RELAX-Studie: Innovative Kombinationstherapie bei AML vielversprechend

Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Leo Ruhnke (rechts) entwarf und betreute Prof. Christoph Röllig (links) die RELAX-Studie. Bild: © Christoph Röllig/Quelle: TU Dresden

Die neue deutschlandweite RELAX-Studie zeigt, dass eine intensive Chemotherapie plus Venetoclax bei Akuter Myeloischer Leukämie zu einer Remissionsrate von 75 Prozent führt − versus 40 Prozent in der historischen Kohorte.

„Wenn die Akute Myeloische Leukämie (AML) auf herkömmliche intensive Chemotherapie nicht mehr anspricht oder zurückkommt, sinken die Chancen auf eine längerfristige Heilung deutlich“, erläutert Prof. Christoph Röllig, Leiter der Bereiche Hämatologie und Klinische Studien der Medizinischen Klinik 1 am Universitätsklinikum Dresden und der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden (TUD).

Dann sei das Ziel, den Erkrankten eine potentiell heilende Stammzelltransplantation zu ermöglichen, so Röllig: „Allerdings kann es schwierig sein, die schnell wachsende AML bis dahin mit einer Chemotherapie wieder einzufangen.“ Mit herkömmlichen Behandlungen gelinge es nur bei etwa 40 Prozent der Betroffenen, die AML so weit zurückzudrängen, dass eine komplette Remission vorliegt.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Leo Ruhnke entwarf und betreute Röllig die RELAX-Studie – eine frühe Phase 1/2-Studie. Die Forschenden untersuchten, ob die Kombination aus der Standardtherapie mit Cytarabin und Mitoxantron (HAM) sowie dem BCL2-Hemmer Venetoclax die Erfolgsquote einer solchen Therapie verbessern kann. Im ersten Schritt erprobte das Forschungsteam um Röllig und Ruhnke die Verträglichkeit, in einem zweiten Schritt die Wirksamkeit der Kombination aus HAM und Venetoclax („HAM-Ven“).

Erfolgreiche Stammzelltransplantation bei den meisten Behandelten

„Mit der neuartigen HAM-Ven-Kombination erhöhten wir die bislang mit herkömmlicher Chemotherapie beobachteten Remissionsraten von 40 Prozent der Erkrankten mit rezidivierter AML auf 75 Prozent. Der überwiegende Teil der Behandelten konnte dadurch erfolgreich eine Stammzelltransplantation erhalten“, berichtet Ruhnke, hämatologischer Funktionsoberarzt und Erstautor der Publikation. Auch bei besonders hartnäckigen genetischen Formen der AML wirke die Therapie gut.

„Die aktuellen Ergebnisse weisen auf eine ermutigend gute Prognose für die in der Studie behandelten Erkrankten hin“, sagt Prof. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik I sowie Mitglied des Geschäftsführenden Direktoriums des Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden und Professor an der Medizinischen Fakultät. „Die RELAX-Studie zeigt, wie akademische klinische Forschung in Kooperation mit industriellen Partnern die Behandlung von Krebs maßgeblich verbessern kann.“

„Die neue Behandlung ist bereits bei den Betroffenen angekommen“, sagt Röllig. „Derzeit werten wir gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Münster die Ergebnisse von über 150 weiteren AML-Erkrankten aus, die nach dem Ende der Studienrekrutierung in Deutschland nach dem HAM-Ven-Schema behandelt worden sind. Die ersten Daten sind erfolgversprechend.“

Die in Dresden entwickelte neue Therapie hat damit gute Chancen, sich als neuer Behandlungsstandard bei einem AML-Rezidiv und auf dem Weg zu einer rettenden Stammzelltransplantation zu etablieren und damit die Heilungschancen zu erhöhen.

Über die Studie

Das Studienprojekt wurde unter Sponsorschaft der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und Mitwirkung des Koordinierungszentrums für Klinische Studien Dresden vom Bereich Klinische Studien der Medizinischen Klinik und Poliklinik I an der Hochschulmedizin Dresden konzipiert und im Rahmen der akademischen Studiengruppe Studienallianz Leukämie (SAL) multizentrisch in Deutschland umgesetzt.

Die SAL ist mit mehr als 50 teilnehmenden Zentren in Deutschland und Österreich eine der beiden großen deutschen AML-Studiengruppen und wird über ihre Studienzentrale in Dresden koordiniert. Die Firma AbbVie unterstützte das Projekt finanziell und stellte die Studienmedikation zur Verfügung. Partner waren die Hämatologischen Abteilungen der Universitätskliniken Münster, Kiel, Essen, Frankfurt am Main, Würzburg, Augsburg, Marburg, Nürnberg, des Robert-Bosch-Klinikums Stuttgart, Klinikums Chemnitz und Rot-Kreuz-Klinikums München.

Im Bereich der hämatologischen Erkrankungen gehört die Hochschulmedizin Dresden nach eigenen Angaben zu den international führenden Einrichtungen. Erst im vergangenen Jahr habe unter Dresdner Leitung eine neuer Therapieansatz für die Akute Promyelozytenleukämie (APL) erfolgreich etabliert werden können.