Schärfere Augen für die Computertomographie: Metastasen besser beurteilen8. Januar 2021 Aufnahme des Beckens einer Brustkrebspatientin mit Knochenmetastasen. Oben: Konventionelle CT-Aufnahme, unten: Photon-Counting CT © E. Wehrse/DKFZ Im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) erproben Ärzte derzeit ein neuartiges Verfahren der Computertomographie (CT): Für die Darstellung von Knochenmetastasen bei fortgeschrittenen Brustkrebs-Erkrankungen verglichen DKFZ-Radiologen nun das neue „photonenzählende“ CT mit der konventionellen CT-Bildgebung. Ihr Ergebnis: Mit der neuen Technik lassen sich deutlich feinere Strukturen darstellen, als es bisher möglich war. Eckhard Wehrse, Arzt im DKFZ und seine Kollegen haben derzeit die einmalige Gelegenheit, eine neue Methode der CT-Bildgebung zu prüfen und mit der konventionellen CT-Bildgebung vergleichen zu können: Das DKFZ verfügt als eine von weltweit nur 3 Institutionen über ein experimentelles photonenzählendes CT (Photon-Counting-CT, PC-CT), das mit einer neuartigen Detektor-Technologie arbeitet. Das Gerät wurde im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit Siemens im DKFZ installiert. In der aktuellen Studie wurden die PC-CT-Bilder von Knochenmetastasen bei Patientinnen mit fortgeschrittenen Brustkrebserkrankungen von mehreren Ärzten beurteilt und mit konventionellen CT-Aufnahmen verglichen. Die mithilfe der neuen Technik generierten Bilder wurden durchgehend als schärfer und detailreicher beurteilt. Insbesondere Veränderungen an sehr feinen Strukturen wie etwa den Trabekeln waren besser zu erkennen. „Durch sein neuartiges Detektorsystem hat das PC-CT deutlich schärfere Augen als die herkömmlichen Geräte. Daher können wir damit Bilder in höherer räumlicher Auflösung erzeugen, als es bisher möglich ist“, erläutert Prof. Heinz-Peter Schlemmer, Leiter der Radiologie im DKFZ, und ergänzt. „Oder wir können Bilder mit der gleichen Qualität generieren wie mit dem konventionellen CT – bei deutlich niedrigerer Strahlendosis.“ Das liegt an der höheren Empfindlichkeit und am günstigeren Signal-Rausch-Verhältnis der neuen Detektoren. So eröffnet die neue Technik in Zukunft auch aussichtsreiche Perspektiven für viele weitere Indikationen, wie etwa Screening-Untersuchungen oder Bildgebung bei Kindern. Bei der photonenzählenden CT erzeugen die auf dem Detektor auftreffenden Röntgenphotonen direkt ein elektrisches Signal. Bei den herkömmlichen CT-Detektoren dagegen werden sie zunächst in sichtbares Licht umgewandelt, das dann in einem weiteren Schritt in ein elektrisches Signal transformiert wird. Die neuen Detektoren sind daher in der Lage, die eintreffenden Photonen einzeln zu zählen und deren Energie zu quantifizieren. Bei den herkömmlichen Detektoren dagegen kann nur die Energiesumme vieler eintreffender Photonen ausgelesen werden. Das PT-CT ist derzeit noch nicht für die klinische Diagnose von Krebserkrankungen zugelassen, die aktuellen Studien finden als experimentelle Untersuchungen im streng kontrollierten Rahmen mit Voten des Bundesamtes für Strahlenschutz und der Ethikkommission statt. Das Verfahren wird derzeit zur Darstellung von Krebs, Herz-, Gefäß- und Lungenerkrankungen erprobt. Publikation: doi.org/10.1038/s41523-020-00207-3
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