Reduktion unnötiger Antibiotika-Behandlungen mit patientennaher Labordiagnostik31. August 2017 Symbolbild Antibiotika: © Zerbor – fotolia.com Der routinemäßige Einsatz einer molekularen patientennahen Labordiagnostik (point-of-care testing [POCT]), bei der auf Atemwegsviren getestet wird, könnte laut einer kürzlich veröffentlichten englischen Arbeit eine sinnvolle Maßnahme sein, um den Anteil derjenigen Patienten zu ermitteln, die aufgrund einer viralen Atemwegsinfektion ins Krankenhaus kommen und fälschlicherweise mit Antibiotika behandelt werden. Bei 362 von den 720 in eine aktuelle Untersuchung eingeschlossenen Patienten wurde eine POCT durchgeführt, 358 erhielten eine Standardversorgung. Wegen einer Verletzung des Studienprotokolls oder eines Abbruchs der Studie seitens der Patienten gingen 6 für die Analyse verloren. 301 (84 %) von 360 Patienten in der POCT-Gruppe erhielten Antibiotika, in der Kontrollgruppe waren es 294 (83 %) von 354 (Differenz 0,6 %; 95 %-Konfidenzintervall [KI] zwischen -4,9 und 6,0; p=0,84). In der Dauer der Antibiotikagabe unterschieden sich die beiden Gruppen nicht (7,2 Tage [Standardabweichung (SD) 5,1] in der POCT-Gruppe vs. 7,7 Tage (SD 4,9) in der Kontrollgruppe; Differenz -0,4; 95 %-KI zwischen -1,2 und 0,4; p=0,32). 50 (17 %) der 301 POCT-Patienten, die mit Antibiotika behandelt wurden, erhielten diese weniger als 48 Stunden lang, während dies in der Kontrollgruppe bei 26 (9 %) von 294 Patienten der Fall war (Differenz 7,8 %; 95 %-KI 2,5-13,1; p=0,0047; Number Needed to Test=13). Im Durchschnitt war der Krankenhausaufenthalt für die Patienten in der POCT-Gruppe kürzer (5,7 Tage [SD 6,3]) als für die in der Kontrollgruppe (6,8 Tage [7,7]; Differenz -1,1; 95 %-KI zwischen -2,2 und -0,3; p=0,0443). Patienten in der POCT-Gruppe mit einem positiven Test auf Influenza wurden häufiger in angemessener Art und Weise antiviral behandelt (52 [91 %] von 57 Patienten) als diejenigen in der Kontrollgruppe (24 [65 %] von 37; Differenz 26,4 %; 95 %-KI 9,6–43,2; p=0,0026; Number Needed to Test=4). Die Studienautoren fanden hinsichtlich unerwünschter Ereignisse keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen (POCT: 77 [21 %] vs. Kontrollen: 88 [25 %]; Differenz -3,5 %; 95 %-KI zwischen -9,7 und 2,7; p=0,29). Autoren: Brendish NJ et al. Korrespondenz: T. W. Clark, University of Southampton, Southampton, Großbritannien; [email protected] Studie: Routine molecular point-of-care testing for respiratory viruses in adults presenting to hospital with acute respiratory illness (ResPOC): a pragmatic, open-label, randomised controlled trial Quelle: Lancet Respir Med 2017;5(5):401–411. Web: www.thelancet.com/journals/lanres
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