Weniger Bildschirmzeit verbessert nicht automatisch die Sprachfähigkeit24. April 2026 Foto: © Nina2024/peopleimages.com – stock.adobe.com Kleinkinder, die mehr Zeit mit bildschirmgestützten Aktivitäten verbringen und weniger mit Erwachsenen sprechen, weisen laut einer aktuellen Studie schlechtere Sprachfähigkeiten auf. Die Ergebnisse unterstreichen, dass die tägliche Interaktion – und nicht allein die Begrenzung der Bildschirmzeit – eine entscheidende Rolle bei der frühen Sprachentwicklung spielen. Frühe Sprachfähigkeiten sind eng mit späterem schulischem Erfolg, sozialer Entwicklung und allgemeinem Wohlbefinden verbunden, was das alltägliche häusliche Umfeld zu einem entscheidenden Faktor für die langfristige Entwicklung macht. Allerdings zeigen Studien, dass die meisten Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren die allgemein empfohlene Grenze von einer Stunde Bildschirmzeit pro Tag überschreiten. Um die Zusammenhänge zwischen der Bildschirmnutzung von Kindern und Eltern, der Zeit, die in persönlichen Gesprächen zwischen Kind und Erwachsenem verbracht wurde, sowie den frühen Sprachfähigkeiten zu untersuchen, analysierten Psychologen der Universität Tartu (Estland) Daten von 448 Kindern im Alter von 30 bis 48 Monaten. Die Sprachfähigkeiten der Kinder bewerteten sie anhand eines standardisierten Elternfragebogens, der Wortschatz, Grammatik und die Komplexität der Kommunikation erfasste. Begrenzung der Bildschirmzeit allein genügt nicht Die Ergebnisse zeigten ein konsistentes Muster: Eine längere Bildschirmzeit war mit niedrigeren Sprachwerten verbunden, während ein intensiverer Gesprächskontakt zwischen Kind und Erwachsenem mit besseren Sprachleistungen einherging. Diese Zusammenhänge blieben auch dann signifikant, wenn beide Faktoren in dasselbe Modell einbezogen wurden. Der Hauptautor der Studie, Jaan Tulviste, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Entwicklungspsychologie, stellte fest, dass Bildschirmnutzung und persönliche Gespräche zwar miteinander verbundene, aber dennoch unterschiedliche Korrelate der frühen Sprachentwicklung darstellen. Um die Familiendynamik besser zu verstehen, identifizierten die Forscher drei typische Verhaltensprofile. In „bildschirmgesättigten, eher gesprächigen Familien“ nutzten sowohl Eltern als auch Kinder häufig Bildschirme, und die Kinder zeigten niedrigere Sprachwerte. In „bildschirmarmen, ruhigen Familien“ war die Bildschirmnutzung begrenzt, aber auch die Konversation war spärlich – und die Sprachleistungen waren nicht besser. Die deutlichsten Ergebnisse zeigten sich in „Familien mit elterlicher Bildschirmnutzung und vielen Gesprächen“, in denen Kinder häufige persönliche Gespräche erlebten, während die Bildschirmnutzung der Eltern moderat war. Dies deutet darauf hin, dass es möglicherweise nicht ausreicht, lediglich die Bildschirmzeit zu reduzieren. „Eine geringe Bildschirmnutzung allein war nicht mit besseren Sprachfähigkeiten verbunden, es sei denn, sie ging mit aktiven Gesprächen zwischen Kindern und Erwachsenen einher“, betonte Tulviste. Kinder profitieren von wechselseitigen Interaktionen Die Forscher weisen darauf hin, dass die Studie auf von Eltern gemeldeten Daten basiert und Zusammenhänge, nicht Kausalität erfasst. Das bedeutet, dass sie keinen kausalen Zusammenhang nachweisen kann. Es bleibt möglich, dass Kinder mit schwächeren Sprachfähigkeiten sich eher zu Bildschirmen hingezogen fühlen, anstatt dass die Bildschirmnutzung direkt zu schlechteren Ergebnissen führt. Dennoch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass es möglicherweise nicht ausreicht, sich ausschließlich auf die Reduzierung der Bildschirmzeit zu konzentrieren. Entscheidender scheint zu sein, ob die Bildschirmnutzung von Möglichkeiten für sinnvolle Interaktion begleitet oder durch diese ersetzt wird. Aktivitäten wie Sprechen, Lesen und gemeinsames Spielen liefern in der frühen Kindheit wichtige sprachliche Inputs. Wie Tulviste erklärte: „Kinder profitieren am meisten von einer anhaltenden, wechselseitigen Interaktion mit Erwachsenen.“ (ej/BIERMANN)
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