Schütteltrauma bei Säuglingen verhindern14. Juni 2023 Verleihung des Kroschke Forschungspreises durch Dr. Bernd Herrmann, 1. Vorsitzender der DGKiM an Dr. Oliver Berthold, Kinderschutzmediziner aus Berlin, gemeinsam mit Anja Wenk, Geschäftsführerin der Kroschke Kinderstiftung am 13. Mai 2023 in Köln. (Foto: Frauke Schwier/Kroschke Kinderstiftung) Der Kinderarzt und Kinderschutzmediziner Dr. Oliver Berthold aus Berlin ist mit dem mit 7500 Euro dotierten „Kroschke Forschungspreis für Kinderschutz in der Medizin“ der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin (DGKiM) ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurde er für seine Dissertation „Wahrnehmung und Prävention des misshandlungsbedingten Kopftraumas“. Der hohe Praxisbezug der Arbeit, die es erlaubt, zielgruppengerechte Primärpräventionsprogramme zur Vermeidung von misshandlungsbedingten Kopftraumata zu entwickeln und so die Schutzwirkung der Präventionsprogramme zu verbessern, überzeugte die Fachjury. Der Preis wurde erstmals vergeben und von der Kroschke Kinderstiftung für die Jahre 2023 bis 2025 gestiftet. Essenz der Forschungsarbeit ist die Entwicklung eines modellhaften, maßgeschneiderten Primärpräventionsprogramms für exakt definierte Zielgruppen zur Vermeidung misshandlungsbedingter Kopfverletzungen, insbesondere des Schütteltraumas bei Säuglingen. Basis war eine systematische Literaturrecherche zur Effektivität bestehender Primärpräventionsprogramme hinsichtlich der Senkung der Inzidenz. In einer eigenen Studie untersuchte Berthold anhand einer für die deutsche Bevölkerung repräsentativen Stichprobe die Parameter erfolgreicher Programme. Das Wissen um das Schütteltrauma, die Kernaussagen der Primärprävention und die Haltung zu hilfreichen und schädlichen Methoden der Säuglingspflege wurden von Berthold untersucht. Ziel der Arbeit war die Identifikation spezifischer Risikogruppen, die von maßgeschneiderten Präventionsprogrammen profitieren können. Auf der Basis der erhobenen Daten entwickelte Berthold ein Modellprogramm, welches das von ihm gewonnene Wissen über die Zielgruppen berücksichtigt und somit einen Beitrag zur Prävention des Schütteltraumas leisten kann. „Es gibt schon eine Reihe unterschiedliche Ansätze. Aber wir wollten Wege finden, wie wir vor allem die Zielgruppe der jungen Männer erreichen und für das Thema sensibilisieren können. Denn in rund 60 Prozent der Fälle wird das Schütteltrauma bei Säuglingen von Männern verursacht. Wir erreichen sie mit unserer Aufklärung auf der Wöchnerinnen-Station sehr viel seltener als die Mütter“ , erklärt der erfahrene Mediziner. Weiterer Risikofaktor: ein junges Alter. „Deswegen schlagen wir zwei sich ergänzende Maßnahmen vor: zum einen die gezielte Ansprache jüngerer Männer in den Abschlussklassen der Schulen; zum anderen die Kooperation mit erfolgreichen Influencern, um die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sind: in den sozialen Netzwerken.“ „Mit dem diesjährigen Preisträger, Dr. Oliver Berthold, honorieren wir insbesondere einen innovativen und präventiven Ansatz, der in Zukunft helfen könnte, schwere Misshandlungen des Gehirns zu verhüten. Wir sind sehr dankbar, dass uns die Kroschke Stiftung ermöglicht, einen attraktiven Forschungspreis auszuloben. Besonders erfreulich ist die hohe Zahl und Qualität der eingereichten Arbeiten“, sagte Dr. Bernd Herrmann, 1. Vorsitzender der DGKiM und Leiter der Kinderschutzambulanz im Klinikum Kassel. „Seit fast 20 Jahren ist Kinderschutz zentrales Anliegen unserer Stiftungsarbeit. Dabei liegen uns vor allem die Prävention und die frühen Hilfen am Herzen, um den Kindern einen bestmöglichen Start ins Leben zu geben. Mit dem Forschungspreis wollen wir diesem komplexen Thema zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen“, erklärte Nadine Weber-Kroschke das Engagement der Kinderstiftung. „Gleichzeitig wollen wir die wissenschaftliche Basis stärken, um Kinder besser zu schützen.“ Kinderschutz in der Medizin ist nicht einer einzelnen Berufsgruppe zuzuordnen und hat sich in der letzten Dekade als neues, komplexes, herausforderndes und über die Pädiatrie interdisziplinär hinausgehendes Fachgebiet etabliert. Strukturelle Veränderungen in Lehre, Weiterbildung, Forschung und auch im Versorgungsauftrag für das Gesundheitswesen sollen dazu beitragen, die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.
Mehr erfahren zu: "Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet" Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet Verhaltensauffälligkeiten nehmen auch im Schulalltag zu. Nach langer Planung startet in Sachsen nun ein Projekt, das Lehrkräfte sowie Schulleitungen entlasten soll.
Mehr erfahren zu: "Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken" Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken Auch mehrere Jahre nach Ende der Corona-Pandemie prägt diese Zeit noch Tausende Teenager in Baden-Württemberg in Form psychischer Erkrankungen.
Mehr erfahren zu: "Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen" Chirurgieverband zu den Hybrid-DRG-Neuerungen: Ambulantisierung kann so nicht gelingen Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) befürchtet, dass mit der jetzigen Ausgestaltung der Hybrid(H)-DRGs das angestrebte Ziel der Ambulantisierung nicht erreicht werden kann. Er fordert daher eine sachgerechte Refinanzierung vor […]