Schmerzversorgung: Kann Telemedizin eine Alternative zu physiotherapeutischen Angeboten vor Ort sein?7. Februar 2024 Symbolfoto: ©Oksana Klymenko/stock.adobe.com In den letzten Jahren ist die Zahl der digitalen Therapieanwendungen rasant gestiegen. Das bringt einige Vorteile wie erhöhte Flexibilität und Selbstwirksamkeit mit sich. Doch kann eine digitale Therapie tatsächlich den gewünschten Behandlungserfolg bringen? Rücken-, Knie- und Hüftschmerzen sowie Osteoarthrose und Fibromyalgie zählen zu den häufigsten Gründen für Arbeitsunfähigkeit und Einschränkungen im alltäglichen Leben. Über 100 Millionen Menschen in Europa leiden darunter. Häufig werden diese Schmerzen klassisch in Arzt- und Physiotherapiepraxen vor Ort behandelt. Ein Forschungsteam von der Hochschule für Gesundheit (HS Gesundheit) in Bochum um Svenja Kaczorowski, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin, und Prof. Daniel Belavy, Professor für Physiotherapie, ging der Frage auf den Grund, inwieweit Telemedizin eine Alternative zu klassischen physiotherapeutischen Angeboten bietet. Das Team untersuchte die Ergebnisse von 97 randomisiert kontrollierten Studien mit insgesamt 15.872 Teilnehmenden mit muskuloskelettalen Schmerzen. Die Ergebnisse zeigten, dass Telemedizin Schmerzen lindern und die körperliche Funktionsfähigkeit verbessern kann. „Jedoch muss sich die weitere Forschung vor allem mit der Frage beschäftigen, ob Telemedizin ähnlich effektiv ist wie qualitativ hochwertige Physiotherapie“, sagt Kaczorowski. „Bisher fokussierten sich die meisten Studien auf den Vergleich von Telemedizin mit keiner oder minimaler Intervention. Dieser Vergleich kann vor allem dann hilfreich sein, wenn zum Beispiel Wartezeiten bis zum Therapiebeginn effektiv überbrückt werden sollen.“ Weiterhin sollten nach Ansicht der Forschenden vor allem Videokonsultationen mehr in den Fokus der Forschung rücken, um die persönliche Komponente bei der digitalen Therapie nicht zu vernachlässigen. „Insgesamt sehen wir aber eine Tendenz, dass Telemedizin wirkungsvoll bei muskuloskelettalen Schmerzen ist und als zusätzliche Option zur Therapie vor Ort in Betracht gezogen werden kann“, fasst Kaczorowski die Ergebnisse der Studie zusammen. „Natürlich ist die Tauglichkeit von Telemedizin im Alltag der Menschen noch nicht zu Ende untersucht“, betont Belavy. „Wenn mich aber jemand aus dem Freundeskreis oder der Familie nach meiner Meinung fragen würde, würde ich empfehlen, die Telemedizin auszuprobieren: Sie kann effektiv helfen und man spart die Zeit für den Weg in die Praxis.“
Mehr erfahren zu: "Entzündungsschmerz: RAGE rückt als therapeutisches Ziel in den Fokus" Entzündungsschmerz: RAGE rückt als therapeutisches Ziel in den Fokus Entzündungen führen oft zu einer Hyperalgesie. Forschende der MedUni Wien machten nun anhand eines speziellen Experimentes auf der Haut gesunder Probanden den Rezeptor RAGE dafür verantwortlich.
Mehr erfahren zu: "Überraschende Entdeckung: Wärmesensor TRPM2 löst auch Schmerzen aus" Überraschende Entdeckung: Wärmesensor TRPM2 löst auch Schmerzen aus Wissenschaftler der University of Warwick (Vereinigtes Königreich) haben anhand von Experimenten mit Mäusen herausgefunden, dass der als Wärmesensor bekannte TRPM2-Kanal auch eine direkte Rolle bei der Auslösung chronischer Schmerzsignale spielt.
Mehr erfahren zu: "Friedensorganisation kritisiert zivil-militärische Großübungen" Friedensorganisation kritisiert zivil-militärische Großübungen Die Friedensorganisation für Gesundheitsberufe IPPNW kritisiert die geplante zivil-militärische Zusammenarbeit bei dem Kriegsmanöver „Red Storm Charlie“ in Hamburg, bei der auch Beschäftigte im Gesundheitswesen einbezogen sind.