Remdesivir könnte nach Nierentransplantation langfristige Risiken durch COVID-19 senken19. August 2026 Bildquelle: DigitaArt.Creative/stock.adobe.com Eine frühe Behandlung mit dem antiviralen Wirkstoff Remdesivir war bei Erwachsenen mit Nierentransplantation und COVID-19 mit einem geringeren Risiko für Transplantatverlust und Herz-Kreislauf-Komplikationen im folgenden Jahr verbunden. Das zeigt eine große Beobachtungsstudie von Forschenden der Johns Hopkins Medicine. Erwachsene mit einer Nierentransplantation, die innerhalb einer Woche nach der COVID-19-Diagnose mit Remdesivir behandelt wurden und mindestens drei aufeinanderfolgende Tage lang das antivirale Medikament erhielten, hatten in den folgenden zwölf Monaten seltener schwerwiegende Nieren- oder Herz-Kreislauf-Komplikationen als Transplantierte ohne Remdesivir-Therapie. Die Ergebnisse der aktuellen Target-Trial-Emulation-Studie wurden in „JAMA Network Open“ veröffentlicht. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine rechtzeitige antivirale Behandlung bei dieser Patientengruppe über die akute Phase von COVID-19 hinaus von Nutzen sein könnte“, erklärt Dr. Nitipong Permpalung, Seniorautor der Studie und stellvertretender Direktor des Johns Hopkins Transplant Research Center. „Wir hoffen, dass diese Ergebnisse dazu beitragen, Vorbehalte gegenüber dem Einsatz von Remdesivir bei erwachsenen Nierentransplantierten abzubauen, wenn eine Behandlung klinisch angezeigt ist.“ Nierentransplantierte besonders gefährdete Patientengruppe Bei der Behandlung von COVID-19 nach einer Nierentransplantation müssen Ärzt:innen zahlreiche Faktoren berücksichtigen. Dazu gehören unter anderem die Immunfunktion und die Nierengesundheit, immunsuppressive Medikamente, mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, Nebenwirkungen der Behandlung sowie Zeitpunkt und Schweregrad der COVID-19-Erkrankung. Der kurzfristige Nutzen antiviraler Medikamente bei Patient:innen mit erhöhtem Risiko für schwere COVID-19-Verläufe ist bereits belegt. Die aktuelle Untersuchung gehört jedoch zu den bislang größten Studien, in denen auch langfristige Ergebnisse bei erwachsenen Nierentransplantierten untersucht wurden. Diese Patientengruppe ist in randomisierten klinischen Studien häufig unterrepräsentiert, weil aufgrund der zugrunde liegenden Erkrankungen und der notwendigen Immunsuppression besondere Risiken bestehen. Für die Analyse identifizierten die Forschenden erwachsene Nierentransplantierte, bei denen zwischen März 2020 und Januar 2024 COVID-19 diagnostiziert worden war und die an einem von fünf Krankenhäusern der Johns Hopkins Medicine im US-Bundesstaat Maryland behandelt wurden. Von insgesamt 432 Erwachsenen erhielten 177 (41 %) innerhalb einer Woche nach der COVID-19-Diagnose mindestens drei Tage lang Remdesivir. Alle Teilnehmenden wurden bis zu zwölf Monate lang nachbeobachtet. 47 Prozent geringeres Risiko für Transplantatverlust Als primärer Endpunkt wurde der Verlust des Nierentransplantats aus jeglicher Ursache definiert. Dazu zählten sowohl ein Versagen des Transplantats beziehungsweise der Verlust der Transplantatfunktion als auch der Tod unabhängig von der Ursache. Von den 432 untersuchten Erwachsenen erlitten 48 (11 %) einen Transplantatverlust. Bei 43 (10 %) trat eine Herz-Kreislauf-Komplikation auf (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herztod). Insgesamt 35 Patient:innen (8 %) starben. Bei 17 (4 %) wurde Long-COVID dokumentiert. Nachdem die Forschenden unter anderem Unterschiede beim Alter, bei bestehenden Erkrankungen, der Medikation, dem Schweregrad der COVID-19-Erkrankung, dem Zeitpunkt der Transplantation sowie COVID-19-Impfstatus und Zeitpunkt der Infektion berücksichtigt hatten, zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen einer frühen Remdesivir-Therapie und besseren langfristigen Ergebnissen. So war das Risiko für einen Transplantatverlust aus jeglicher Ursache bei diesen Patient:innen um 47 Prozent niedriger als bei denjenigen ohne Remdesivir-Therapie. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse war um 42 Prozent niedriger. Für die Gesamtsterblichkeit zeigte sich zwar ein Trend zu einem geringeren Risiko, jedoch kein statistisch signifikanter Zusammenhang. Die Aussagekraft der Analyse zu Long-COVID war aufgrund der geringen Zahl dokumentierter Fälle eingeschränkt. Viele mit zusätzlichen Risikofaktoren Die untersuchte Patientengruppe wies insgesamt zahlreiche Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe auf. Bei 88 Personen (20 %) war bereits bei der Diagnose eine zusätzliche Sauerstoffgabe erforderlich. Darüber hinaus lag bei 413 Teilnehmende (95 %) ein Bluthochdruck, be 199 (46 %) ein Diabetes und bei 63 (15 %) eine koronare Herzkrankheit vor. Bei etwa 109 Patient:innen (25 %) war die Nierentransplantation weniger als ein Jahr vor der COVID-19-Erkrankung erfolgt. Mehr als die Hälfte der Betroffenen (254; 59 %) setzte zum Zeitpunkt der COVID-19-Diagnose ein Immunsuppressivum ab. Die meisten Infektionen während Omikron-Welle 260 der Teilnehmenden (60 %) erkrankten an COVID-19, während die Omikron-Varianten des SARS-CoV-2-Virus vorherrschten. 145 Personen (34 %) infizierten sich während der Prä-Delta-Phase und weitere 27 Patient:innen (6 %) erkrankten während der Delta-Phase. Dabei war mehr als die Hälfte der Studienteilnehmenden gegen COVID-19 geimpft. 165 Personen (38 %) hatten mindestens drei Impfdosen erhalten, weitere 89 (21 %) ein bis zwei Dosen. „Mehrere biologisch plausible Mechanismen könnten die beobachteten Zusammenhänge erklären“, sagt Dr. Karan Srisurapanont, Erstautor der Studie. Eine frühzeitige Unterdrückung der Virusvermehrung könne demnach die systemische Entzündungsreaktion, Schädigungen des Endothels beziehungsweise der Blutgefäße sowie thrombotische Komplikationen reduzieren. Solche Prozesse könnten wiederum an der Entstehung von Herz- und Nierenschäden beteiligt sein. Die Ergebnisse liefern damit Hinweise darauf, dass eine frühzeitige antivirale Behandlung bei Nierentransplantierten mit COVID-19 möglicherweise nicht nur den akuten Krankheitsverlauf beeinflusst, sondern auch langfristige Komplikationen reduzieren könnte. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um diesen Zusammenhang zu bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen zu klären. (mkl/BIERMANN)
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