Rekordhoch bei sexuell übertragbaren Erkrankungen in Europa – Was tun?27. Oktober 2023 Kondome haben nach wie vor herausragende Bedeutung beim Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Foto: pusteflower9024 – stock.adobe.com Mit 17 Millionen gemeldeten Fällen von sexuell übertragbaren Infektionserkrankungen wurde 2019 ein historischer Höchststand in der europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzeichnet. Vor diesem Hintergrund erarbeiteten internationale Experten einen umfassenden Überblick über die Situation und die Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit. Sexuell übertragbare Infektionserkrankungen (Sexually Transmitted Infections, STIs) so weit zurückzudrängen, dass die Gefahr für die Weltbevölkerung gebannt ist, gehört zu den Zielen der Vereinten Nationen in der „Agenda 2030“. Um dieses Vorhaben zumindest in der europäischen WHO-Region nach der COVID-19-Pandemie wieder ins Blickfeld zu rücken, nahmen sich Wissenschaftler des Themas in vier aktuell veröffentlichten Untersuchungen an. Analysiert wurden dabei unter anderem die Epidemiologie in Europa, laufende Präventionsstrategien in verschiedenen Ländern sowie der Zugang Betroffener zu modernen Behandlungsmethoden. Aktuelle Daten veranschaulichen den dringenden Handlungsbedarf: So stieg zum Beispiel in den Jahren zwischen 2010 und 2019 die Zahl der Syphilis-Fälle bei den 15- bis 49-Jährigen in Europa um 87 Prozent an. Im selben Zeitraum wurden fast doppelt so viele HIV-Diagnosen neu gestellt wie in den Jahrzehnten davor, sodass derzeit rund 1,5 Millionen Betroffene vermeldet werden. Alarmierend auch der europaweite Anstieg an Chlamydien und Gonorrhoe („Tripper“) sowie das Auftreten von Infektionen, die zuvor nicht mit primär sexueller Übertragung in Verbindung gebracht wurden (z. B. Hepatitis B oder Shigellose). Zunahme an Hochrisikoverhalten bei sexuellen Kontakten Als Ursachen für diese Entwicklung sehen die Wissenschaftler eine Zunahme an Hochrisikoverhalten bei sexuellen Kontakten, die insbesondere ungeschützten Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern umfassen. Das wird unter anderem durch die sehr effiziente präventive Strategie der HIV-Präexpositionsprophylaxe unterstützt, mit der zwar Ansteckungen mit HIV vermieden, aber durch den Verzicht auf Kondome die zunehmende Verbreitung anderer STIs verursacht werden können. So alarmierend die Zahlen sind, so begrenzt ist aufgrund länderspezifischer Bedingungen deren Aussagekraft. Entsprechend fordern die Experten, die Überwachungs- und Meldesysteme für STIs in den einzelnen europäischen WHO-Mitgliedsstaaten zu vereinheitlichen So könnten gesicherte Daten über die Größe und Zusammensetzung von Zielgruppen insbesondere für Präventionsmaßnahmen gewonnen werden. Dazu gehört, das Bewusstsein für die enorme Bedeutung von Kondomen als Schutz vor STI aufrechtzuerhalten. „Dringend benötigt werden auch Resistenzprofile bei bakteriellen STIs, um im Bedarfsfall rasch und zielgerichtet Antibiotika verabreichen zu können,“ betont kritisiert Georg Stary von der MedUni Wien, der gemeinsam mit seiner Kollegin Katja Knapp an der Artikelserie beteiligt war. (MedUniWien/ms)
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