DOC 2026 Robotik in der IVOM – Alternative oder Vision?20. Juni 2026 Vielleicht bald Realität: Die automatisierte IVOM.(Symbolbild)Bild:©phonlamaiphoto-stock.adobe.com Die automatisierte intravitreale Medikamenteneingabe (IVOM) könnte künftig eine reale Alternative darstellen. Prof. Stephan Michels (Zürich/Schweiz) sieht den größten Vorteil neben der Reduktion menschlicher Fehlerquellen vor allem in der Entlastung der behandelnden Ärzte. von Sandy Schulz Auf dem 38. internationalen Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie berichtete er über den aktuellen Stand der Entwicklung eines solchen Systems und erläuterte die möglichen Vorteile einer automatisierten Injektion. Herausforderungen der aktuellen IVOM-Versorgung Die derzeitige IVOM-Versorgung ist durch eine hohe Anzahl an Behandlungen geprägt und bedeutet für Ärzte und Praxispersonal einen hohen zeitlichen Aufwand wie Michels erläuterte. Die Vorbereitung und Durchführung der Injektionen binde erhebliche Ressourcen. Gleichzeitig steige aufgrund der vielen täglichen Injektionen das Risiko für Fehler beispielsweise durch Patienten- oder Seitenverwechslungen des zu behandelnden Auges sowie eine fehlerhafte Zuordnung des Medikaments. Zudem, so Michels, kann die aktuell angewandte recht großflächige Desinfektion zu Schmerzen beim Patienten führen, da die Augenoberfläche durch die Substanzen angegriffen wird. Hinzu kommt, dass die momentan sinkende Vergütung der IVOM den Kostendruck nach Meinung Michels steigert. Durch den demografischen Wandel sei außerdem mit einer weiteren Zunahme der Behandlungsfälle zu rechnen. Komponenten des automatisierten Injektionssystems In dem von Michels vorgestellten automatisierten System soll die Injektion im Sitzen erfolgen, wodurch eine zeitaufwendige Lagerung nicht mehr erforderlich ist. Mithilfe eines Iris-Scans sollen Patient und zu behandelndes Auge sicher identifiziert und Verwechslungen vermieden werden. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient, so erklärte Michels, wird über eine audiovisuelle Verbindung hergestellt. Weitere Komponenten seien eine lokal begrenzte Desinfektion mittels „Patch“, ein Barcode-Sytem zur Identifikation des richtigen Medikaments sowie ein Eye- und Nadeltracking, um eine präzise Injektion zu gewährleisten. Auch könnte die Behandlung in einem normalen Praxisraum erfolgen, der mithilfe eines Laminar-Flow-Systems analog zur OP-Umgebung ausgestattet ist. Dadurch könnten OP-Ressourcen eingespart werden. Zusätzlich soll eine integrierte Patientendokumentation den gesamten Prozess vervollständigen Wo steht das automatisierte Injektionssystem aktuell? Das System kann laut Michels das Auge erkennen, eine definierte Injektionsstelle genau ansteuern und eine bestimmte Medikamentenmenge applizieren. Zudem könne es Augenbewegungen verfolgen und dadurch präzise injizieren. Dabei ist das System laut Michels bis zu zwanzigmal schneller als die manuelle Durchführung. Als nächste Schritte stehen eine erste Anwendung am menschlichen Auge, die Fertigstellung des klinischen Prototyps sowie der Zertifizierungsprozess (CE/MDR) an, wie Michels erläuterte. Zudem seien klinischen Studien geplant. Michels Fazit: Das automatisierte IVOM-System könnte nicht nur die Qualität der Behandlung durch die Reduktion menschlicher Fehlerquellen verbessern, sondern auch zu einer Entlastung der Ärzte beitragen.
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