Schwangerschaft: Stress verändert neuronales Gleichgewicht bei der Gehirnentwicklung19. Februar 2025 Ein Gehirnorganoid, das synthetischen Glukokortikoiden ausgesetzt wurde. Viele hemmende Neuronen (in Grün) sind sichtbar. Copyright: MPI für Psychiatrie Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie haben untersucht, wie sich Glukokortikoide auf die frühen Phasen der Gehirnentwicklung auswirken. Sie fanden ein verändertes Gleichgewicht von Neuronen-Typen. Glukokortikoide sind Teil der Stressreaktion des Körpers und wichtig für die Entwicklung des Embryos während der Schwangerschaft. Droht eine Frühgeburt, werden daher häufig synthetische Glukokortikoide verschrieben, um die Lungenentwicklung des Embryos zu fördern. 2020 waren zehn Prozent aller Geburten weltweit (oder 13 Millionen Neugeborene) Frühgeburten. Glukokortikoide sind demnach ein weit verbreitetes Medikament. In einer jüngst veröffentlichten Studie untersuchten Leander Dony und seine Kollegen vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie, geleitet von Elisabeth Binder, die Wirkung synthetischer Glukokortikoide auf die Gehirnentwicklung. Durchgeführt wurde die Studie zusammen mit Forschenden am Karolinska Institutet in Stockholm und dem Helmholtz Zentrum München, jeweils geleitet von Cristiana Cruceanu und Fabian Theis. Die in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlichten Studienergebnisse zeigen laut den Autoren, dass das Gehirn in seiner Entwicklungsphase anfälliger für äußere Einflüsse ist als bisher angenommen. Veränderte Verteilung von Neuronen In ihrer Arbeit nutzten die Forschenden Gehirnorganoide. Das sind Modelle des sich entwickelnden Gehirns, die aus menschlichen Stammzellen gewonnen werden und in einer Petrischale reifen. In dieser Studie wurden Organoide über einen längeren Zeitraum hinweg synthetischen Glukokortikoiden ausgesetzt. So konnten die Wissenschaftler eine hohe Belastung während der frühen Schwangerschaft simulieren. Die Organoide wurden dann mit nicht-behandelten Kontroll-Organoiden verglichen, die eine normale Gehirnentwicklung darstellen sollten. Das wichtigste Ergebnis war eine veränderte Verteilung verschiedener Typen von Neuronen: In den behandelten Organoiden war der Anteil hemmender Neuronen höher, der Anteil erregender Neuronen niedriger als in den Kontroll-Organoiden. Erregende Neuronen sorgen dafür, dass die nächstliegende Nervenzelle feuert und ein Signal weitergibt. Hemmende Neuronen hingegen verringern die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste Nervenzelle feuert, und verlangsamen somit ein Signal. „Diese Ergebnisse zeigen, dass das menschliche Gehirn in den frühen Entwicklungsstadien sehr formbar und anfällig für äußere Einflüsse ist, noch mehr als bisher gedacht“, so Dony. Ein Ungleichgewicht der Neuronen-Typen wurde schon aus genetischer Sicht mit psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Diese Studie zeigt erstmalig, dass Umwelteinflüsse den gleichen Effekt haben können. Mehr Wissen ist nötig, um zu verstehen, was das für das Krankheitsrisiko bedeutet: „Wir sehen mehr hemmende Neuronen, aber unsere Ergebnisse zeigen uns nicht, ob dies später ein Risiko oder sogar ein Schutz vor bestimmten Erkrankungen ist“, erklärt Cruceanu.
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