Schmerzmittel im Sport – GOTS warnt vor Risiken bei Selbstmedikation22. Oktober 2020 © PooMtyKunG, AdobeStock Immer häufiger greifen Sportler zu schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten, konstatiert die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS). Zumeist nähmen Profi- und Freizeitsportler NSAR, um Beschwerden oder Schmerzen bei Muskeln und Gelenken zu lindern oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. “Doch gerade der „prophylaktische“ Gebrauch ist gefährlich, seine Verbreitung unter Nachwuchsathleten inzwischen besorgniserregend”, warnt die Fachgesellschaft. Während Erwachsene und Senioren oft wegen Beschwerden des muskuloskelettalen Apparates Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der NSAR wie zum Beispiel Ibuprofen einnehmen, ist die Motivation im Nachwuchssport die verbreitete Annahme, mit Schmerzmitteln einen unspezifischen „Belastungsschmerz“ in Wettkampfsituationen lindern bzw. vorbeugen zu können, erklärt die GOTS. In einer aktuellen, sportartenübergreifenden Studie unter Einbezug von 313 Nachwuchsathleten (NCAA College; Alter ca. 18-20 Jahre) gab jede vierte weibliche Athletin und jeder fünfte männliche Athlet an, zum Stichtag der Umfrage NSAR einzunehmen. Bei Umfragen auf Marathon-Veranstaltungen gab sogar die Hälfte der Freizeitsportler an, Schmerzmittel einzunehmen. Problematisch ist laut GOTS, dass viele Präparate zum Teil rezeptfrei im Handel erhältlich sind und durch die Einnahme mehrerer Tabletten eine rezeptpflichtige und damit wesentlich höhere Dosis erreicht werden kann. “Durch falsche Vorbildfunktion, fehlende Aufklärung und Gewohnheit kann eine gefährliche Selbstmedikation entstehen – und das in Unkenntnis über das erhebliche Nebenwirkungspotenzial”, warnt die Fachgesellschaft. Die erwünschten Wirkungen der NSAR beruhen auf der verminderten Synthese von Prostaglandinen. Je nach Stoffgruppe und Dosis werden den NSAR somit analgetische, antipyretische und antiphlogistische Eigenschaften zugesprochen. Aufgrund der vielfältigen Funktionen der NSAR greifen Prostaglandine in relevante Stoffwechselprozesse des gesamten Organismus ein. Unter sportlicher Belastung (erhöhte Herz-Kreislaufbelastung, Umverteilung des Blutvolumens zugunsten der Skelettmuskulatur) können die Auswirkungen sogar noch verstärkt werden. Bei intensiver körperlicher Belastung (z.B. Flüssigkeitsverlust mit Dehydrierung, Elektrolytverschiebungen) drohen bei NSAR-Gebrauch erhebliche gesundheitliche Risiken, betont die GOTS. Beispiele seien etwa Magen-Darm-Beschwerden bis hin zur Ulkus-Entstehung mit gastro-intestinaler Blutung, Erhöhung des Risikos arterieller thrombotischer Ereignisse (z.B. akuter Myokardinfarkt), Minderung der Nierenperfusion, Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen. Weiterhin könnten mit der Einnahme eine negative Beeinflussung des Knochenstoffwechsels mit der Gefahr von Stressfrakturen, oder eine schlechtere Sehnen- und Knochenheilung nach Überlastungen einhergehen. Aufklärung unzureichend “Eine wichtige Rolle für die Aufklärungsarbeit spielt das direkte Betreuungsumfeld der Sportler. Die begleitende Aufklärung des Trainerteams zu Schmerzmitteln/NSAR ist absolut wichtig”, so die GOTS. In der Praxis des Leistungssports habe es sich bewährt, vor der Einnahme jeglicher pharmakologischen Substanzen, Rücksprache mit dem betreuenden Sportarzt zu halten. Im Breitensport fehlten solche Ansprechpartner häufig ganz. „Beschwerden und Schmerzen während des Sports müssen professionell von medizinischer Seite abgeklärt und keinesfalls mit Medikamenten in Eigenregie therapiert werden. NSAR-Präparate weisen ein erhebliches Nebenwirkungs- und Gefahrenpotenzial auf“, warnt PD Dr. Thilo Hotfiel, Orthopäde, Unfallchirurg und Vorstand der GOTS. Grundsätzlich bekämpfe der Einsatz von Schmerzmitteln nicht die Ursachen der akuten oder überlastungsbedingten Beschwerden im Sport. Insbesondere die, je nach Sportart und Anforderungsprofil, überlastungsbedingten Verletzungen entstünden oftmals durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und der individuellen Belastungsfähigkeit. Die Anpassung und Steuerung der Trainingsbelastung und die individuelle Erfassung von Risikofaktoren seien die wichtigsten Eckpfeiler in der Prävention und Therapie, heißt es weiter. “Sind Medikamente während des Sports medizinisch notwendig, so sollten sie unter strenger Indikationsstellung, Abklärung des individuellen Risikoprofils und möglichst nur kurzfristig eingesetzt werden”, fordert die GOTS.
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