Risiko für Darmkrebs durch Übergewicht: Dauer ist entscheidend26. August 2022 © kamonwan – stock.adobe.com (Symbolbild) Wie wirkt sich Übergewicht auf das Risiko für Kolorektalkarzinome (KRK) aus? Bislang wurde immer nur eine Momentaufnahme als Grundlage der Berechnungen genommen. Nun haben Wissenschaftler um Prof. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg untersucht, wie Übergewicht über Jahre das KRK-Risiko beeinflusst. In einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie, die seit 2003 in Deutschland läuft, werden Größe und selbstberichtetes Gewicht in 10-Jahres-Schritten dokumentiert, beginnend im Alter von 20 Jahren bis zum aktuellen Alter. Aus dieser Studie zogen die Forschenden die entsprechenden Daten von 5635 Personen mit KRK und 4515 Kontrollpersonen. Den Body-Mass-Index (BMI) berechneten sie für jedes Altersjahr ab dem 20. Lebensjahr bis zum aktuellen Alter per linearer Interpolation. Der übermäßige BMI (eBMI) in jedem Lebensjahr wurde als „BMI-25“ bestimmt und altersübergreifend summiert, um die gewichtete Anzahl der Jahre mit Übergewicht oder Adipositas (WYOs) zu erhalten, bestimmt als Jahr × eBMI. Bei einem BMI <25 wurde der eBMI auf 0 gesetzt. Assoziationen mit dem KRK-Risiko schätzten die Wissenschaftler für den BMI in verschiedenen Altersstufen und für WYOs mit multipler logistischer Regression. Wie die Ergebnisse zeigen, lag das mittlere Alter der KRK-Patienten bei 68,4 ±10,9 Jahren (3366 Männer [59,7%]) und bei den Kontrollteilnehmern bei 68,5 ±10,6 Jahren (2759 Männer [61,1%]). Das Team stellte einen Zusammenhang zwischen WYOs und KRK-Risiko fest: Die adjustierten ORs stiegen von der 1. bis zur 4. Quartile der WYOs von 1,25 (95%-KI 1,09–1,44) auf 2,54 (95%-KI 2,24–2,89), verglichen mit Teilnehmern, die im normalen Gewichtsbereich blieben. Jede Zunahme um eine SD bei den WYOs war mit einem Anstieg des KRK-Risikos um 55% verbunden (adjustierte OR 1,55; 95%-KI 1,46–1,64). Diese OR war höher als die OR pro Zunahme des eBMI um eine Standardabweichung zu jedem einzelnen Zeitpunkt, die von 1,04 (95%-KI 0,93–1,16) bis 1,27 (95%-KI 1,16–1,39) reichten. Fazit Die Ergebnisse legen nahe, dass das kumulierte lebenslange Übergewicht eine größere Rolle für das Darmkrebsrisiko spielt als durch traditionelle Analysen, die auf BMI-Messungen zu einem einzelnen Zeitpunkt basieren, bislang geschätzt wurde. (sf) Autoren: Li X et al. Korrespondenz: Hermann Brenner; [email protected] Studie: Risk of Colorectal Cancer Associated With Lifetime Excess Weight Quelle: JAMA Oncol 2022;8(5):730–737. Web: https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2022.0064
Mehr erfahren zu: "Rettungsdienst-Kosten: NRW wirbt für umstrittene Lösung" Rettungsdienst-Kosten: NRW wirbt für umstrittene Lösung Seit Monaten streiten Kommunen und Krankenkassen um Kosten für den Rettungsdienst. Nun liegt eine Lösung auf dem Tisch, die den Kommunen überhaupt nicht passt. Das Land wirbt trotzdem um Zustimmung.
Mehr erfahren zu: "Universität Bielefeld untersucht Fußballfieber zur Weltmeisterschaft 2026" Universität Bielefeld untersucht Fußballfieber zur Weltmeisterschaft 2026 Die Fußballweltmeisterschaft lässt Fanherzen weltweit höher schlagen. Wie genau Fans verschiedener Nationalteams körperlich auf Spielereignisse reagieren, untersuchen Forschende der Universität Bielefeld.
Mehr erfahren zu: "Hautkrebsscreening in Deutschland: Kein Vorteil im Ländervergleich" Hautkrebsscreening in Deutschland: Kein Vorteil im Ländervergleich Der Nutzen eines bevölkerungsweiten Hautkrebsscreenings ist umstritten. Ein Forschungsteam aus Oldenburg und Lübeck hat nun Trends der Melanomsterblichkeit in Deutschland und den Nachbarländern verglichen.