Schmerzforscherin Rohini Kuner mit Jung-Preis für Medizin ausgezeichnet

Rohini Kuner, Professorin für Pharmakologie und Toxikologie der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. (Foto: ©David Ausserhofer/Universitätsklinikum Heidelberg)

Welche neuronalen Prozesse liegen der Schmerzchronifizierung zu Grunde? Und wie lassen sich aus dem Verständnis dieser neue therapeutische Ansätze entwickeln? Diesen Fragen widmet die Forschung von Prof. Rohini Kuner.

Kuner ist W3-Professorin für Pharmakologie und Toxikologie der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg sowie Geschäftsführende Direktorin des Pharmakologischen Instituts, das an der Medizinischen Fakultät Heidelberg angesiedelt ist. Die Heidelberger Schmerzforscherin wurde jüngst mit dem mit 300.000 Euro dotierten Jung-Preis für Medizin ausgezeichnet.

„Die Arbeit von Prof. Kuner steht exemplarisch für exzellente, international sichtbare Forschung an unserer Fakultät. Wir freuen uns sehr über diese verdiente Anerkennung einer Wissenschaftlerin, die ihr Forschungsfeld über viele Jahre entscheidend mitgeprägt hat“, sagt Prof. Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg.

Auch Kuner freut sich über die Auszeichnung, die für sie immer auch Teamleistung und das Ergebnis wissenschaftlicher Kooperation ist. „Chronische Schmerzen besser zu verstehen und zu beseitigen, bleibt eine der großen Herausforderungen der modernen Medizin.“

Bedeutung der neuronalen Plastizität bei der Entstehung chronischer Schmerzen

Kuner erforscht, wie sich das Nervensystem unter anhaltenden Reizen verändert und dadurch chronischer Schmerz entsteht. Im Zentrum steht die neuronale Plastizität – die Fähigkeit von Nervenzellen, sich strukturell und funktional anzupassen. Ihre Arbeiten zeigen, wie Schmerz im Körper gespeichert und verstärkt wird. Daraus ergeben sich neue Ansatzpunkte für Therapien, die gezielter und langfristig wirksam sind. Eben jene wegweisenden Entdeckungen zur neuronalen Plastizität und deren Bedeutung für das Verständnis des Schmerzempfindens würdigt die Jung-Stiftung mit dem Jung-Preis für Medizin.

Seit dessen Einrichtung im Jahr 2015 ist Rohini Sprecherin des Sonderforschungsbereichs „Von der Nozizeption zum chronischen Schmerz: Struktur-Funktions-Merkmale neuraler Bahnen und deren Reorganisation“ (SFB 1158). Ihre Arbeiten in der Schmerzforschung wurden bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft verliehenen Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis (wir berichteten) – der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland – sowie mit ERC Advanced Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) in den Jahren 2011 und 2024 (wir berichteten).

Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung mit Sitz in Hamburg ist eine unabhängige Stiftung, die mit drei jährlich vergebenen Preisen Projekte der Grundlagen- und weiterführenden Forschung von besonderer klinischer Relevanz ehrt. Der Jung-Preis für Medizin wurde im Jahr 1976, also vor genau 50 Jahren, erstmals verliehen.