Rollenspiele im Kleinkindalter fördern die spätere psychische Gesundheit22. April 2026 Foto: © nicoletaionescu – stock.adobe.com Kinder, die bereits im Kleinkindalter die Fähigkeit zum Rollenspiel zeigen, weisen laut einer neuen interdisziplinären Studie der Universität Sydney (Australien) in der Grundschule deutlich weniger emotionale Probleme und Verhaltensauffälligkeiten auf. Die im „Early Childhood Education Journal“ veröffentlichte Studie ergab, dass eine ausgeprägtere Fähigkeit zum Rollenspiel bei Zwei- und Dreijährigen mit weniger emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten im späteren Alter verbunden war. Die Ergebnisse blieben auch nach Berücksichtigung der sozioökonomischen Situation der Familien, der psychischen Gesundheit der Mütter, der Sprachfähigkeiten sowie der Sicherheit der Beziehung zu den Eltern bestehen. Unter der Leitung von Dr. Fontini Vasilopoulos vom Matilda Centre for Research in Mental Health and Substance Use analysierten die Forscher Daten von mehr als 1400 australischen Kindern, die an der „Longitudinal Study of Australian Children“ teilnahmen. Ihre Fähigkeit zum Rollenspiel wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren von Erziehern bewertet. Die psychische Gesundheit wurde anhand von Berichten der Eltern und Erzieher evaluiert, die eingereicht wurden, als die Teilnehmer zwischen vier und fünf Jahre alt waren, sowie erneut im Alter von sechs bis sieben Jahren. Rollenspiele für eine bessere psychische Gesundheit Beim Rollenspiel spielen Kinder imaginäre Situationen nach. Oft als reine Freizeitbeschäftigung angesehen, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass es für die Entwicklung der psychischen Gesundheit von Kindern eine wichtigere Rolle spielen könnte als bisher angenommen. „Wir haben festgestellt, dass Unterschiede in der Fähigkeit zum Rollenspiel in sehr frühem Alter mit Unterschieden in den psychischen Gesundheitsergebnissen mehrere Jahre später zusammenhingen“, erkärte Vasilopoulos. Psychische Probleme betreffen etwa jedes siebte australische Kind, doch Präventionsbemühungen konzentrieren sich tendenziell auf die spätere Kindheit oder das Jugendalter. Diese Studie lenkt die Aufmerksamkeit nun auf die frühesten Lebensjahre, in denen grundlegende Entwicklungsfähigkeiten rasch entstehen. Warum frühes Rollenspiel für Familien und Schulen wichtig ist Im Gegensatz zu früheren Studien basiere die Forschung auf einer großen, bevölkerungsbezogenen australischen Stichprobe, was ihre Relevanz für australische Familien, Pädagogen und politische Entscheidungsträger erhöhe, betonen die Autoren. Zudem kämen die Ergebnisse zu einer Zeit, in der fantasievolles Spielen zunehmend verdrängt werde. „Diese Ergebnisse sind heute besonders relevant, da viele Kinder mehr Zeit vor Bildschirmen verbringen, an stärker strukturierten Aktivitäten teilnehmen und weniger Gelegenheiten für freies, fantasievolles Spielen haben“, erklärte Vasilopoulos. „Rollenspiel wird leicht übersehen, spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern.“ Emotionale Regulierung erklärt den Zusammenhang nicht Die Forscher fanden heraus, dass emotionale Regulierung den Zusammenhang zwischen der Fähigkeit zum frühen Rollenspiel und der späteren psychischen Gesundheit nicht erklärt, was gängige Annahmen darüber infrage stellt, wie Spiel das Wohlbefinden fördert. „Emotionale Regulierung – die Fähigkeit, Emotionen zu steuern und auf sie zu reagieren – wird oft als Erklärung dafür herangezogen, wie frühes Spielen die spätere psychische Gesundheit beeinflusst, doch das ist nicht das, was wir festgestellt haben“, berichtete Vasilopoulos. „Als die emotionale Regulierung berücksichtigt wurde, hielt der Zusammenhang nicht stand, was darauf hindeutet, dass andere, weniger gut verstandene Entwicklungsprozesse eine Rolle spielen könnten.“ Die Forscher verweisen auf „verkörperte Kognition“ als mögliche Erklärung, die weitere Untersuchungen erfordere. Während des Rollenspiels aktivieren Kinder möglicherweise motorische Hirnregionen, von denen angenommen wird, dass sie eine Rolle bei Aufmerksamkeit und Angst spielen. Dieser mögliche Zusammenhang verdeutliche, wie wenig zu den Mechanismen bekannt ist, wie Rollenspiel die psychische Gesundheit beeinflusst, erklärten die Autoren. Tipps zur Förderung kindgeführter Rollenspiele Angesichts der Bedeutung kindgeführter Rollenspiele empfehlen die Forschenden Eltern, das Spiel um des Spielens willen entstehen zu lassen, anstatt es in einen Lehrmoment zu verwandeln. Wenn ein Kind beim Zählen oder Benennen von Dingen während des Spiels einen Fehler macht, ist es vorrangig, das Spiel weiterlaufen zu lassen, anstatt es zu unterbrechen, um es zu korrigieren. dem Kind bei der Teilnahme zu folgen, ähnlich wie bei einer Partie Tennis. Das Warten darauf, dass das Kind zuerst „aufschlägt“, trägt dazu bei, das Spiel kindgesteuert zu halten, obwohl sanfte Anstöße helfen können, wenn ein Kind unsicher ist, wie es beginnen soll. auf das Spiel der Kinder mit einfachen Beobachtungen oder offenen Kommentaren statt mit Anweisungen zu reagieren. Zu beschreiben, was im Spiel geschieht, oder laut zu überlegen, was als Nächstes passieren könnte, kann das Spiel bereichern, ohne es zu lenken. sich in das Spiel einzubringen, anstatt es vom Rand aus zu lenken. Erwachsene können Kinder fragen, welche Rolle sie gerne übernehmen möchten, oder vorschlagen, eine Figur mit wenig Einfluss zu spielen, wie zum Beispiel einen verwirrten Besucher oder einen vergesslichen Kunden. „Rollenspiel muss nicht kompliziert oder lehrreich sein“, betonte Vasilopoulos. „Diese Art der sanften, vom Kind geleiteten Einbindung kann ein praktischer Weg sein, um die Fähigkeiten zum Rollenspiel zu fördern, die unsere Forschung mit besseren psychischen Gesundheitsergebnissen im späteren Kindesalter in Verbindung bringt.“ (ej/BIERMANN)
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