S3-Leitlinie zu Alopecia areata: Klare Empfehlungen für Diagnostik und Therapie23. April 2026 Symbolbild: © KMPZZZ – stock.adobe.com Die neue Leitlinie zu Alopecia areata gibt Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie nach Altersgruppen und Schweregrad, um die bislang sehr heterogene und für die betroffenen Patienten nicht zufriedenstellende Versorgung zu verbessern. Die unter Federführung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) entstandene Leitlinie konzentriert sich auf die diagnostisch relevanten Untersuchungen und auf therapeutische Empfehlungen (topische und systemische Wirkstoffe). Besonders in den Blick genommen werden die psychosozialen Auswirkungen der Erkrankung. Aufgabe des Arztes ist es, von Behandlungsbeginn an neben den klaren diagnostischen und therapeutischen Empfehlungen die Betroffenen über psychologische Unterstützungsmöglichkeiten, Selbsthilfegruppen und kosmetische Angebote zu informieren. Die neue Leitlinie zum kreisrunden Haarausfall gibt Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie nach Altersgruppen und Schweregrad, um die bislang heterogene und für die betroffenen Patienten nicht zufriedenstellende Versorgung zu verbessern. Die Leitlinie konzentriert sich auf die diagnostisch relevanten Untersuchungen und auf therapeutische Empfehlungen (topische und systemische Wirkstoffe). Besonders in den Blick genommen werden die psychosozialen Auswirkungen der Erkrankung. Aufgabe des Arztes ist es, von Behandlungsbeginn an neben den klaren diagnostischen und therapeutischen Empfehlungen die Betroffenen über psychologische Unterstützungsmöglichkeiten, Selbsthilfegruppen und kosmetische Angebote zu informieren. Ursache nicht vollständig geklärt Alopecia areata betrifft in Deutschland etwa 170.000 Menschen. Die jährliche Neuerkrankungsrate beträgt etwa 70.000 Personen. Die Ursache ist noch nicht vollständig geklärt, aber Experten gehen davon aus, dass der Zusammenbruch des Immunprivilegs des Haarfollikels zusammen mit genetischen und äußeren Faktoren eine zentrale Rolle spielt. „In einigen wenigen Geweben und Organen im menschlichen Körper wie zum Beispiel dem Haarfollikel, ist zum Selbstschutz die Immunantwort herabgesetzt. Es ist also ein Privileg, dass das Immunsystem hier vermindert wirkt“, erklärt Prof. Ulrike Blume-Peytavi vom Klinischen Studienzentrum für Haut- und Haarforschung, Charité – Universitätsmedizin Berlin, die die S3-Leitlinie Alopecia areata koordinierte. Bei einem normalen Haarwachstumszyklus finden sich dort nur einzelne verstreute Immunzellen. Wenn dieses Haarfollikel-Immunprivileg zusammenbricht, kommt es zu krankhaften Veränderungen des Haarwachstums mit Unterbrechung der Wachstumsphasen und verfrühtem Ausfallen der Haare. Darstellung wirkungsloser sowie neuer Therapieoptionen Zur Behandlung der Alopecia areata standen lange nur die klassischen symptomorientierten Therapien zur Verfügung, vor allem topische Steroide, orale Immunsuppressiva oder auch topische Sensibilisierungstherapien. Neue Therapieansätze beruhen auf dem Einsatz von Januskinase(JAK)-Inhibitoren, die in das Immunsystem eingreifen. „Durch die evidenzbasierten und eindeutig formulierten Empfehlungen für oder gegen eine bestimmte Therapieoption gibt die Leitlinie den Behandelnden eine gute Orientierung“, sagt Blume-Peytavi. Ziel ist auch, die Rate an Patienten mit einer nicht indizierten oder nicht adäquaten systemischen, immunsuppressiven Therapie und somit auch die durch die Behandlung unerwünschten Nebenwirkungen zu verringern. Die Leitlinie geht daher auch auf Wirkstoffe ein, die sich in der Behandlung der Alopecia areata als wirkungslos herausgestellt haben. Mit einer leitliniengerechten Behandlung unter Berücksichtigung der 79 Empfehlungen und sechs Statements der neuen S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Alopecia areata bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“ kann sich die Zufriedenheit und Lebensqualität der Patienten erhöhen. Die Leitlinie richtet sich an Ärzte der Kinder- und Jugendmedizin, an Dermatologen, aber auch an Psychosomatiker und Patienten. „Denn Menschen mit Haarerkrankungen zeigen im Vergleich zu Gesunden ohne Hautkrankheit häufiger Angstzustände, eine niedergeschlagene und/oder depressive Stimmung und eine geringere Lebensqualität“, konstatiert Blume-Peytavi. Viele Patienten möchten den Behandlungserfolg unterstützen und sind daher an Hinweisen zu Nahrungsergänzungsmitteln interessiert. „Wir haben nur sehr schwache Hinweise auf unterstützende Vitalstoffe (Vitamin C, Eisen und Zink) gefunden. Es gibt keine identifizierte Evidenz und daher keine Empfehlung für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zur Behandlung der Alopecia areata“, so die Haar-Expertin. Vitamin A, Vitamin D, Biotin, Niacin, Selen, Curcumin und Capsaicin zeigen keine positive Wirkung. Psychosoziale Folgen von Anfang an berücksichtigen Die starke psychosoziale Belastung vieler Betroffener beruht auf der Sichtbarkeit der Alopecia areata und dem Erleben von Abwehr oder Misstrauen im sozialen Umfeld. Aber auch der unvorhersehbare klinische Verlauf und der aktuell noch bestehende Mangel an kurativen Therapien kommen als Belastungsfaktoren hinzu. „Die Krankheit ist in jedem Alter eine Herausforderung, aber Kinder und Jugendliche sind aus meiner Erfahrung besonders anfällig für psychische Belastung sowie Mobbing und soziale Isolation durch Gleichaltrige“, betont Blume-Peytavi. Die Expertengruppe empfiehlt, Patienten von Anfang an umfassend über psychosoziale Hilfs- und kosmetische Angebote zu informieren. „Unsere Aufgabe als Behandelnde ist es, das ganze Spektrum für Management und Krankheitsbewältigung in seiner Vielfalt aufzuzeigen. Das hilft bei der Krankheitsbewältigung und kann Ängste und Sorgen für mögliche Entwicklungen im Verlauf der Erkrankung reduzieren“, sagt Blume-Peytavi. In der Leitlinie sind diese Angebote in einer tabellarischen Übersicht kompakt zusammengefasst. Eine leitliniengerechte Behandlung des kreisrunden Haarausfalls kann dazu beitragen, eine Über- oder auch Fehlversorgung zu verringern und auf der Patientenseite möglicherweise auch psychosomatische Folgeerscheinungen reduzieren.
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