Omega-3: Erhöhtes Vorhofflimmer-Risiko offenbar nur unter hochdosierter Therapie4. August 2026 Eine hochdosierte Omega-3-Therapie war in einer aktuellen Metaanalyse nur bei Patienten mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung mit einem leicht erhöhten Risiko für Vorhofflimmern assoziiert.(Symbolfoto: ©encierro/stock.adobe.com) Omega-3-Fettsäuren gelten als potenziell kardioprotektiv. Eine hochdosierte Therapie kann jedoch das Risiko für Vorhofflimmern bei Herz-Kreislauf-Erkrankten erhöhen, wie eine aktuelle großangelegte Metaanalyse aufzeigt. In den letzten Jahren deuteten mehrere Metaanalysen darauf hin, dass Omega-3-Präparate das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen könnten (wir berichteten). Diese Berichte umfassten jedoch maximal acht randomisierte Studien, konzentrierten sich in erster Linie auf kardiovaskuläre Endpunktstudien und berücksichtigten viele in Frage kommende Studien nicht, in denen Daten zu Vorhofflimmern zwar vorlagen, aber unveröffentlicht waren. Kein erhöhtes Risiko bei Nahrungsergänzung in üblichen Dosierungen Forschende des Fatty Acid Research Institute (FARI) führten nun in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Institutionen weltweit die bislang größte Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen der Einnahme von Omega-3-Fettsäurepräparaten und neu auftretendem Vorhofflimmern durch. Ihre Analyse – publiziert im Fachmagazin „Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology“ – liefert keine Hinweise auf ein erhöhtes Vorhofflimmer-Risiko unter einer niedrig dosierten Omega-3-Supplementierung (≤1500 mg/Tag). Eine darüber hinausgehende Supplementierung kann den Ergebnissen zufolge allerdings das Risiko für Vorhofflimmern bei Herz-Kreislauf-Erkrankten leicht erhöhen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang zwischen Omega-3-Fettsäuren und Vorhofflimmern weitaus differenzierter ist, als frühere Schlagzeilen vermuten ließen“, sagt Dr. William S. Harris, Präsident des FARI und leitender Autor der Studie. „Für die überwiegende Mehrheit der Menschen, die Omega-3-Fettsäuren in ernährungsphysiologischen Dosen einnehmen, sollten diese Daten die Gewissheit geben, dass kein nennenswerter Anstieg des Risikos für Vorhofflimmern besteht.“ Leicht erhöhtes Vorhofflimmer-Risiko nur unter hochdosierter Therapie Die Forschenden um Erstautorin Dr. Nada Abuknesha analysierten die Daten aus 35 randomisierten kontrollierten Studien mit 114.592 Teilnehmern aus 46 Ländern (mittleres Alter 66 Jahre; 61 % männlich). Einbezogen wurden Studien, in denen Personen ab 50 Jahren ohne bekanntes Vorhofflimmern oder Vorhofflattern über mindestens zwölf Monate mindestens 500 mg/Tag Docosahexaensäure (DHA) und/oder Eicosapentaensäure (EPA) erhielten. Dabei inkludierten sie auch 15 Studien mit bisher unveröffentlichten Vorhofflimmern-Daten sowie Studien, in denen keinerlei Vorhofflimmer-Ereignisse berichtet wurden, wodurch das Risiko eines Publication Bias reduziert wurde. Darüber hinaus flossen bislang nicht ausgewertete Sicherheitsdaten in die Analyse ein. Außerdem bewerteten sie das Vorhofflimmer-Risiko sowohl anhand der Omega-3-Dosis als auch anhand des zugrunde liegenden kardiovaskulären Risikos, was eine klinisch aussagekräftigere Interpretation der Evidenz ermöglicht. Das Team um Abuknesha unterteilte die Studienteilnehmer in vier Gruppen: niedriges kardiovaskuläres Risiko und niedrig dosierte Omega-3-Supplementierung (≤1500 mg/Tag EPA + DHA) hohes kardiovaskuläres Risiko und niedrig dosierte Omega-3-Supplementierung Niedriges kardiovaskuläres Risiko und hoch dosierte Omega-3-Supplementierung (>1500 mg/Tag EPA + DHA) hohes kardiovaskuläres Risiko und hoch dosierte Omega-3-Supplementierung Ihre Analyse ergab, dass eine niedrig dosierte Omega-3-Supplementierung nicht mit einem erhöhten Vorhofflimmer-Risiko verbunden war, selbst bei Personen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko. Im Gegensatz dazu zeigte sich ausschließlich bei Patienten mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung unter einer hochdosierten Omega-3-Therapie (typischerweise verschreibungspflichtige Präparate) ein statistisch signifikanter, absolut jedoch geringer Risikoanstieg (Odds Ratio 1,43; 95%-KI 1,14–1,79; absoluter Risikoanstieg 0,8 %). Einordnung der Ergebnisse in den klinischen Kontext Nach Einschätzung der Autoren sollten die bekannten kardiovaskulären Vorteile hochdosierter Omega-3-Präparate bei geeigneten Patienten gegen den beobachteten Anstieg des Vorhofflimmer-Risikos abgewogen werden. „Die Entscheidung, Omega-3-Präparate einzunehmen oder abzusetzen, sollte in Absprache zwischen einem Patienten und seinem behandelnden Arzt getroffen werden“, meint Harris. „Diese Studie bietet Ärzten eine bessere Orientierungshilfe dabei, welche Patienten bei einer hochdosierten Omega-3-Therapie von einer engmaschigeren Überwachung profitieren könnten.“ Dabei ist jedoch wichtig zu unterscheiden zwischen: Omega-3-Nahrungsergänzung (typischerweise 500–1500 mg/Tag), die üblicherweise zur Unterstützung der allgemeinen Gesundheit und des kardiovaskulären Wohlbefindens eingesetzt wird. Pharmakologische Omega-3-Therapie (typischerweise 2–4 Gramm/Tag), die Personen mit erhöhten Triglyceridwerten oder einer nachgewiesenen Herz-Kreislauf-Erkrankung verschrieben wird. Die Autoren betonen, dass die Risikoprofile für Vorhofflimmern für jede Kategorie separat bewertet werden sollten, da ernährungsbezogene Dosierungen nicht dieselben klinischen Auswirkungen haben wie höhere pharmakologische Dosierungen. Interessenkonflikte Die Studienergebnisse sollten vor dem Hintergrund von möglichen Interessenkonflikten der Studienautoren betrachtet werden. Erstautorin Abuknesha gibt an, den „GOED Clinical Study Database Research Award“ (2023) erhalten zu haben, der die Teilnahme an Forschungsaktivitäten im Zusammenhang mit klinischen Studiendatenbanken zu Omega-3-RCTs unterstützte. Die aktuelle Analyse wurde von der Global Organization for EPA and DHA Omega-3s (GOED) in Auftrag gegeben, einer Interessenvertretung der Omega-3-Branche. Die GOED habe jedoch keinerlei Einfluss auf das Studiendesign, die Datenanalyse oder die Interpretation der Ergebnisse gehabt, heißt es in den Finanzierungsinformationen der Studie. Der Zweitautor Dr. James H. O’Keefe ist Chief Medical Officer bei CardioTabs, einem Unternehmen, das Omega-3-Produkte vertreibt. Studienleiter und FARI-Präsident Harris hält Anteile an OmegaQuant Analytics, LLC, einem Labor, das Blutfettsäuretests (einschließlich des Omega-3-Index) für Forscher, Ärzte und Verbraucher anbietet. Das FARI ist eigenen Angaben zufolge eine gemeinnützige Stiftung, die erfahrene Ernährungswissenschaftler und Biostatistiker zusammenbringt, um die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Fettsäuren – insbesondere Omega-3-Fettsäuren – und der Gesundheit voranzutreiben. (ah/BIERMANN)
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