Psychische Gesundheit der Mutter beeinflusst die frühe neurologische Entwicklung

Perinatale Depressionen beeinträchtigen die neurologische Entwicklung von Kindern. (Foto: © kapinon – stock.adobe.com)

Perinatale Depressionen bei Müttern erhöhen das Risiko für autistische Merkmale bei Kleinkindern, insbesondere bei Mädchen. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte japanische Kohortenstudie mit mehr als 23.000 Mutter-Kind-Paaren.

Das Team hatte depressive Symptome der Mütter während der frühen und mittleren Schwangerschaft sowie einen Monat nach der Entbindung bewertet. Höhere Werte der Mütter auf der Kessler Psychological Distress Scale (K6) oder der Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS) standen schließlich in signifikantem Zusammenhang mit vermehrten autistischen Merkmalen bei Kleinkindern, gemessen anhand der Tokyo Autistic Behavior Scale (TABS). So wiesen Nachkommen von Müttern mit perinatalen Depressionen (K6- oder EPDS-Wert ≥9) ein signifikant höheres Risiko für autismusähnliche Verhaltensweisen auf (TABS-Wert ≥15; p<0,05).

Bemerkenswert sei, dass Autismus zwar generell häufiger bei Jungen auftrete, das mit einer perinatalen Depression der Mutter verbundene Risiko jedoch bei Mädchen besonders ausgeprägt war (OR 5,81–9,37; p<0,05), erklärten die Forschenden um Dr. Zhiqian Yu und Prof. Hiroaki Tomita von der Tohoku-Universität. Darüber hinaus wiesen Mädchen ein geringeres Geburtsgewicht und einen stärkeren Zusammenhang zwischen autistischen Merkmalen und einer beeinträchtigten Mutter-Kind-Bindung (Mother-to-Infant Bonding Scale) auf.

Neurobiologischer Mechanismus im weiblichen Gehirn

Um die biologischen Mechanismen des beobachteten Zusammenhangs zu erforschen, entwickelten die Forscher ein pränatales Stressmodell bei Mäusen als „Mütter“. In diesem zeigten gestresste Mütter depressionsähnliche Verhaltensweisen und reduzierte mütterliche Fürsorge, während ihre weiblichen Nachkommen typische autismusähnliche Verhaltensmuster aufwiesen, darunter vermehrte Selbstpflege und eine beeinträchtigte Wahrnehmung sozialer Neuheiten.

Molekulare Analysen ergaben eine verringerte Expression von Oxytocin in den präfrontalen kortikalen Mikroglia gestresster Mütter und eine verringerte Expression von Oxytocinrezeptoren im präfrontalen Kortex ihrer weiblichen Nachkommen. Diese Ergebnisse deuten den Forschenden zufolge auf einen geschlechtsspezifischen neurobiologischen Weg hin, über den pränataler Stress die soziale Entwicklung stören kann. Da die Oxytocin-Signalübertragung für die mütterliche Bindung und das Sozialverhalten unerlässlich ist, könnten Störungen in diesem System erklären, warum Töchter besonders anfällig für mütterlichen Stress zu sein scheinen.

Gesunde Mütter, gesunde Kinder

Die Studienergebnisse unterstrichen, wie wichtig es ist, die psychische Gesundheit von Müttern bereits während der Schwangerschaft zu fördern, betonen die Autoren. Eine angemessene psychologische Betreuung und Überwachung könne dazu beitragen, negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern, insbesondere von Mädchen, zu verringern. Zudem machten die Ergebnisse deutlich, dass das Wohlbefinden der Mutter eine entscheidende Grundlage für die langfristige gesunde Entwicklung von Kindern ist, und lieferten eine wissenschaftliche Grundlage für geschlechtsspezifische Frühinterventionsstrategien, resümierten Yu und Kollegen. (ej/BIERMANN)