Roboterassistierte Chirurgie während der Covid-19-Pandemie1. April 2020 Steuereinheit an einer Konsole des DaVinci-Operationsroboters. Foto: Schmitz Die Sektion Robotische Urologie der European Association of Urology (ERUS) rät angesichts der Bedrohung durch das neue Corona-Virus SARS-CoV2 in einer aktuell herausgegebenen Leitlinie zu besonderen Vorkehrungen bei der roboterassistierten Chirurgie. Hauptgrund für die empfohlenen Maßnahmen sei die Möglichkeit, dass asymptomatische, aber ansteckende SARS-CoV2-Träger das Virus während laparaskopischer oder roboterassistierter Eingriffe an das Operationsteam weitergeben könnte, so ERUS-Chairman Prof. Alex Mottrie und seine Co-Autoren Dr. Stefano Pulatti und Dr. Elio Mazzone. Die Autoren schränken ein, dass aufgrund der Dringlichkeit kein intensiver Review-Prozess wie sonst möglich war. Gleich ihr erster Ratschlag kann möglicherweise nur eingeschränkt gelten. Hier raten Mottrie und Kollegen nämlich, dass alle Patienten, mit oder ohne Symptome, einem präoperativen Screening, also einem Test auf das Corona-Virus, unterzogen werden sollen, bevor mit der minimalinvasiven Prozedur begonnen wird. In dem Uro-Tube-Webinar der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) vom 31.03.2020 (wir berichteten) lehnte DGU-Präsident Prof. Jens Rassweiler dies auf Nachfrage ab. Angesichts der knappen Ressourcen an SARS-CoV2-Tests wäre es auch kaum zu bewerkstelligen. Generell raten Mottrie und Kollegen dazu, elektive Eingriffe aufzuschieben, wenn kein Risiko für den Patienten besteht. Wenn es denn sein muss, dann sollte die Operationszeit so kurz wie möglich gehalten werden, indem ausschließlich erfahrene Urologen “außerhalb ihrer Lernkurve” sowie erfahrenes OP-Personal eingesetzt werden. Chirurgisches Training sollte während der Corona-Krise zeitweilig unterbleiben. Problem chirurgischer Rauch? Besonderes Augenmerk wird auf die Vermeidung von potenziell virenbelasteten Aerosolen gelegt. Zwar gebe es keine spezifischen Daten, dass SARS-CoV-2-Virionen in Aerosolen während der minimalinvasiven abdominellen Chirurgie vorhanden sein könnten, dennoch sollte laparoskopische oder roboterassistierte Chirurgie nur angewendet werden, wenn sie erforderlich sei, heißt es in dem Papier. Es sollte der niedrigst mögliche intraabdominelle Druck angelegt werden. Die Autoren raten zur Verwendung intelligenter integrierter Flow-Systeme, die selbstständig ein konstantes Pneumoperitoneum aufrecht erhalten können, und raten ab von Zwei-Weg-Pneumoperitoneum-Insufflatoren. ULPA-Filter (Ultra Low Penetrating Air) könnten gegen Viruspartikel abschirmen. Ungünstig könnten Ultraschall-Skalpelle oder Elektrokauter sein, denn diese erzeugen laut den Autoren große Mengen chirurgischen Rauchs. Ein integrierte aktive Rauchgasabsaugung sollte benutzt werden. Auch wenn eine Virusübertragung durch Fäzes und Urin unwahrscheinlich ist, raten die Autoren auch hier zur Vorsicht, sodass Darmmanipulationen minimiert und Ureterkatheterisierungen während der Prozeduren sehr vorsichtig durchgeführt werden sollten. Die Leitlinie soll regelmäßig aktualisiert werden. (ms)
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