Risikofaktoren für eine Postextubationspneumonie nach Allgemeinanästhesie11. Mai 2026 Symbolfoto: ©Alla/stock.adobe.com Schluckbeschwerden nach Extubation sind ein bekanntes Phänomen nach längerer mechanischer Beatmung, beispielsweise bei Intensivpatienten. Sie können aber auch nach kürzerer Intubation im Rahmen einer Allgemeinanästhesie auftreten – und eine Postextubationspneumonie auslösen. Nach einer Extubation kann es zu Schluckstörungen kommen, die das Risiko für Aspirationspneumonien erhöhen können. Diese sogenannte Postextubationspneumonie (PEP) unterscheidet sich mechanistisch von der ventilatorassoziierten Pneumonie (VAP), wird bislang jedoch oft nicht als eigenständiges Krankheitsbild wahrgenommen. Wie häufig es nach einer elektiven Operation tatsächlich zu einer PEP kommt und welche Risikofaktoren dafür prädisponieren, untersuchten nun japanische Forscher anhand einer monozentrischen Studie an der Universität Hiroshima. Besonderes Augenmerk sollte demnach auf ältere, männliche und Patienten mit niedrigem Body-Mass-Index (BMI <18,5 kg/m²) gelegt werden. Die Art der Operation beeinflusst das Risiko aber offenbar nicht. Das berichtet die Studiengruppe im Fachmagazin „Scientific Reports“. Alter, Geschlecht und niedriger BMI als Risikofaktoren Die Forschergruppe um Junko Hirayama und Masahiro Nakamori ermittelte die PEP-Inzidenz bei mehr als 31.000 Patienten, die sich an der Universität Hiroshima einer elektiven Operation unterzogen. PEP war definiert als Lungenentzündung nach Extubation, die eine Antibiotika-Therapie erforderlich machte. Bei der Auswertung der Daten aus den Jahren 2016 bis 2023 stellte das Team fest, dass 212 Patienten (0,67 %) eine PEP entwickelten, verglichen mit 27 Fällen von VAP. Ein Großteil der Fälle (80 %) trat innerhalb der ersten sieben Tage nach Extubation auf, 93 Prozent innerhalb der ersten zwei Wochen. Patienten, die eine PEP entwickelten, waren tendenziell älter als diejenigen, bei denen dies nicht der Fall war. Männer hatten ein um 65 Prozent höheres Risiko als Frauen, während Patienten mit einem niedrigen Body-Mass-Index (BMI < 18,5), Bewusstseinsstörungen und eingeschränkten Aktivitäten des täglichen Lebens ebenfalls einem signifikant höheren Risiko ausgesetzt waren. Der Raucherstatus beeinflusste das PEP-Risiko hingegen nicht. Die Wahrscheinlichkeit einer PEP war bei einer Vielzahl von Eingriffen erhöht – nicht nur bei Kopf- und Halsoperationen, sondern auch bei gastrointestinalen, respiratorischen, kardiovaskulären und orthopädischen Operationen. Nach Ansicht der Studienautoren ein Hinweis darauf, das PEP-Risiko bei allen Arten von Operationen zu berücksichtigen. Eigenständige Entität und mögliches Präventionspotenzial Erstautorin Hirayama und Kollegen meinen, dass PEP eine oft übersehene Erkrankung ist und eine eigenständige klinische Entität darstellt – analog zur VAP und nosokomialen Pneumonie. Sie bedürfe daher ähnlicher konzeptioneller Klarheit und gezielter Präventionsstrategien wie diese Krankheitsbilder. Um die Inzidenz zu senken, bringen die Forscher Dysphagie-Screenings und perioperative multidisziplinäre Interventionen ins Spiel. „Wir glauben, dass eine frühzeitige Beurteilung und Intervention mit Schwerpunkt auf der Schluckfunktion durch ein multidisziplinäres Team – bestehend aus Ärzten, Zahnärzten, Pflegekräften, Apothekern, Ernährungsberatern, Zahnhygienikern und Rehabilitationsfachkräften – für die Verbesserung der klinischen Ergebnisse unerlässlich ist“, betont Koautor Nakamori. (ah/BIERMANN)
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