Reform der Psychotherapeutenausbildung: Entwurf gefährdet Patientensicherheit8. Januar 2019 Foto: © Gina Sanders – Fotolia.com Der Spitzenverband ZNS (SpiZ) lehnt den Referentenentwurf zur Reform der Psychotherapeutenausbildung mit Entschiedenheit ab. Der vorgelegte Entwurf ignoriere massiv die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte seit der Psychiatriereform in Deutschland, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes. Psychisch kranke Menschen würden mit diesem Gesetzentwurf in Bezug auf die Behandlungssicherheit schlechter gestellt als körperlich Erkrankte, kritisiert der SpiZ, zu dem sich die neurologischen, (kinder- und jugend-)psychiatrischen und nervenärztlichen Berufsverbände zusammengeschlossen haben. Mit dem Reformansatz würden keine Probleme gelöst, sondern neue geschaffen. Zu den Hauptkritikpunkten des Verbandes zählt, dass die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ keinen Schluss auf die Grundausbildung des Psychotherapeuten zulasse und damit unscharf sei. Das fragmentierte Versorgungssystem werde damit noch unüberschaubarer für Patienten. “Die Qualifikation ärztlicher Psychotherapeuten wird durch die neue Definition der Berufsbezeichnung im Gesetzentwurf implizit abgewertet, dabei stellt gerade die Qualifikation auch für körperliche Erkrankungen ein hohes Gut für die Qualität der Behandlung dar”, heißt es in der Mitteilung des Verbandes. Danaben stelle die Verordnung von Medikamenten von medizinisch nicht umfassend ausgebildeten Psychotherapeuten eine Gefahr für die Patienten dar. Ein Modellstudiengang Psychopharmakotherapie mit Befähigung zur Verordnung von Medikamenten könne die Kenntnisse, die ein Arzt von Beginn seines Medizinstudiums erlernt, nicht ausreichend vermitteln. Es reiche nicht, nur zu wissen, wie ein Psychopharmakon im Gehirn funktioniert, da es auch Auswirkungen auf andere Organe habe, die man kennen müsse, um Patienten nicht zu gefährden. “Wir können den Modellstudiengang deshalb nur in schärfstem Maße ablehnen und davor warnen”, erklärte der Spitzenverband. Einen möglichen Lösungsansatz sieht der SpiZ im Ausbau der Kooperation zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen. Bislang habe sich der Gesetzgeber trotz zahlreicher Gesprächsangebote jedoch nicht dazu bereitgefunden, die Neuregelung der Psychotherapeutenausbildung gemeinsam mit den beteiligten Berufsgruppen zu planen, bedauert der Verband. “Psychotherapie ist ein fundamentaler Kernbestandteil ärztlichen Selbstverständnisses, die praktische Ausbildung ist in medizinischen Einrichtungen angesiedelt. Mit dem Gesetzentwurf wird eine Planung ohne Beteiligung zentral Beteiligter versucht, weil es einfacher erscheinen mag, es nur mit einer Berufsgruppe zu planen. Wir sind in größter Sorge um die Versorgung psychisch kranker Menschen in Deutschland”, erklärten die im SpiZ vertretenen Berufsverbände.
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