Risikofaktoren für steatotische Lebererkrankung: Entwicklung schon pränatal und in der frühen Kindheit möglich12. Juni 2026 Die Abbildung zeigt die Fetteinlagerung in Leberzellen, wobei das Fett grün und die Zellgrenzen rot hervorgehoben sind. Dieses Modell der Leberfettansammlung wurde von der Heart Group unter der Leitung von Katriina Aalto-Setälä an der Universität Tampere entwickelt. Für die Erstellung des Modells verwendeten die Forschenden induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs), die so umprogrammiert werden können, dass sie verschiedene Zelltypen bilden. (Bildnachweis: Ilona Van Der Weij, CoEBoC, Universität Tampere) Frühe Anzeichen einer Stoffwechseldysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) können sowohl mit der Gesundheit der Mutter in der pränatalen Phase als auch mit der Ernährung und dem Stoffwechsel des Kindes zusammenhängen. Eine bevölkerungsrepräsentative Längsschnittstudie von Forschenden der Universität Tampere (Finnland) und der Universität Ostfinnland deutet darauf hin, dass die Ansammlung überschüssigen Fetts in der Leber nicht allein die Folge des Zusammenspiels von erblichen Faktoren und dem Lebensstil im Erwachsenenalter ist. Für ihre Untersuchung begleiteten die Wissenschaftler 488 finnische Kinder von der frühen Kindheit bis ins Jugendalter. Die Forschenden analysierten die Gesundheit der Mutter während der Schwangerschaft sowie Ernährung, Lebensstil, Körperzusammensetzung und Stoffwechsel der Kinder, um die Zusammenhänge zwischen pränatalen Faktoren sowie Lebensstilfaktoren und den Spiegeln der Alanin-Aminotransferase (ALT) – einem frühen Indikator für MASLD – zu untersuchen. „Eine unserer wichtigsten Erkenntnisse war, dass ein Bluthochdruck der Mutter vor der Schwangerschaft mit erhöhten ALT-Werten beim Kind in Verbindung stehen kann – und zwar sowohl in der Kindheit als auch im Jugendalter“, erläutert Hanna de Ruyter, Doktorandin an der Universität Tampere und Erstautorin der Studie. „Dies deutet darauf hin, dass die kardiometabolische Gesundheit der Mutter in der pränatalen Phase maßgeblich zur Entwicklung von MASLD bei den Nachkommen beitragen könnte. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um einen solchen Kausalzusammenhang eindeutig zu belegen.“ Die Studie ergab zudem, dass die Körperzusammensetzung des Kindes – insbesondere die viszerale Adipositas, was mit der aktuellen Hypothese übereinstimmt – bereits ab der frühen Kindheit mit erhöhten ALT-Werten assoziiert war. Zudem wurden eine kürzere Stilldauer und eine frühere Einführung von Beikost mit höheren ALT-Werten im Jugendalter in Verbindung gebracht. Hoher Anteil tierischer Lebensmittel in der Ernährung mit erhöhten ALT-Werten assoziiert Die Ergebnisse der aktuellen Forschungsarbeit unterstreichen zudem die Rolle von Ernährungsfaktoren bei der Entstehung der MASLD. Eine Ernährung, die reich an Proteinen, tierischen Lebensmitteln und Milchprodukten war, ging mit höheren ALT-Werten einher – insbesondere im späteren Kindes- und Jugendalter. Viel Obst, Gemüse und Beeren auf dem Speiseplan hingegen waren mit niedrigeren ALT-Werten verknüpft. Diese Ergebnisse wurden durch die in der Studie analysierten metabolischen Biomarker gestützt. Das Forschungsteam stellte keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen den ALT-Werten und der körperlichen Aktivität, der Fitness oder dem Schlaf der Kinder fest. Obwohl die meisten Kinder in der untersuchten Kohorte gesund waren und die MASLD-Prävalenz gering war, wurden bei etwa zwölf bis 15 Prozent von ihnen erhöhte ALT-Werte beobachtet. Dies halten die Studienautoren für bemerkenswert, da erhöhte ALT-Werte auf die spätere Entwicklung einer Lebererkrankung und eines metabolischen Syndroms hinweisen können. „Auch wenn diese Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind und in anderen Kohorten repliziert werden sollten, liefert die Studie wichtige neue Erkenntnisse über die Ursprünge von MASLD in der frühen Lebensphase“, betont Prof. Kalle Kurppa von der Universität Tampere. „Die Ergebnisse könnten langfristig zur Entwicklung präventiver Strategien beitragen, die Risikofaktoren bereits vor Ausbruch einer Lebererkrankung angehen.“ (ac)
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