Schutz bei Autoimmunerkrankungen der Niere30. März 2022 Autor*innen der Publikation: (v.l.) Dr. Eva Baier, Dr. Désirée Tampe, Priv.-Doz. Dr. Björn Tampe (alle Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, UMG), Dr. Samy Hakroush, Ingmar Alexander Kluge (beide Institut für Pathologie, UMG). Foto: Björn Tampe Forschende der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie sowie dem Institut für Pathologie der Universitätsmedizin Göttingen zeigen: Ein Schlüsselmolekül zur Behandlung von fortschreitenden Nierenerkrankungen ist auch bei Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Niere vorhanden. Veröffentlichung in „Annals of the Rheumatic Diseases“. Seit Jahren haben sich keine neuen Behandlungsoptionen als sicher und wirksam erwiesen, um das Fortschreiten einer Nierenerkrankung zu verlangsamen. Ein großer Fortschritt waren zuletzt Erkenntnisse über die sogenannten SGLT-2-Hemmer. SGLT-2-Hemmer sind vor allem aus der Diabetestherapie bekannt. Sie hemmen den Natrium-Glucose-Cotransporter-2 (SGLT-2). Dadurch wird die Rückresorption des Zuckers in den Nierentubuli unterbunden und der Zucker mit dem Urin ausgeschieden. Mit dieser neuen Substanzklasse lässt sich aber auch das Fortschreiten der chronischen Nierenerkrankung bei allen Patientinnen und Patienten verlangsamen. Der Nierentransporter SGLT-2 stellt hierbei ein Schlüsselmolekül dar, wurde aber bislang nur in der Niere bei Diabetes beschrieben. Über SGLT-2 bzw. den möglichen Einsatz von SGLT-2-Hemmern bei Autoimmunerkrankungen der Niere ist dagegen bislang nur wenig bekannt.Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben nun erstmalig eine vergleichende Analyse von SGLT-2 in Autoimmunerkrankungen der Niere durchgeführt. Dabei fanden sie heraus, dass der Nierentransporter SGLT-2 auch bei Autoimmunerkrankungen der Niere vorhanden ist. Dies bedeutet, dass SGLT-2-Hemmer bei dieser Erkrankungsgruppe ähnlich schützende Effekte auf-weisen könnte. Die Ergebnisse wurden am 25. Februar 2022 in der Online-Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift „Annals of the Rheumatic Diseases“ veröffentlicht.Forschungsergebnisse im Detail Die Untersuchungen der Göttinger Forscherinnen und Forscher zeigen, dass der Nierentransporter SGLT-2 in Nieren von Patientinnen und Patienten mit einer Gefäßentzündung (Vaskulitis) und mit systemischem Lupus erythematodes nachweisbar ist. Hierzu wurden Expressionsdaten aus Nieren verwendet, um diese unter verschiedenen Nierenerkrankungen zu vergleichen. So konnte erstmals gezeigt werden, dass SGLT-2 bei Autoimmunerkrankungen der Niere gleichermaßen vorhanden ist. Zudem gelang es, mögliche Signalwege der schützenden Wirkung von SGLT-2-Hemmern in der Niere nachzuweisen. Interessant ist dabei, dass ein früher Einsatz von SGLT-2-Hemmern besonders schützend sein könnte.„Damit verbessert sich das aktuelle Verständnis für diese Erkrankungsgruppe der Niere. Die neuen Erkenntnisse könnten für den Einsatz der SGLT-2-Hemmer bei Autoimmunerkrankungen der Niere sprechen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Björn Tampe, Letztautor der Studie und Oberarzt in der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der UMG. Für betroffene Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Niere, beispielsweise einer Vaskulitis oder dem systemischen Lupus erythematodes, könnte damit eine schützende Therapie gegen das Fortschreiten dieser Nierenerkrankungen zur Verfügung stehen. „Zudem haben wir erste neue Erkenntnisse gewonnen, welche molekularen Signalwege über den Nierentransporter SGLT-2 reguliert werden“, sagt Dr. Samy Hakroush, Erstautor der Studie und Oberarzt im Institut für Pathologie der UMG.Aktuell verfolgen die Wissenschaftlerinnen und und Wissenschaftler weitere Studien, um die Bedeutung von SGLT-2 und den Einsatz von SGLT-2-Inhibitoren bei Autoimmunerkrankungen der Niere zu erforschen.
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