Schnelle Blickbewegungen beeinflussen die Wahrnehmung von Geschwindigkeit19. März 2018 Wie nimmt der Mensch die Geschwindigkeit bewegter Objekte wahr? Foto: © Maurice Tricatelle – Fotolia.com Bewegungen der Augen beeinflussen die Art und Weise, wie der Mensch die Geschwindigkeit bewegter Objekte wahrnimmt. Das hat kürzlich ein Team von Wahrnehmungspsychologinnen und -psychologen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Philipps-Universität Marburg (UMR) entdeckt. Um ein Objekt scharf zu sehen, muss der Mensch seine Augen so ausrichten, dass das Abbild des Objektes auf die Fovea centralis, eine nur 1,5 Millimeter große Region der Netzhaut, projiziert wird. Bevor das Auge einem beweglichen Objekt folgen kann, muss die Fovea auf das Ziel gerichtet werden. Dabei gibt es zwei verschiedene willkürliche Augenbewegungen: Das eine sind sehr schnelle Blicksprünge von einem Punkt zum nächsten, sogenannte „Sakkaden“ – wie etwa beim Lesen eines Textes. Zum anderen gibt es Augenfolgebewegungen („Pursuit“), bei denen die Augen kontinuierlich bewegt werden, um dynamischen Objekten zu folgen. Fährt beispielsweise ein Bus vorbei, kann der Mensch die Augenbewegung an die Geschwindigkeit des Busses anpassen und so problemlos auf der Anzeige lesen, wohin dieser fährt. Wenn der Abstand zwischen Fovea und dem Blickziel zu groß oder dessen Geschwindigkeit zu hoch ist, ist das Pursuit-System auf die Unterstützung durch das Sakkaden-System angewiesen. Da Sakkaden und Pursuit sehr unterschiedliche Augenbewegungen sind und ihre Programmierung auch neurologisch gesehen zumindest teilweise unterschiedlich verläuft, ist über ihre Interaktionen und deren Auswirkungen auf die visuelle Wahrnehmung noch relativ wenig bekannt. Sakkaden und Geschwindigkeitswahrnehmung Auch wenn der Mensch seine Augenbewegungen im Alltag kaum wahrnimmt, nutzt das Gehirn viele Informationen, die nur durch die Ausführung von Augenbewegungen zugänglich werden. Das Forscherteam aus Marburg und Gießen wollte wissen, welchen Einfluss Sakkaden auf die Geschwindigkeitswahrnehmung haben. Dazu wählten die Psychologen Versuchsbedingungen, bei denen der gleiche physikalische Reiz entweder nur mit Pursuit verfolgt wurde oder mit einer Kombination von Pursuit und Sakkaden. In der Untersuchung hatten Versuchspersonen die Aufgabe, einem sich horizontal bewegenden Punkt mit ihren Augen so genau wie möglich zu folgen und anschließend dessen Geschwindigkeit einzuschätzen. Dies ist keine triviale Aufgabe, da die Geschwindigkeit des Abbildes auf der Netzhaut durch die Bewegung der Augen verändert wird. Das Gehirn löst dieses Problem dadurch, dass es die Signale, welche für die Blicksteuerung verwendet werden, mit den visuellen Signalen der Netzhaut kombiniert. Dadurch ist es möglich, Bewegungen in der realen Welt von Bewegungen, die der Mensch selbst ausführt, zu unterscheiden. Überraschenderweise zeigten die Untersuchungsergebnisse, dass das Auftreten und die Richtung der Sakkaden einen systematischen Effekt auf die wahrgenommene Geschwindigkeit des Zielobjektes hatten. Wenn Versuchspersonen eine Sakkade in Pursuit-Richtung ausführten, um mit den Augen das Objekt einzuholen, wurde dessen Geschwindigkeit höher geschätzt. Führten die Versuchspersonen einen Blicksprung in die Gegenrichtung aus, wurde die Geschwindigkeit des Reizes als langsamer beurteilt. Führten die Versuchspersonen bei den gleichen Bedingungen nur Pursuit-Bewegungen aus, entsprach die Geschwindigkeitseinschätzung in etwa der tatsächlichen Reizgeschwindigkeit. Publikation: Alexander Goettker, Doris I. Braun, Alexander C. Schütz and Karl R. Gegenfurtner: „Execution of saccadic eye movements affects speed perception”, PNAS 2018; published February 13, 2018. https://doi.org/10.1073/pnas.1704799115 Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen
Mehr erfahren zu: "Susanna-Glaukom-Drainagesystem zeigt sich langfristig wirksam und sicher" Weiterlesen nach Anmeldung Susanna-Glaukom-Drainagesystem zeigt sich langfristig wirksam und sicher Eine Studie aus Brasilien hat ergeben, dass das Susanna-Glaukom-Drainagesystem zu einer anhaltenden Senkung des Augeninnendrucks (IOD) und einer Reduzierung der Medikamentendosis über einen Zeitraum von fünf Jahren führen kann.
Mehr erfahren zu: "Offenwinkelglaukom: PSLT erzielt vergleichbare Drucksenkung wie Travoprost-Augentropfen" Weiterlesen nach Anmeldung Offenwinkelglaukom: PSLT erzielt vergleichbare Drucksenkung wie Travoprost-Augentropfen Forschende aus Brasilien haben gezeigt, dass die Behandlung von okulärer Hypertonie und Offenwinkelglaukom mit der Pascal-Selektive-Laser-Trabekuloplastik (PSLT) der mit Travoprost-Augentropfen nicht unterlegen ist.
Mehr erfahren zu: "POAG: Erhöhte Serumharnsäurespiegel mit gesteigertem Erkrankungsrisiko assoziiert" Weiterlesen nach Anmeldung POAG: Erhöhte Serumharnsäurespiegel mit gesteigertem Erkrankungsrisiko assoziiert Eine aktuelle Arbeit aus China zeigt einen Zusammenhang zwischen erhöhten Serumharnsäurewerten und einem erhöhten Risiko für ein primäres Offenwinkelglaukom (POAG).