Richtlinie stellt Diagnostik und Behandlung von Männern mit Kinderwunsch sicher

Einer künstlichen Befruchtung außerhalb des Körpers durch Injektion eines Spermiums in eine Eizelle muss seit wenigen Monaten eine Untersuchung des Mannes durch Ärztinnen oder Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Andrologie“ vorausgehen. Darauf weist der Androloge Prof. Frank-Michael Köhn zum Beginn des 7. DVR-Kongresses hin.

Die Untersuchung umfasst neben der Anamnese und der körperlichen Untersuchung zwei Spermiogramme gemäß den aktuellen Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dadurch kann eine schwere männliche Störung der Fruchtbarkeit nachgewiesen werden.

Mit dieser Aktualisierung wird auf die Erkenntnis reagiert, dass Männer und Frauen zu gleichen Teilen betroffen sind, wenn ein Paar einen vergeblichen Kinderwunsch hat. Deshalb sollte in einem Kinderwunschzentrum nicht nur die Frau, sondern durch Zusammenarbeit mit einem Andrologen auch der Mann gleichermaßen betreut werden. Die Änderung wurde festgelegt in den „Richtlinien über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung“ des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die im Sommer in überarbeiteter Form in Kraft trat.

„Wir sind sehr froh über diesen Entschluss“, sagt Köhn, Facharzt für Dermatologie mit Zusatzbezeichnung Andrologie am Andrologicum München und einer der beiden Kongresspräsidenten des 7. Kongresses des Dachverbandes für Reproduktionsbiologie und -medizin (DVR). „Auf diese Weise ist es für das Paar völlig selbstverständlich, dass von Anfang an bei beiden die notwendige Diagnostik durchgeführt wird.“ Besonders wichtig ist das vor dem Hintergrund, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer in der Kinderwunschsprechstunde immer älter werden und auch immer häufiger begleitende Erkrankungen aufweisen, die die Zeugungsfähigkeit beinträchtigen können. 

Versorgungsengpässe sieht der Experte nicht: „Wir haben in Deutschland etwa 250 Kinderwunschzentren und 1.200 Andrologen.“

(DVR/ms)

Via
7. DVR-Kongress
Quelle
DVR
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