Real-World-Studie ergibt Unterschiede zwischen einzelnen PDE5-Hemmern

„In unserem Datensatz waren Nebenwirkungen wie verstopfte Nase, leichte Kopfschmerzen oder Sodbrennen deutlich präsenter als die erwartete Gesichtsrötung aus klassischen Studien“, erklärt Studienleiter Dr. Johannes von Büren. Foto: Wellster Healthtech

In einer aktuellen Studie haben Urologen die Sicherheits- und Wirksamkeitsprofile der drei Phosphodiesterase-5(PDE5)-Hemmer Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil direkt miteinander verglichen. Die Ergebnisse zeigen Unterschiede in den Bereichen Wirksamkeit und Verträglichkeit.

Die Forschenden haben in der Studie die anonymisierten Behandlungsdaten von 132.100 Patienten ausgewertet, die über die digitale Männergesundheitsplattform „GoSpring“ des Münchner Unternehmens Wellster Healthtech versorgt wurden, eine sogenannte Direct-to-consumer (DTC) telemedizinische Plattform.

Die Beliebtheit der drei Wirkstoffe war bei den Patienten sehr unterschiedlich: Mehr als die Hälfte (54,4%) ließen sich den „Klassiker“ Sildenafil verordnen, 43,2% wählten Tadalafil und nur 2,4% bestellten Vardenafil.

Die Patienten wurden anonym über Fragebögen zu Wirkung und Verträglichkeit ihrer Behandlung befragt. Nach Angaben der Autoren ergab dies die weltweit größte Real-World-Vergleichsstudie zur Anwendung von PDE5-Hemmern in der Therapie der Erektilen Dysfunktion (ED). Sie wurde am 18.11.2025 online vorab im Journal „European Urology Focus“ veröffentlicht.

Unterschiede bei Wirksamkeit und Verträglichkeit

Die Ergebnisse brachten deutliche Unterschiede zwischen den drei Wirkstoffen zutage. Die häufigste Nebenwirkung bei allen drei PDE5-Hemmern war eine verstopfte Nase. Sildenafil verursachte seltener Refluxbeschwerden als Tadalafil, während Tadalafil wiederum seltener Gesichtsrötungen hervorrief. Niedrigere Dosierungen führten bei beiden Hauptwirkstoffen zu deutlich weniger Nebenwirkungen.

  • Sildenafil zeigte die höchste Wirksamkeit bei moderater bis schwerer ED. Patienten, die Sildenafil in mittlerer oder hoher Dosierung einnahmen, berichteten über eine signifikant größere Verbesserung ihrer sexuellen Zufriedenheit, Erektionshärte und Erektionserhaltung im Vergleich zu Tadalafil. Außerdem setzte die Wirkung von Sildenafil mit durchschnittlich 30 bis 45 Minuten deutlich schneller ein als bei Tadalafil, das 45 bis 60 Minuten benötigte.
  • Tadalafil überzeugte durch eine bessere Verträglichkeit. Die tägliche Einnahme von Tadalafil in einer Dosierung von 5 mg brachte keinen zusätzlichen Wirksamkeitsvorteil gegenüber der Bedarfsmedikation, führte jedoch zu einer geringeren Häufigkeit von Nebenwirkungen (27,4% gegenüber 31,1%). Zudem traten unter Tadalafil seltener Gesichtsrötungen (2,3% gegenüber 7,3% bei Sildenafil) und Kopfschmerzen auf – insbesondere bei täglicher Einnahme.
  • Vardenafil wies das ungünstigste Nebenwirkungsprofil auf. In der Auswertung zeigte Vardenafil mit 47,4% die höchste Rate an unerwünschten Arzneimittelwirkungen, verglichen mit 35% unter Sildenafil und 33,9% unter Tadalafil. Zudem wurde nur bei Vardenafil ein signifikant erhöhtes Risiko für Tachykardien festgestellt.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass sich die einzelnen PDE5-Hemmer je nach Beschwerdebild unterschiedlich gut eignen. Sildenafil ist demnach insbesondere bei schwerer ED und Refluxbeschwerden vorteilhaft, während Tadalafil vor allem bei Patienten mit Kopfschmerzen, Gesichtsrötungen oder häufiger Einnahme empfehlenswert ist.

Bedeutung von Real-World-Daten für die Therapieentscheidung

Erstaunlich ist, dass die berichteten unerwünschten Wirkungen von den bisherigen Studien abwichen. „In unserem Datensatz waren Nebenwirkungen wie verstopfte Nase, leichte Kopfschmerzen oder Sodbrennen deutlich präsenter als die erwartete Gesichtsrötung aus klassischen Studien“, erklärt Studienleiter Dr. Johannes von Büren von Wellster Healthtech. „Diese signifikante Verschiebung im Nebenwirkungsprofil ist ein zentraler Befund, der die enorme Relevanz von Real-World-Daten für die Therapieentscheidung unterstreicht.“

Dies unterstreicht auch PD Dr. Severin Rodler vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Erst- und Korrespondenzautor der Studie: „Gerade für schambesetzte Themen wie die erektile Dysfunktion sind Real-World-Daten wie vom Telemedizin-Anbieter GoSpring enorm wertvoll. Sie spiegeln den Alltag unserer Patienten wider – und genau dort müssen Therapien funktionieren. Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, echte Erfahrungen systematisch zu erfassen und in Behandlungsentscheidungen einfließen zu lassen.“

(ms/BIERMANN)