Rolle der DNA-Methylierung für die männliche Fruchtbarkeit aufgeklärt25. Juni 2024 Illustration von Spermien. Grafik: Christoph Burgstedt – stock.adobe.com Forschern aus Münster ist es gelungen, die Rolle der DNA-Methylierung in der Spermatogenese genomweit zu entschlüsseln. Die Deutsche Gesellschaft für Andrologie e.V. (DGA) würdigt den Forschungserfolg als Durchbruch in der Epigenetik der Reproduktion. Es handelt sich um die Studie „Genome-wide DNA methylation changes in human spermatogenesis“, die jüngst im „American Journal of Human Genetics“ veröffentlicht wurde (s. Link untern). Sie entstand im Rahmen der Klinischen Forschungsgruppe „Male Germ Cells“ am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) der Medizinischen Fakultät der Universität Münster, die seit 2017 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird und die Ursachen männlicher Unfruchtbarkeit untersucht. „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse dieser translationalen Studie sind von enormer Tragweite und nicht zuletzt von großer klinischer Relevanz, da sie auch auf eine bisher unbekannte Ursache männlicher Unfruchtbarkeit und damit perspektivisch auf einen möglichen neuen Therapieansatz hinweisen“, betont Dr. Jann-Frederik Cremers, Pressesprecher der DGA. Detaillierter Einblick in den “Fruchtbarkeitscode” Die Wissenschaftler um Dr. Sandra Laurentino und Prof. Nina Neuhaus analysierten den Prozess der Spermienproduktion im Hoden, bei dem bestimmte DNA-Muster korrekt etabliert sein müssen. Sie konnten herausfinden, welcher konkreten Anweisungen es für die beteiligten Gene bedarf, damit die Spermatogenese erfolgreich funktioniert. Um diesen Code zu identifizieren, legten die Forschenden ihren Fokus auf die DNA-Methylierung, welche die Aktivität von Genen während der Spermienproduktion reguliert. Die Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin in Münster ermöglichte es den Forschern erstmals, die spermienproduzierenden Zellen vom restlichen Hodengewebe zu trennen. Mithilfe innovativer Sequenzierungstechniken konnten sie dann den „Fruchtbarkeitscode“ entschlüsseln. „Die Studienerkenntnisse liefern einen detaillierten Einblick in die genomweiten Veränderungen der DNA-Methylierung während der menschlichen Spermatogenese“, resümiert Cremers. Damit habe Münster seinen Ruf als Leuchtturm der Reproduktionsforschung erneut unter Beweis gestellt, ergänzt die Forschungsbeauftragte der DGA, Dr. Corinna Friedrich. Licht ins Dunkel der Kryptozoospermie Darüber hinaus entdeckte die Forschungsgruppe, dass der Code bei Männern, die unter einer extrem geringen Spermienproduktion leiden (Kryptozoospermie), nicht richtig funktioniert. „Die Entdeckung dieser bislang unbekannten Ursache männlicher Infertilität könnte potenzielle neue translationale Therapieansätze für unsere Patienten bieten, die nun weiter erforscht werden und hoffentlich den Weg in die klinische Anwendung finden können“, sagt der DGA-Pressesprecher. Laurentino wird die Forschung der Arbeitsgruppe auf der 36. Jahrestagung der DGA vom 14. bis 16. November 2024 in Köln vorstellen. „Wir freuen uns auf einen spannenden Highlight-Vortrag zu dieser Studie“, sagt Kongresspräsident Dr. Alexander Sahi (Hürth) und lädt die Fachwelt sowie Medienschaffende herzlich zu der wichtigsten andrologischen Fachtagung des Jahres in die Domstadt ein. (DGA/ms)
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