Interdisziplinäre Schlafforschung wird fortgesetzt11. Juni 2024 Mittels Optogenetik können bestimmte Zellen im Gehirn mit Lichtimpulsen gesteuert und Schlaf-Wach-Rhythmen untersucht werden. (Foto: © Pascal Gugler für Insel Gruppe) An der Universität Bern ist in diesem Jahr ein groß angelegtes interdisziplinäres Forschungsprojekt zum Thema Schlaf zu Ende gegangen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse kommen der Bevölkerung durch diverse Angebote zugute und werden dank zahlreicher Fördergelder weiterverfolgt. Noch immer ist unklar, wieso wir ungefähr einen Drittel unseres Lebens mit Schlafen verbringen. Um die Funktion und Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus besser zu verstehen und Strategien für frühzeitige und personalisierte Therapien von schlafbezogenen Störungen zu entwickeln, wurde vor sechs Jahren an der Universität Bern, Schweiz, ein interdisziplinäres Forschungsprojekt lanciert – die Interfakultäre Forschungskooperation (IFK) „Decoding Sleep“. Seit diesem Jahr ist das Projekt abgeschlossen. Doch der Erkenntnisgewinn, den die Forschenden aus Medizin, Psychologie, Psychiatrie und Informatik gemeinsam in mehr als 100 wissenschaftlichen Publikationen und zwei Patenten erarbeitet haben, ermöglicht nun die Weiterführung der Forschung in zahlreichen Folgeprojekten, die mit insgesamt 13 Millionen Franken gefördert werden. Nicht zuletzt kommt dies auch der Bevölkerung zugute, etwa in Form von Beratungen im Swiss Sleep House Bern. Den Schlaf der Bevölkerung verbessern Im Rahmen der IFK „Decoding Sleep“ wurden neben den zahlreichen geknüpften Kontakten zwischen Forschenden verschiedener Disziplinen auch physische Strukturen geschaffen, die langfristig Bestand haben werden. Zu diesen zählt Fred Mast, Professor für Psychologie an der Universität Bern und Ko-Leiter des Forschungskonsortiums, einerseits neu entwickelte Forschungsgeräte, wie etwa das auf einer hydraulischen Plattform montierte Bett, das sich im Labor seiner Gruppe wie eine High-Tech-Wiege in alle Raumrichtungen hin und her bewegen kann. „Wir untersuchen damit, ob sich beruhigende Bewegungen auf die Schlafarchitektur auswirken – und vielleicht sogar den Tiefschlaf verlängern“, erklärt Mast. Mit Strukturen meint der Wissenschaftler aber auch neu geschaffene Organisationseinheiten und verweist etwa auf das Ende 2022 eröffnete „Swiss Sleep House Bern“, dessen Angebot sich an die gesamte Bevölkerung richtet. Denn Schlafprobleme sind in der westlichen Welt zu einer Art Volkskrankheit geworden. Sie gehen oft mit einem beträchtlichen Leidensdruck und mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten einher. „In der Schweiz leiden mehr als zwei Millionen Menschen an gestörtem Schlaf“, erklärt Bassetti. „Die allermeisten werden gar nicht oder nicht richtig behandelt. Wir wollen diese Personen besser erreichen.“ Das interdisziplinäre Team klärt vor Ort mit einem kostenlosen Schlaf-Check ab, wer von welcher Art von Schlafstörung betroffen ist und kann bei Bedarf eine passende Therapie einleiten. „Damit erzielen wir meist bessere Resultate als die von Ärztinnen und Ärzten zu häufig verschriebenen Schlafmittel“, berichtet Bassetti. Mit Künstlicher Intelligenz Schlaftabletten verbessern Doch auch mit weiterführenden Forschungsvorhaben möchten Mitglieder der IFK „Decoding Sleep“ die Schlafqualität verbessern. Etwa mit einem kürzlich vom Schweizerischen Nationalfonds mit 2,5 Millionen Franken unterstützen Forschungsprojekt, in dem eine Software entwickelt werden soll, die anhand der Aktivität von Hirnzellen im Schlaf vorhersagen kann, wie gut sich verschiedene Wirkstoffkandidaten als Schlaftabletten eignen. „Heutige Schlaftabletten erleichtern zwar das Einschlafen, haben aber viele Nebenwirkungen“, erklärt die am Projekt beteiligte Athina Tzovara, Professorin am Institut für Informatik und am Zentrum für Experimentelle Neurologie der Universität Bern und Ko-Leiterin der IFK „Decoding Sleep“. „Deshalb ist die Suche nach neuen Substanzen so wichtig“, fährt die Expertin für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz in den Neurowissenschaften fort. Das Projekt sei insofern ein typisches Resultat aus dem IFK, als es von den Synergien zwischen experimentell Forschenden und Fachpersonen aus den Computerwissenschaften profitiere.
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