Rechtfertigt Device-detektiertes Vorhofflimmern mit langen Episoden eine Antikoagulation?14. November 2023 Foto: ©freshidea/stock.adobe.com Bei Device-detektiertem Vorhofflimmern scheint das Schlaganfallrisiko im Vergleich zu EKG-detektiertem Vorhofflimmern gering (1% pro Jahr) zu sein, selbst wenn die Episoden sehr lang sind. Eine Antikoagulation kann das Schlaganfallrisiko etwas senken, aber auch größere Blutungen verstärken. Dies ist das Hauptergebnis einer Subanalyse der Studie NOAH-AFNET 6, die Dr. Nina Becher, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, in der Late-Breaking-Clinical-Trials-Session beim Jahreskongress der American Heart Association (AHA) in Philadelphia (USA) vorgestellt hat. Die Ergebnisse der Analyse wurden zeitliche im „European Heart Journal“ publiziert. Device-detektiertes Vorhofflimmern, auch subklinisches Vorhofflimmern (SCAF) oder atriale Hochfrequenzepisoden (AHRE) genannt, sind kurze und seltene Vorhofarrhythmien, die von implantierten Herzschrittmachern, Defibrillatoren und Ereignisrekordern, die eine langfristige Überwachung des Herzrhythmus ermöglichen, aufgezeichnet werden. Die Episoden ähneln Vorhofflimmern. Bei jeder fünften Person mit einem Herzschrittmacher oder einem anderen kardialen implantierten elektronischen Gerät werden solche Vorhofrhythmusstörungen gefunden. Device-detektiertes Vorhofflimmern kann zu Schlaganfällen führen, aber die Betroffenen haben vermutlich ein niedrigeres Schlaganfallrisiko als Personen mit EKG-dokumentiertem Vorhofflimmern. Daten aus Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass Menschen mit sehr langen Episoden von Device-detektiertem Vorhofflimmern möglicherweise ein höheres Schlaganfallrisiko haben. Kürzlich wurde in der Studie NOAH-AFNET 6 (Non-Vitamin-K-Antagonist Oral Anticoagulants in Patients with Atrial High rate Episodes) festgestellt, dass die Antikoagulation das Blutungsrisiko bei Patientinnen und Patienten mit Device-detektiertem Vorhofflimmern erhöht, während die Schlaganfall-verhindernde Wirkung geringer war als erwartet (wir berichteten). Becher und das NOAH-AFNET-6-Team untersuchte nun die Wirksamkeit und Sicherheit der Antikoagulation mit Edoxaban bei Patientinnen und Patienten mit langen Episoden von Device-detektiertem Vorhofflimmern, die 24 Stunden oder länger dauerten. Die Ergebnisse stimmen mit der Hauptstudie überein: Antikoagulation hat nur einen geringen Einfluss auf Schlaganfälle und systemische Embolien. Eine zusätzliche Analyse unter Einbeziehung der AHRE-Dauer als kontinuierliche Variable bestätigte, dass die Episodendauer keinen Einfluss auf die Wirkung der Antikoagulation hat. Im Vergleich zu älteren Analysen überraschte die niedrige Schlaganfallrate ohne Antikoagulation. Die Ergebnisse müssen in größeren und unabhängigen Datensätzen bestätigt werden. „Die Wirkung der Antikoagulation bei Patient:innen mit Device-detektiertem Vorhofflimmern scheint über die Episodendauer hinweg konsistent zu sein, auch bei Patient:innen mit sehr langen Episoden“, erklärt Becher. Dies unterstreiche die Notwendigkeit, bei allen Menschen mit Device-detektiertem Vorhofflimmern die Entscheidung für oder gegen eine Antikoaguation sorgfältig abzuwägen und dabei die Auswirkungen auf Schlaganfälle und Blutungen zu berücksichtigen. NOAH-AFNET 6 verglich das Antikoagulans Edoxaban mit einem Placebo. Eine ähnliche Studie namens ARTESiA (Apixaban for the Reduction of Thrombo-Embolism in Patients with Device-Detected Sub-Clinical Atrial Fibrillation) testete ebenfalls bei Menschen mit Device-detektiertem Vorhofflimmern die Wirksamkeit und Sicherheit eines anderen Antikoagulans, Apixaban. Eine ebenfalls jüngst publizierte Metaanalyse dieser ersten beiden derartigen randomisierten Studien zur Antikoagulation bei Patientinnen und Patienten mit Device-detektiertem Vorhofflimmern zeigt übereinstimmende Ergebnisse in beiden Studien: Antikoagulation verhindert im Durchschnitt drei Schlaganfälle und verursacht sieben schwere Blutungen pro 1000 Patientenjahre Behandlung. Prof. Andreas Goette, St. Vincenz-Krankenhaus in Paderborn, der an NOAH-AFNET 6 und der Metaanalyse beteiligt war, stellt fest: „Im Durchschnitt reduziert die Antikoagulation Schlaganfälle um einen geringen absoluten Betrag. Dieser wünschenswerte Effekt geht aber mit einem Anstieg schwerer Blutungsereignisse einher. Ärzt:innen müssen diese Auswirkungen berücksichtigen, wenn sie individuelle Entscheidungen zur Antikoagulation bei Patient:innen mit Device-detektiertem Vorhofflimmern treffen.“ Prof. Paulus Kirchhof, UKE, wissenschaftlicher Leiter der Studie, erklärt: „Wir haben jetzt viel bessere Schätzungen zur Wirksamkeit und Sicherheit der oralen Antikoagulation bei Patient:innen mit Geräte-detektiertem Vorhofflimmern. Wir brauchen eindeutig zusätzliche Methoden, um Patient:innen mit Device-detektiertem Vorhofflimmern und hohem Schlaganfallrisiko zu identifizieren.“
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