Schweiz: Jedes fünfte Schulkind hatte schon Corona

Blutentnahme für die Studie Ciao Corona der Universität Zürich. (Foto: UZH/Ciao Corona)

Die Universität Zürich hat zum dritten Mal 2500 Schulkinder getestet. Dabei zeigt sich: Knapp 20 Prozent aller Kinder haben bis April 2021 Antikörper gegen das neue Coronavirus gebildet. Zwei Drittel der infizierten Kinder bleiben symptomlos. Bei 80 Prozent der infizierten SchülerInnen bleiben die Antikörper mindestens sechs Monate erhalten. Zwei Prozent der Infizierten berichten über Symptome, die mit Long-COVID vereinbar sind.

Die Studie “Ciao Corona” der Universität Zürich hat zum dritten Mal 2500 Kinder aus 275 Klassen und 55 Schulen auf Antikörper gegen das neue Coronavirus getestet. Die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler machte bei allen Testrunden (Sommer 2020, Herbst 2020, Frühling 2021) mit. Das erlaubt einen aussagekräftigen Langzeitvergleich.

Proportionaler Anstieg der Infektionen auch bei Kindern

Seit Juni 2020 stieg der Anteil Kinder, die eine Infektion durchgemacht und Antikörper entwickelt haben, von zwei uf 19 Prozent. Die Infektionsrate ist damit vergleichbar mit jener der Eltern und des
Schulpersonals. Es zeigen sich keine wesentlichen Alters- oder Geschlechtsunterschiede, außer dass die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe etwas weniger betroffen waren.

80 Prozent behielten Antikörper über sechs Monate

Erfreulicherweise hat eine Mehrzahl der Kinder ihre Antikörper seit der Herbstmessung und damit über mindestens sechs Monate behalten. Bei rund 20 Prozent der infizierten Kinder waren keine Antikörper mehr nachweisbar. Dieser Rückgang ist vergleichbar mit jenem bei Erwachsenen. “Es ist möglich, dass Kinder mit durchgemachter Infektion trotz fehlender Antikörper durch andere Abwehrmechanismen des Körpers wie T-Zellen vor einer Wiederansteckung geschützt sind”, erklärt Studienleiterin Prof. Susi Kriemler von der UZH. Noch ist unklar, wie lange die natürliche Immunität anhält.

Clustering von Ansteckungen wächst proportional

In der ersten Testphase (Sommer 2020) gab es im Schnitt bei zwei von 100 Klassen eine Häufung von Infektionen (≥3 Infizierte pro Klasse). In der zweiten Testphase (Herbst 2020) gab es bei sechs von 100 Klassen ein solches sogenanntes Clustering. Bei der jüngsten Testphase (Frühling 2021) stieg der Wert auf 20 von 100 Klassen. Dieser Anstieg ist ungefähr proportional zum gesamthaften Anstieg der durchgemachten Infektionen. Es muss noch untersucht werden, ob die Infektionen gleichzeitig oder
nacheinander stattfanden.

Wenig Symptome vereinbar mit Long-COVID

Seit dem Herbst 2020 zeigten vier Prozent der Kinder mit positivem Antikörpertest Symptome, die mit Long-COVID vereinbar sind (Symptome über ≥3 Monate). Auch bei den Kindern ohne Antikörper gegen SARS-CoV-2 machten jedoch zwei Prozent Angaben zu Langzeitsymptomen. Für längerdauernde Symptome können also auch andere Gründe verantwortlich sein. Es ist deshalb davon auszugehen, dass etwa zwei Prozent der infizierten Kinder Langzeitsymptome zeigen, die mit COVID-19 in Zusammenhang stehen können. Keines der untersuchten Kinder war im Verlauf der Erkrankung hospitalisiert.

“Ciao Corona”-Resultate stützen Maßnahmen

Die Gesundheits- und Bildungsinstitutionen der Schweiz gewichten das Recht auf Gesundheit und Bildung und die Gefahr von psychischen und sozialen Ungleichheiten hoch und empfehlen daher nach wie vor, ein Paket von Maßnahmen im Schulsetting anzuwenden. Eine einzelne Maßnahme bringt wenig, aber die Kombination von Massnahmen wirkt sich additiv und synergistisch aus. Zudem stützten die schulbasierten
kantonalen, sorgfältig aufgearbeiteten Zahlen des Contact Tracings die Richtlinie, die Quarantänemaßnahmen auf einzelne Klassen und Schulen zu beschränken, anstatt Schulen generell zu schließen.