Schmerzgedächtnis: Vorsicht ist besser als Nachsicht2. Mai 2022 Symbolbild: ©Superingo – stock.adobe.com Aua, das tat weh! Das Erleben von Schmerzen hinterlässt Spuren im Gedächtnis. In einer aktuellen Studie haben Forschende untersucht, ob Menschen schnellere und robustere Gedächtnisspuren für jene Reize bilden, die eine bevorstehende Verstärkung von Schmerz ankündigen als für solche, die eine Schmerzlinderung vorhersagen. In einer aufwändigen experimentellen Untersuchung an 36 gesunden Probanden wurde sowohl das Lernen als auch das Verlernen, die sogenannte Extinktion, von Reizen untersucht, die eine Schmerzlinderung oder eine Schmerzverstärkung ankündigen. Das Ergebnis: Die evolutionär sinnvolle und sprichwörtlich bekannte Strategie „Better safe than sorry“ oder auch „Vorsicht ist besser als Nachsicht“ hat sich bestätigt. Die Teilnehmenden zeigten ein verstärktes und schnelleres Lernen für die Reize, die eine Schmerzverstärkung ankündigten, verglichen mit den Hinweisreizen für eine bevorstehende Schmerzlinderung, wie das Forschungsteam der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und der Universitätsmedizin Essen herausfand. „Evolutionsbiologisch ist das durchaus sinnvoll, da diese Lernstrategie einen Schutzmechanismus vor schmerzvollen und potenziell gefährlichen Situationen darstellt“, erklärt Prof. Ulrike Bingel, Leiterin der universitären Schmerzmedizin an der Klinik für Neurologie. „Beim Verlernen dieser Zusammenhänge, also der Extinktion, traten hingegen kaum Unterschiede auf.“ Daraus schließt Bingels Team, dass beiden Lernprozessen – dem „Lernen“ und „Verlernen“ angenehmer und unangenehmer Zusammenhänge – unterschiedliche Mechanismen zugrundliegen. Die Ergebnisse der in „Communications Biology“ veröffentlichten Studie bieten neue Erklärungsansätze zur Chronifizierung und Aufrechterhaltung von Schmerzerkrankungen. Derzeit geht das Forschungsteam der Frage nach, wie sich diese Lernprozesse bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen verhalten und welche Hirnmechanismen hierbei eine Rolle spielen. Die Studie ist Teil des DFG-geförderten Sonderforschungsbereiches „Extinction Learning“, SFB1280.
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