein stärkeres Bewusstsein für die Bedürfnisse der Vögel zu schaffen, haben Forschende das Tool PsittaWel entwickelt. Mithilfe des Instruments können Tierhalter das Wohlergehen ihres Papageien besser einschätzen lernen und verstehen. Entwickelt wurde PsittaWel von Forschenden der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) und der Universität Utrecht, Niederlande. Das Tool entstand im Rahmen der Dissertation von Andrea Piseddu, unter der Betreuung von Jean-Loup Rault und Yvonne van Zeeland. PsittaWel wurde über vier Jahre hinweg gemeinsam mit einem internationalen Expertengremium erarbeitet. Das Gremium bestand aus Forschenden, Tierärzten sowie zertifizierten Verhaltensberatern mit Schwerpunkt Tierschutz und Papageien. Tool soll Bewusstsein für die Bedürfnisse von Papageien schärfen Das Instrument umfasst 75 Fragen in acht Abschnitten und deckt zentrale Aspekte des Papageienwohls ab. Unter den Kriterien finden sich körperliche Verfassung, Haltungsumgebung, soziale Interaktionen, Verhalten, Ernährung und tägliches Management. Jean-Loup Rault (Zentrum für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften/Vetmeduni) erläutert, dass betreuende Personen durch das Ausfüllen des Fragebogens beurteilen können, ob die Haltungsbedingungen für ihre Papageien angemessen sind. Und auch, ob die Tiere Verhaltens- oder körperliche Anzeichen zeigen, die mit positivem Wohlergehen oder potenziellen Stresssignalen verbunden sind. „PsittaWel wurde entwickelt, um eine wissenschaftlich fundierte, praxisnahe Ressource bereitzustellen, die Betreuenden hilft, das Wohlergehen der mit ihnen lebenden Papageien zu überwachen und zu verstehen – und um das Bewusstsein für deren Bedürfnisse zu schärfen“, so Rault weiter. Anwendung, Grenzen und ethische Einordnung Yvonne van Zeeland (Universität Utrecht) betont, dass PsittaWel kein Ersatz für professionelle Unterstützung ist. „Das Instrument soll die Arbeit von Tierärztinnen und Tierärzten sowie zertifizierten Verhaltensberaterinnen und -beratern ergänzen, nicht ersetzen. Fachliche Begleitung bleibt für Gesundheit und Wohlergehen von Papageien unerlässlich, insbesondere bei Sorgen oder Problemen.“ Papageien gehören zu den häufigsten Heimtieren, leiden jedoch oft unter Verhaltens- und Gesundheitsproblemen. Das liegt daran, dass ihre komplexen Bedürfnisse schwer zu erfüllen sind. Nach Einschätzung der Forschenden kann das Tool dazu beitragen, diese Herausforderungen sowohl für aktuelle als auch für potenzielle Betreuende besser zu erfassen. Bestmögliches Leben für Tiere in Gefangenschaft ermöglichen Andrea Piseddu (Zentrum für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften//Vetmeduni) stellt klar: „PsittaWel soll die Haltung von Papageien als Heimtiere weder fördern noch rechtfertigen. Ethische Fragen zur Gefangenschaft sind und bleiben wichtig, und weitere Forschung zum Wohl von Papageien ist unerlässlich. Solange Papageien – langlebige Arten – jedoch in häuslichen Umgebungen leben, besteht ein klarer Bedarf, ihr Wohlergehen zu beurteilen und ihre Haltungsbedingungen zu verbessern, um ihnen das bestmögliche Leben zu ermöglichen.“ Das Forscherteam hofft, dass PsittaWel auch künftige Diskussionen über evidenzbasierte Leitlinien, Mindeststandards und politische Maßnahmen zum besseren Schutz von Heim-Papageien anstoßen wird. Link zum Tool: Vetmeduni: PsittaWel
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